Visuelle Systemsimulation – Explizites und implizites Wissen kraftvoll vernetzen

By | 20. Mai 2010

Gastbeitrag von Walter Kurz, Betriebswirt, Unternehmer, Schwerpunkt Systemisches Coaching im Innovationsmanagement, www.innovation-studie.com

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Schachspielen ist wesentlich einfacher als erfolgreiche Innovation. Beim Schachspielen, bewegen wir uns in einem determinierten System. Das bedeutet, wir kennen alle relevanten Systemelemente (die Schachfiguren), die Systemgrenzen (das Schachbrett) und die Spielregeln. Dennoch ist die Anzahl der verschiedenen Spielzüge so hoch, dass selbst die besten Schachcomputer an ihre Leistungsgrenzen stoßen. Das System Schach wird, bezogen auf einen angemessenen Zeitraum, transcomputational und dies, obwohl wir einen sehr klaren Über­sicht über System, Elemente und Regeln haben.

Anders der Markt, den wir mit unseren Innovationen beglücken wollen. Natürliche Systemgrenzen des Marktes sind nicht vorhanden, die relevanten Systemelemente lediglich zu einem Bruchteil bekannt, von definierten Regeln, nach denen der Markt funktioniert, einmal ganz abgesehen. Wir befinden uns in einem stochastischen System, das wir, sehr streng genommen, kaum verstehen. Dennoch schaffen wir es, neue Produkte zu ent­wickeln und erfolgreich einzuführen. Die Schwierigkeit liegt darin, heute Entscheidungen zu treffen, die ihre Wirkung in einem künftigen, unbekannten Systemzustand (Marktsituation) in gewünschter Weise entfalten. Um in stochastischen Systemen handlungsfähig zu sein, bedienen wir uns verschiedener Techniken. Wir legen un­seren Entscheidungen Informationen zugrunde, die durch Erfahrung gewonnen wurden. Diese Beobachtungen verbinden wir mit aktuellen oder angenommen Situationen, ziehen daraus verschiedene Arten von logischen Schlüssen und treffen Entscheidungen, von denen wir annehmen, dass sie der Zielerreichung dienen.

Greifen wir bewusst auf Informationen zu, nutzen wir explizites Wissen, kommen wir mehr oder weniger unbe­wusst zu Erkenntnissen, sprechen wir von Intuition, Bauchgefühl oder von der Nutzung impliziten Wissens. Der Anteil unseres unbewussten Wissens ist, das belegen wissenschaftliche Studien, wesentlich größer als der Anteil der Informationen, die tatsächlich bis ins Bewusstsein vordringen. Also liegt es nahe, diesen latent verfügbaren Informationspool nutzbar zu machen.

Eine Möglichkeit der Nutzbarmachung expliziten Wissens im Innovationsmanagement ist der Einsatz visueller Systemsimulationen. Dieses systemische Verfahren, das unter einem anderen Namen vor mehr als 60 Jahren entwickelt wurde, ist in der Lage, bewusstes und unbewusstes Wissen vernetzt ans Tageslicht zu bringen. Im ersten Schritt wird mit den Betroffenen, z.B. dem Innovationsteam, das relevante System exploriert und unter Verwendung einfachster Hilfsmitteln visuell nachgebaut. Die Systemelemente werden in relativen Bezug zuein­ander gesetzt und solange modelliert, bis alle Beteiligten mit dem dargestellten Systembild einverstanden sind. Der aktuelle Systemzustand wird diskutiert und künftige Zustände auf Basis generierter Hypothesen simuliert. Dabei nehmen die Beteiligten auch die einzelnen Positionen im System ein, erleben und schildern ihre Wahr­nehmungen aus der jeweiligen Perspektive. Erfahrungsgemäß ist dies der Zeitpunkt, an dem bewusstes Wissen in den Hintergrund tritt und latentes, implizites Wissen auftaucht. Die Überraschung ist oftmals groß, die neuen Einsichten und Erkenntnisse werden als bereichernd und hilfreich empfunden. Es entstehen völlig neue Informa­tionscluster, die auf andere Arten so nicht gewonnen hätten werden können. Die visuelle Systemsimulation, die in der Regel nur zwischen 60 und 120 Minuten dauert, endet mit der Diskussion und Überleitung der neuen Erkenntnisse in konkrete Maßnahmenpläne.

Innovation wird zwar nie so einfach wie das Schachspielen werden, dennoch können wir durch die Verkettung und Vernetzung wirkungsvoller Techniken, das stochastische System Markt ein Stück greifbarer machen.

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