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Soziale Innovationen – “Tu was, dann tut sich was!”

26 Oktober 2013

Kurzfristig gab es in der Innovationsmanagement-Szene einen Hype um das Thema soziale Innovation. Aber da dahinter keine ROIs sichtbar sind, ist es leider wieder abgeflaut. Ich möchte aber auf die Wichtigkeit und das Potential von sozialen Innovationen eingehen.

Zu Beginn eine kurze Defintion:

Eine Neuerung, wo der Nutzen bei der Gesellschaft liegt. Beispiele: Armutsbekämpfung, Bildung, Chancengleichheit, Gesundheit, gegen Gewalt usw.

Eine der berühmtesten sozialen Innovationen ist die Grameen Bank in Bangladesch mit ihrer Vergabe von Mikrokrediten. So bekamen Menschen die Chance, aus der Perspektivenlosigkeit auszubrechen und ihr eigenes Geschäft aufzubauen. 2006 erhielt Muhammad Yunus den Friedensnobelpreis für die Förderung wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung von unten.

Der große Vorteil einer sozialen Innovation ist, dass letztendlich die gesamte Gesellschaft davon profitiert.

Soziale Innovation sollte eigentlich ganz oben auf der Agenda der Politik zu finden sein. Einige Länder führen auch schon Büros für soziale Innovation.

Aber die größten Treiber von sozialen Innovationen sind immer noch die Menschen, die etwas verändern und bewegen wollen, die helfen wollen. Das demonstrierte die Initiative Open Innovation von Ö1, wo unter dem Motto „Landkarte einer neuen Zivilgesellschaft“ über 400 Projekte eingereicht wurden. Einige möchte ich kurz vorstellen:

  • Bei der Junior City Farm in Schönbrunn werden Kinder zu Gärtnern, vor allem wird dort mit sozial Schwächeren gearbeitet. Kinder machen dabei eine enorme Selbsterfahrung mit der Natur und lernen gesundes Essen kennen.
  • Bei Wir gemeinsam ist die Währung Zeit, mit dem Ziel, dass Menschen in der Nachbarschaft sich gegenseitig helfen. Ein Geben und Nehmen, mit viel Wertschätzung und zur Förderung der Gemeinschaft.
  • Beim Dorfservice helfen Ehrenamtliche alten Menschen, zum Beispiel beim Einkaufen, Kirche gehen, Arzt fahren oder einfach alltäglichen Tätigkeiten. „Ohne Euch könnte ich nicht leben“, ist das Echo der alten Menschen, die ohne diese Unterstützung meist hilflos wären.
  • Grenzenlos Kochen ist Multi-Kulti Kochen, wo verschiedene Nationen mit ihren Landesküchen aufeinander treffen. Das kulinarische Erlebnis fördert die Integration und das Verständnis füreinander. Liebe geht ja bekanntlich auch durch den Magen.
  • Beim Jugendrat Team OÖ machen Gemeinden mit Jugendlichen Workshops zur Politik, zum Beispiel „Was würdest du ändern, wenn du Bürgermeister wärst?“. So wird die Jugend für Politik begeistert und aufgefordert, aufstehen und etwas zu sagen.

Unglaublich, was sich hier bewegt. Und all diese Innovationen haben vier Dinge gemeinsam:

  • Menschen engagieren sich für andere,
  • freiwillig,
  • arbeiten sehr professionell und
  • haben viel Freude daran.

Menschen wollen etwas bewegen. Und die Politik muss dieses kraftvolle Potential an Energie in der Bevölkerung aufgreifen, die Menschen partizipieren lassen und die Veränderungen fördern.

Nachdem im 20. Jahrhundert viele technologische Innovationen unserer Leben verändert haben, wird im 21. Jahrhundert die soziale Innovation einen immer höheren Stellenwert gewinnen, um das Leben nach dem Wandel lebenswerter zu gestalten.

