Was sind Komplexithoden? Methoden für Innovation der Organisation.

By | 5. Oktober 2015

Komplexität – Warum schreiben wir hier darüber? Komplexität steht eng in Verbindung mit Innovation. Ein guter Umgang damit ist die Basis für gute Innovationen. Und es erfordert ein Innovieren der Organisation.

Die Komplexität steigt ständig, gezeichnet von vielen Unsicherheiten, Überraschungen und schnellen Veränderungen. Aber Komplexität kann nicht gemanagt oder reduziert werden, kann nicht mit Regeln und Routinen bewältigt werden. Sondern es kann nur mit menschlichem Können entgegengewirkt werden.

Die traditionellen Management-Tools sind nicht mehr wirksam. Niels Pfläging behauptet sogar, das Management ist tot: Es darf keine Trennung mehr zwischen dem Anschaffen & Entscheiden und dem Tun geben. In einer zukunftsfitten Organisation

  • übernimmt jeder Mitarbeiter Verantwortung, das erfordert Sinnkopplung und die entsprechende Kultur.
  • gibt es Selbstorganisation und Selbstregulierung.
  • gibt es Dezentralisierung und starke Marktorientierung: Die Peripherie – die Leute nah am Markt – geben den Ton an, das Zentrum unterstützt.

Mehr dazu auch hier: Komplexität managen – eine Schlüsselkompetenz der Zukunft!

Niels Pfäging beschreibt in seinem BuchKomplexithodenviele Tools für die Organisation der Zukunft. Der heutige Alltag ist noch weit weg davon, aber diese Werkzeuge regen zum Hinterfragen und Nachdenken über alte, fest eingefahrene Muster, Methoden und Selbstverständlichkeiten an.

Verzicht auf Planung, Budgetierung und Zielvereinbarung

Darauf wird verzichtet, weil aufgrund der Unsicherheit ist es kaum planbar. Statt absoluten Ziel werden relative Ziele vereinbart, die in Beziehung zu internen oder externen Vergleichsleistungen stehen (z.B. 15 % mehr als der Wettbewerb, als das Vorjahr …).

Planung ist hilfreich, wenn die Zukunft stabil und vorhersehbar ist und die Einflussgrößen antizipierbar sind. Zum Umgang für die Zukunft dient daher nicht die Planung sondern gute Vorbereitung und Fitness, analog wie bei einer Expedition und das ständige Üben.

Peer-Recruiting

Nicht nur die fachliche Eignung spielt ein Rolle, sondern vor allem die Haltung und der kulturelle Fit eines neuen Mitarbeiters, was man nicht einfach beobachten kann. Daher werden Mitarbeiter auf Basis von Arbeit auf Probe, wo auch der Bewerber das Unternehmen kennen lernen kann und Peer-Recruiting auf Basis mehrerer Einzelinterviews verschiedener Mitarbeiter ausgewählt. Gibt es ein einzelnes „Nein“, scheidet der Kandidat aus.

Wertschöpfung statt Verschwendung

Kosten kann man nicht managen, sie sind nur ein Abbild der Arbeit. Nur die Arbeit selbst kann verbessert werden, alle packen bei Wertschöpfung an und reduzieren Verschwendung. Die Wurzeln von Verschwendungen sind meist schlechte Kommunikation, schlechte Zusammenarbeit, Überlastung von Engpässen etc. Das wird in keinem Controlling-System abgebildet und kann nicht durch Kostenaktionismus reduziert werden.

Prinzipien statt Regeln

Regeln über Regeln gibt es in Unternehmen. Das wirkt sehr autoritär und als hätte man sonst nur Probleme. Sinnvoller sind Prinzipien, die sich die soziale Gruppe selbst auferlegt.

Zu viele Regeln führen auch zur Überregulierung und Entmündigung, es ist kompliziert und man setzt aktionistisch auf Symptome statt Ursachen. Ein Stichwort dazu ist Organisationshygiene. Eine Organisation ist aufgeräumt, sauber von unwirksamen Regeln, Methoden und Ritualen. Das wichtigste Prinzip lautet: Wir gehen sparsam mit allen unseren Ressourcen um.

