Social Forecasting – eine Methode für Strategen und Innovationsmanager

By | 18. September 2012

Viele unternehmerische Entscheidungen wie beispielsweise Marktprognosen oder Strategien können kaum auf Basis von Vergangenheitswissen getroffen werden. Vorhersagen zu Trends und Entwicklungen sind ebenfalls schwierig. Und hier kommt die Methode „Social Forecasting“ ins Spiel. Sie ist an Crowdsourcing angelehnt und nutzt für Entscheidungen die kollektive Intelligenz der Mitarbeiter.

Auf Basis von Web 2.0 Technologien können Mitarbeiter einfach in Entscheidungen eingebunden werden. Ähnlich wie bei Prediction Markets werden konkrete Fragen an Mitarbeiter gestellt. Anwendung findet die Methode z.B. bei

  • Marktprognosen, z.B. Verhalten Wettbewerber, Kunden, Absatzzahlen, Marktanteile etc.
  • Produktinnovationen, z.B. Umsatzzahlen, Chancen
  • Technologietrends
  • Wirtschaftsprognosen
  • Strategische Entscheidungen

Ziel ist es nicht, eine Unmenge an Informationen wie Kommentare zu sammeln, sondern konkrete Antworten wie Votings oder quantitative Abschätzungen zu erhalten. Durch den geringen Aufwand ist auch die Teilnahmebarriere geringer und somit die Beteiligungsrate entsprechend hoch, was die Qualität der Daten erhöht.

Die Vorteile von Social Forecasting sind

  • Man erhält in kurzer Zeit wichtige Informationen als Entscheidungsgrundlage.
  • Einfach Umsetzung, technisch nicht aufwendig.
  • Die Entscheidung basiert auf vielen Expertenmeinungen.
  • Sensible Unternehmensdaten und Entscheidungen werden nicht an Externe ausgelagert.

Allerdings gibt es zum letzten Vorteil auch Zweifel. Durch das Stellen der Frage wird auch Informationen an eine Vielzahl von Mitarbeitern preisgegeben. Und wer kann sicherstellen, dass hier nicht Lücken sind. Meist handelt es sich dabei um strategisches und kritisches Wissen zur Unternehmenszukunft.

Anwendung von Social Forecasting im Innovationsmanagement

Sie kennen es sicher: Sie haben eine fast unendliche Liste an Ideen und müssen die Erfolgsversprechenden auszuwählen. Meist versucht man, ein Kriterienset zu entwickeln (z.B. Machbarkeit, Umsatzpotential, …) und lässt die wichtigsten Experten die Ideen auf Basis der Kriterien zu evaluieren. Mit ausführlichen Algorithmen (mit Gewichtungen …) wirft dann Excel die Top Ideen aus.

Aber …

  • … Repräsentieren die Experten tatsächlich den Markt. Um sich abzusichern, befragt man meist Abteilungsleiter, die aber schon lange nicht mehr mittendrin im Markt sind.
  • … Obwohl man nur wenige Leute frägt, kann es Wochen dauern bis alle Bewertungen retour sind.
  • … Haben wir die richtigen Kriterien angewandt. Schon alleine mit der Kriterienwahl und  Methode der Berechnung kann man die Ergebnisse beeinflussen / manipulieren.

Hier wird hohes Potential für die Methode „Social Forecasting“ gesehen. Vertriebsmitarbeiter – Sie kennen den Markt und ihre Kunden! Dort schlummert immenses, aber oft ungenutztes Marktwissen zur Auswahl von Innovationsideen. Sie kennen viele Kunden und können abschätzen, ab das neue Produkte Absatzchancen hat (immerhin müssen sie es ihnen auch verkaufen). Und das natürlich auch konkret quantifizieren, z.B. Umsatzzahlen, mögliche Preise.

Wie könnte das in der Praxis aussehen?

  • Im Intranet wird eine Ideenliste zur Verfügung gestellt.
  • Es wird eine konkrete Frage gestellt. z.B. Wie schätzen Sie die Umsatzchance der neuen Produkte in Ihrem Markt ein?
  • Funktionen zur Beantwortung könnten z.B. Sterne oder Skalen sein (quantitativ auswertbar). Zusätzliche Kommentarfunktionen können weitere wertvolle Informationen bringen.
  • Auswahl und Einladung der Zielgruppe. Hier ist sicherzustellen, dass es ein repräsentativer Querschnitt des Marktes ist.

ABER: Achten Sie immer auf die Qualität der Daten! Haben viele Vertriebsmitarbeiter aus einem kleinen Markt und kaum jemand aus den großen  Schlüsselmärkten beantwortet, sind die Daten nahezu wertlos.

Social Forecasting hat großes Potential im Unternehmensalltag. Aber wie bei jeder Methode kommt es immer auf die richtige Anwendung an. Eine falsch gewählte Frage, die Preisgabe falscher Information oder die falsche Wahl der Zielgruppe kann die Anwendung schon im Sand verlaufen lassen.

Quelle und weitere Informationen: http://www.business-wissen.de/organisation/social-forecasting-und-mitarbeiterwissen/druck.html

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One thought on “Social Forecasting – eine Methode für Strategen und Innovationsmanager

  1. Administrator Post author

    Im Harvard Business Manager fand ich einen dazupassenden Artikel zur Einbindung von Mitarbeiter in Entscheidungen mit interessanten Beispielen:

    Nach dem Spaceshuttle-Unglücken schätzte die NASA die eigenen Prozesse als sehr fehlbar ein.

    Entscheidungsprozesse wurden grundlegend überdenkt. Heute verfügt die NASA über klare Abläufe, wo umfassende Daten und Meinungen verschiedenster Experten erhoben werden. Die Entscheidung „Sollen wir starten?“ wird darauf basierend kollektiv in einer gemeinsamen Entscheidungsveranstaltung getroffen.

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