Enterprise 2.0 – Der lange Weg zu Facebook & Co

By | 14. September 2010

Gastbeitrag von Fabrizio De Pasquale, Knowledge Network Coach, Siemens AG Österreich

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Vor kurzem hat Facebook veröffentlicht, noch einen Rekord erreicht zu haben: 500 Millionen Menschen rund um den Globus sind bei der Social Plattform registriert.

Die amerikanische Firma stellt aber nur die Spitze eines Eisbergs dar und zwar die massivste und bekannteste Ausprägung eines Phänomens, das mittlerweile großes Interesse bei Unternehmen geweckt hat.

Die Internet-Welt wurde in den letzten zehn Jahren durch die so genannte Web 2.0 Revolution stark verändert. Internet ist seither nicht mehr der Ort, wo wenige Menschen bzw. Akteure Inhalte für die Masse der Nutzer zur Verfügung stellen, sondern jeder hat die Möglichkeit in verschiedenen Formen „User Generated Content“ zu veröffentlichen (genau sowie bei diesem Blog). Das Internet wird daher offener, reicher und demokratischer. Nicht nur gewinnt das einzelne Individuum mit Web 2.0 Sichtbarkeit, sondern eine weitere soziale Dimension ist damit auch unterstützt: jeder Eintrag (Schrift, Video, Audio etc.) kann von anderen „Peers“ kommentiert oder – wie bei Wikipedia – sogar bearbeitet werden. Damit können  soziale Relationen und neue Verbindungen auf einer ganz neuen, dynamischen Art entstehen.

Unter dem Begriff Social Media gewinnen Plattformen wie Facebook, Xing, Orkut, Twitter oder Linkedin Millionen von Internetsurfern, die schnell und informell ihre (oft weltgestreute) Netzwerke mit verschiedenen Zielen und Modalitäten pflegen oder erweitern wollen.

Was bedeutet dieses massive Phänomen für Unternehmen?

In einer Firma mit zehn Mitarbeitern, die alle in denselben Räumen sitzen, kann jeder relativ schnell und einfach Informationen holen oder Erfahrungen mit Kollegen austauschen. Es ist nämlich von mehreren Studien bewiesen, dass das meiste Wissen über solchen informellen Wegen statt über offiziellen Dokumente/Prozessen in Firmen fließt. Also, wenn man Wissen als „die Fähigkeit Dinge zu tun“ sieht, spielt das soziale, menschliche Element in diesem Fall eine entscheidende Rolle.

Wie in seinem bekannten Buch „Enterprise 2.0“ beschrieben, zeigt Prof. Andrew McAfee, dass Organisationen bald eine Größe erreichen, wo die notwendige Durchsichtigkeit nicht mehr vorhanden ist und damit sehr gefährliche Ineffizienzen entstehen.

Besonders für mittel bis große und breit gestreute  Firmen, kann Social Media durch die Unterstützung von informellen Kommunikationskanälen viele Barrieren überwinden, die mit Hierarchie, Organisation, unterschiedlichen Businesses/Projekte oder Kulturen zusammenhängen.

So entsteht das Konzept Enterprise 2.0 als Anwendung und Anpassung von Elementen aus der Web2.0/Social Media Welt im Unternehmenskontext.

Ein Beispiel: Enterprise 2.0 @ Siemens

Siemens, mit  405.000 Mitarbeiter weltweit, 15 Divisionen und Kompetenzen von Zugbau, über Molekulare Biologie bis hin zu Wasserkläranlagen, stellt ein sehr spannendes Anwendungsfeld für Enterprise 2.0 dar.

Seit rund einem Jahr läuft eine Social Media Plattform, die das Ziel hat, Mitarbeiter weltweit rund um Business Themen zu vernetzen und gegenseitige Unterstützung bei Problemen anzubieten. Kollegen, die tausende Kilometer von einander entfernt und bei sehr verscheidenen Business Units tätig sind, aber die mit ähnlichen Themen sich beschäftigen, können sich jetzt wiederfinden und informell austauschen. Die Begegnung die damals nur bei einer Kaffeeküche, Kantine oder Konferenz oft zufällig stattgefunden hat, kann nun jederzeit und ganz gezielt betrieben werden. Darüber hinaus ist die Plattform für jeden offen und sichtbar: die ausgetauschten Informationen, die eng mit tazitem Wissen gekoppelt sind,  können weiter verwendet oder erweitert werden.

Damit werden beispielsweise nicht nur inter-divisionale Kontakte etabliert, sondern auch tägliche Probleme sehr schnell gelöst oder gemeinsam neue Trends identifiziert: Synergieeffekte ermöglichen das Entstehen oder die Vertiefung von innovativen Ideen. Ein Fall ist zum Beispiel, wenn ein Mitarbeiter aus der Healthcare Imaging Unit innovative Lösungen für Körper Navigationskonzepte sucht und innerhalb von ein paar Tagen den richtigen Ansprechpartner bei der Industrie Logistikautomation findet.

Fazit

Besonders für Firmen, die eine kritische Größe erreicht haben, stellt Enterprise 2.0 ein großes Potenzial dar, das über eine breite Anzahl von vorhandenen Lösungen ausnutzbar ist. Allerdings liegt derzeit die größte Herausforderung bei Unternehmen, den richtigen Anwendungsansatz für ihren spezifischen Mix aus Businessgebiet(e), Kultur und Organisation zu finden.

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2 thoughts on “Enterprise 2.0 – Der lange Weg zu Facebook & Co

  1. Bianca Gade

    Ein Thema, das sicher Bücher füllen könnte. Der Ansatz, den Siemens geht, kann ich nur zustimmen. Erst letztes Wochenende kam auf dem Barcamp in Stuttgart die Diskussion hoch, ob für B2B Unternehmen Social Media überhaupt Sinn macht. Leider ging es hierbei nur um Imagegewinn und weniger um Prozessoptimierung – was Enterprise eindeutig ist.
    Als frühere Siemens-Mitarbeiterin sehe ich bisher keinen großen Nutzen, Siemens auf Facebook und Twitter zu hypen – außer vielleicht beim Recruiting. Wie denken Sie generell darüber?

  2. Alexander Stocker

    Hallo Frau Tagwerker!
    Spannender Einführungsartikel zu E20. Nur schade, das die zahlreichen Siemens Initiativen für Enterprise 2.0 (Technoweb, Wikisphere, Blogosphere, References@BT) hier nicht durch den Siemens-Vertreter angeführt werden.

    Ich erlaube mir daher auf eine dieser Initiativen (References@BT) zu verweisen, welche ich gemeinsam mit dem Verantwortlichen als Fallstudie untersuche und in einem Beitrag beschrieben habe: http://www.scribd.com/doc/39589306/Siemens-Auf-Dem-Weg-Zum-Enterprise-2-0

    Noch mehr zu Enterprise 2.0 finden Sie auf meinem Weblog http://www.alexanderstocker.at/

    Vielleicht ist für die Innovationsmanagement-Community etwas Interessantes dabei: Wissensmanagement und Innovationsmanagement scheinen ja immer mehr zu konvergieren 😉 (im E20)

    Viele Grüße aus Graz
    Alexander Stocker

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