Viele Unternehmen haben das Thema Soziale Engagement im Rahmen des Nachhaltigkeitsprogramms schon auf der Agenda. Ein sehr positives Beispiel ist Anglo American:

Leider versteht man aber bei vielen Unternehmen darunter allzu oft nur medienwirksame Spenden. Das kreative Potential und Engagement der Mitarbeiter für nachhaltige und soziale Innovationen wird viel zu wenig genutzt. Und im schlimmsten Fall sind es nur Lippenbekenntnisse, letztendlich zählen Geld und Profit, am Beispiel Kyoto. Zwei Probleme sehe ich, warum sich Unternehmen oft zu wenig engagieren:

  • Alles muss billiger und mehr werden, egal ob auf Kosten der Umwelt, Menschen … Und da tragen wir alle ein Stück bei.
  • Die Verursacher spüren die Folgen nicht, weil sie schleichend und örtlich und zeitlich verschoben sind.

Dabei muss Nachhaltigkeit und soziale Innovation auf jeder Zukunftsagenda zu finden sein, alle  müssen Verantwortung übernehmen, sonst ist das Leben für unsere Kinder, Enkelkinder, Urenkel … nicht mehr lebenswert. Denn wenn wir die Welt zerstören, helfen uns Geldscheine auch nichts mehr.

Aber wie die Initiative von Ö1 zeigt, gibt es sehr viel Engagement. Es müssen nur alle - Politik, Unternehmen und die Gesellschaft – gemeinsam auf den Zug aufspringen.

Zitatquelle “Tu was, dann tut sich was!” – Sozialfestival http://www.tu-was.at/

Impressionen vom Ö1 Open Innovation Forum:

Foto Copyrights: Helmut Graf

Open Innovation in Europa

21 September 2011

Am 8. September wurde von der EU die Studie “Open Innovation in Europe: Effects, Determinants and Policy” veröffentlicht.

Die empirische Studie widmet sich den Praktiken und Strategien europäischer Unternehmen in Bezug auf Open Innovation. Sie beweist, die Öffnung der Innovationsprozesse eine positive Wirkung auf die Innovationsleistung hat.
Anschließend werden die Auswirkungen der Erkenntnisse auf die zukünftige Innovation Policy diskutiert.

Weitere Informationen und Download der 235-seitigen Studie unter:
http://www.proinno-europe.eu/inno-grips-ii/workshop/exploring-potential-open-innovation-eu-2020-strategy-comprehensive-insight-tr

Beispiel für Open Innovation im öffentlichen Bereich

2 April 2010

Hannes Androsch, Unternehmer und ehemaliger SPÖ-Finanzminister und Vizekanzler, lobte kürzlich einen Preis im Wert von EUR 100.000 für denjenigen aus, der ein neues Sozialversicherungssystem entwickelt, das Bevölkerungsentwicklung und Risiken des Finanzmarktes nicht in die Knie zwingen (siehe Profil Nr. 14/41. Jg.).

Aus meiner Sicht sind Open Innovation und Crowdsourcing genau im öffentlichen Bereich sehr mächtige Werkzeuge.

  • Die öffentliche Hand hat mit Problemstellungen und Herausforderungen zu tun, die ein hohes Potenzial haben, Millionen oder gar Milliarden von Euros einzusparen.
  • Weiters sind es Problemstellungen, die zig von Menschen betreffen, die auch Kunden sind und sie daher Vorschläge einbringen können.
  • Durch diese Ausschreibung wir eine Menge an Wissen und Know-How gesammelt, die Anregungen zu Optimierungen bringen und wo sich die die 100.000 Euro Preisgeld sicher mehrmals rentieren.
  • Und es gibt dem Bürger ein Gefühl, sich einzubringen zu können und nicht nur, dass alles durch die Politik fremdbestimmt wird.

Details zur Ausschreibung: http://www.oeaw.ac.at/deutsch/about/haprize/haprize.html