Ein gutes Beispiel sind elendslange Dienstreiseregelungen über Hotelkostenvorschriften, Wahl des Transportmittels, wer wann Economy oder Business fliegen darf. Für jedes Phänomen und jede Ausnahme gibt es eine Regel. Statt einer „Gehen Sie sparsam um!“.

Entscheidungen

Oft werden Entscheidungen „nach oben delegiert“ und manchmal dort auch in politische Vorgänge transformiert, wofür dann letztendlich keiner verantwortlich ist. Alternativen sind Gremien und Ausschüsse. Das artet aber in Meetingtourismus aus, denn wer meetet ist wichtig. Und irgendwann wird jeder Bleistiftkauf in einem Gremium entschieden. Es dauert, frisst Zeit, ist aufwendig und teuer, aber für viele Alltag.

Moderne Organisation sollen Entscheidungen konsultativ und im Konsens treffen. Der Verantwortliche holt sich verschiedenste Expertisen ein und entscheidet dann selbst auf deren Basis nach gutem Wissen und Gewissen.

Meetings

Und Meetings müssen effektiver und effizienter werden.

  • Die Teilnahme soll freiwillig sein.
  • Keine Zusammenkunft ohne Problem.
  • Vorbereitung ist das A und O der Effizienz: alle Unterlagen gibt es vorab, niemand kommt unvorbereitet!

Keine Kosten, nur Leistungen

Ein Unternehmen hat eine netzwerkartige Wertschöpfungsstruktur, worin die Leistungen zwischen den Teams marktwirtschaftlich verrechnet werden. Jede Leistung hat einen Preis (kostendeckend, ohne Gewinne) und wird intern gehandelt. Passt die Leistung nicht, kauft man auch extern zu. Das bringt Transparenz, Bewusstsein für den Leistungsaustausch und unternehmerisches Handeln.

Offene Bücher

Ohne Transparenz kein Mitdenken. Aber offene Bücher sind selten, aus Angst vor Missbrauch. Dabei ist der Schaden durch Informationsmacht und Intransparenz weit höher.

Die Bücher aufzumachen und offenzuhalten bringt

  • Schnelle, einheitliche Informationsaufbereitung.
  • Sichtbare Wertschöpfungszusammenhänge für alle Mitarbeiter.
  • Rohstoff für kritischen Diskurs über anstehende Entscheidungen.

Innovationszeit statt Innovationsab-teilung

Innovation und Kreativität darf keine Stelle sein. Innovation geht alle an, daher bekommt jeder Mitarbeiter Zeit, innovativ zu sein.

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Das hier ist eine Auswahl der Tools, viele weitere gibt’s im neuen Buch von Niels Pfläging und Silke Hermann: Komplexithoden. Clevere Wege zur (Wieder)Belebung von Unternehmen und Arbeit in Komplexität.

 

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2 thoughts on “Was sind Komplexithoden? Methoden für Innovation der Organisation.

  1. Kurt Jelinek

    Hallo, das hier ist ein Wunschkonzert. Die Realität sieht ein wenig anders aus. Viele Mitarbeiter geben laut den Aussagen eines meiner Auftraggeber beim Nachhause gehen das Gehirn ab. Wenn die Mitarbeiter in der Früh zur Arbeit kommen, müssen diese schon suchen, wo sie das Hirn hingelegt haben. Klingt böse, ist böse und leider in vielen Fällen Realität. Es macht keinen Unterschied ob jemand nur eine Hauptschulausbildung hat oder Dr. Dr. es ist die innere Einstellung von Menschen, welche man egal mit welcher Methode nicht verändern kann. Leider. VG KJe

  2. mw

    Absoluter Volltreffer. Es timmte infach was Nile Pflaeging sagt: „Ein Unternehmen kann seine Kultur nicht wählen, es hat genau die, die es verdient.“ Und schon albert Einstein sagte: „Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.“ Für unsere komplexe Welt muß sich viel ändern und Nils Pflaeging stellt die Arbeitswelt auf den Kopf. Für Führungskräfte und sog. Manager (besser Sozial-Ingenieure) kratzt das natürlich am Ego und am Selbstverständnis. Sozusagen eine Revolution. Aber eine mit Potential. Packen wir es an!

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