Wie viel Prozess braucht Innovation?

By | 31. Juli 2014

Innovationsprozesse bringen Effizienz, Qualität, Steuerungsmöglichkeiten, Transparenz … viele Vorteile, aber sie haben auch ihre Grenzen.

Prozesse sind sehr wichtig und ich bin ein großer Fan davon: Damit wird sichergestellt, dass die notwendigen Schritte in der notwendigen Qualität zur richtigen Zeit von den richtigen Experten abgearbeitet werden. Ein Werkzeug zur Qualitätssicherung und Fehlervermeidung.

Würden aber die Leute genau wissen was wie wann zu tun ist, würde man wahrscheinlich keine Prozesse brauchen. Das heißt, Prozesse sollen ein Guide und eine Hilfe sein, aber kein bürokratischer Zwang. Und genau so soll damit gearbeitet werden. Die Prozesseinhaltung darf nicht über dem Ergebnis stehen.

Am Beginn eines Innovationsprojektes soll genau festgelegt werden, wie viel Prozess erforderlich ist. Der Prozess und die einzelnen erforderlichen Schritte sollen an die individuellen Innovationsanforderungen angepasst werden – Prozessflexibilität und Process Tailoring.

Liegt der Fokus eines Innovationsprojektes beispielsweise auf neue Technologien und soll die technischen Möglichkeiten neu erfunden werden, braucht das Team mehr Freiräume. Ein Stage-Gate-Prozess mit starker Markterfolgsfokussierung könnte das Projekt stark behindern oder gar bald töten.

Und genau diese Erfahrung hat ein Projektteam gemacht: Eigentlich war es ein Technologieprojekt, wo es um die Erforschung der technischen Möglichkeiten ging. Aber es wurde als Produktentwicklungsprojekt behandelt, so hatte das Team ständig Wirtschaftlichkeits- und Marktfaktendiskussionen. Letztendlich kam ein neues Produkt raus, aber noch viel wichtiger ist der technologische Vorsprung gegenüber der Konkurrenz, der weiter ausgebaut werden konnte. Das Projektteam hätte sich aber viel Zeit, Energie und Ressourcen ersparen können, wenn sie am Anfang die Freiräume eines Technologieprojektes gehabt hätten und nicht ständig ihr Projekt mit Marktfakten rechtfertigen hätten müssen.

Bildquelle: © nito – Fotolia.com

Der Stage-Gate Prozess hat sein Grenzen, so auch ein Praxisbeispiel von Nestle im Innolytics Report. Nespresso wäre in einem Stage-Gate-Prozess abgelehnt worden und so nie entstanden, so die Leiterin Corporate Strategy & Innovation von Nestle, Adrienne Héon-Kleinen. Aus ihrer Sicht muss man die Limitationen seines eigenen Innovationsprozesses genau kennen. Selbst der beste Prozess würde bestimmte Formen von Innovationen nicht fördern.

Letztendlich zählen die Menschen dahinter, dazu braucht es

  • den  Inventor, der die Technologie erfunden hat.
  • den Innovator, der daraus das neue Geschäftsfeld entwickelt und das Geschäftsmodell umsetzt.
  • Kunden, die daraus langfristig einen Nutzen ziehen und das Produkt am Markt erfolgreich machen.

Und aus meiner Sicht ergänze ich noch die Promotoren aus dem Management, die das Projekt fördern und nicht ständig versuchen, es sterben zu lassen, weil sie in der Unsicherheit den Nutzen nicht erkennen können.

Aber leider lieben viele Manager Prozesse, den sie machen es steuerbar und kontrollierbar. Die Innolytics-Studie stellt dabei fest:

  • 68% sagen, Regeln einhalten ist wichtiger als Ergebnisse erzielen!
  • Für 85 % sind die Prozesse und Regeln starr und schwer überwindbar!

Genau das Gegenteil der oben diskutierten Prozessflexibilität und das mit großen Risiken:

  • Entscheidungen werden immer langsamer, eine riesige Barriere, aber für das Top Management leider schwer erkennbar.
  • Unflexibel für radikal Neues.
  • Bürokratisierung – Fokus auf Prozess statt Kunden und Ergebnis.

Und was noch dazu kommt: Kultur schlägt Prozess.

Ohne einer entsprechenden Kultur, werden die besten Prozesse nicht funktionieren, denn sie brauchen

  • Menschen, die sie vorantreiben.
  • Manager, die sie vorantreiben lassen.

Aber das ist eine a n d e r e Geschichte …

——-

Quellen und Links Innolytics-  Analysetool zur Steigerung der Innovationsfähigkeit

GEWINNSPIEL! Wir verlosen 1 Buch Innolytics®: Innovationsmanagement weiter denken – einfach Mail an gewinnspiel@inknowaction.com mit Name, E-Mail und Adresse schicken. Das Gewinnspiel läuft ab sofort bis 10 August 12 Uhr. Der Gewinner wird gezogen und per Mail verständigt.

5.00 avg. rating (94% score) - 1 vote

2 thoughts on “Wie viel Prozess braucht Innovation?

  1. Christian Bruch

    Das ist eine überaus spannende Frage. Im Rahmen des „Deutschen Qualitätsmanagement Kongress“ vom 25. bis 26. 11. 14 in Kassel werde ich einen Vortrag unter dem Titel „Bremst QM Innovation?“ halten.
    Wir optimieren gerade unseren Innovationsprozess bei der SGL unter der Berücksichtigung von Freiraum und Six Sigma – das ist nicht immer leicht.
    Nach der Veranstaltung stehe ich mit den Inhalten des Vortrages auch gerne für weitere Events zur Verfügung.

  2. Klaus Reichert

    „Methodisches Vorgehen bringt Erfolg“ – es ist letztendlich eine Frage der Methode und der Prozessausgestaltung, welcher Erfolg sich einstellt. Der Stage-Gate Prozess, wie er heute in vielen Fällen eingesetzt wird, ist als „Projekt-Prozess“ angelegt. Das heißt, am Anfang steht ein klar umrissenes (Umsetzungs-)Projekt. Hier eine sehr offene Fragestellung an den Anfang zu stellen, wäre falsch. Das finden von neuen Ansätzen und Produkten ist Teil eines anderen Prozesses, der vorgelagert sein muss und eigenen Regeln folgt: dem Ideation Prozess. Hier kommen auch andere Methoden zum Einsatz, meist auch andere Teamzusammensetzungen. Im Ideation Prozess sind auch die KPI andere.

    Meines Erachtens ist die Überarbeitung des Stage-Gate Prozesses zu einem echten Innovationsprozess überfällig.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.