Was ist „Frugal Innovation“? – Hohes Potential durch Wachstumsmärkte

By | 29. Oktober 2016

Frugal Innovation ist ein Thema, das seit 2010 in Innovationsmanager-Munde ist. Aber es ist kein präsentes und kaum beachtetes Thema, was sich darin spiegelt, dass es relativ wenig Publikationen und Vorträge dazu gibt. Dabei sollte es im Kontext der Globalisierung hochrelevant sein.

Definition Frugal Innovation

„Reduce to the max!“

Frugal steht für “schlicht” und “einfach”. Statt immer neue und bessere Produkte zu entwickeln, die dadurch von Komplexität und hohen Kosten geprägt sind, werden bestehende Produkte entkernt und eine vereinfachte Version mit nur den wirklich notwendigen Features entwickelt.

Die Zielgruppe sind die Wachstumsmärkte der Entwicklungs- und Schwellenländer, konkret die Mittelklasse, die sehr stark im Wachsen ist. Es geht um Innovationen für 90% der Weltbevölkerung, ganz nach dem Motto laut Gerin Trautenberger „Wenn weniger tun etwas Neues ist.“

mittelklasse

Entwicklung der Mittelklasse am Beispiel Indien;  Bildquelle: A.T. Kearney „Capturing the Power of Frugal Innovation“

Diese preissensiblen Kunden wollen kein Geld für unnötige Funktionen ausgeben. Auf der anderen Seite wollen sie aber keine minderwertigen Produkte akzeptieren. Die Erfahrung zeigt, dass Produkte mit einer Bezeichnung, die für niedrige Qualität steht, wie zum Beispiel „eco“, in Ländern wie Indien negativ ankommen.

Kennzeichen von Frugal Innovation

Frugale Innovationen sind gekennzeichnet durch

  • Zielgruppenorientiert – nicht wesentliche Funktionen werden entfernt.
  • Hoher Kundenwert: Die Erfüllung der Bedürfnisse sind von der Qualität her mittel bis hoch.
  • Einfach bedienbar und sehr vereinfacht.
  • Preisgünstig, vor allem durch die Vereinfachung und lokale Produktion.
  • Nachhaltigkeit ist sehr bedeutend: Nutzung von erneuerbarer Energie, ressourcenschonende Herstellung und Betrieb, recyclebar, Langlebigkeit, …
  • Einbindung von lokalen Mitarbeitern und von lokalen Ressourcen und Infrastruktur in die Produktentwicklung und Herstellung.

Betrachtet man die Eigenschaften, wird einem klar, dass das der eigentliche Zweck von Innovation ist. Produkte mit bester Funktion für die Zielgruppe zu niedrigen Kosten zu entwickeln.

Relevanz von Frugal Innovation

Frugale Innovation sollte auf der Agenda von international aktiven Unternehmen ganz oben stehen. Gleich neben der Digitalisierung.

So können Unternehmen das Potential der Wachstumsmärkte nutzen, das immens und im Wachsen ist, und neue Märkte erschließen.

Doch aktuell dominieren eher folgende Strategien:

1. Abgespeckte Version

Es wird einfach die Qualität reduziert, die Produkte werden abgespeckt und damit auch kurzlebiger.

Nachteile:

  • Unternehmen riskieren dadurch, dass sie ihr Image als Premiumanbieter und damit die Marke verletzen.
  • Außerdem will die Zielgruppe keine minderwertigen Produkte.
  • Und durch diese Vorgehensweise wird nicht zielgruppen- und bedürfnisfokussiert entwickelt.

2. Veraltete Technologien werden in Schwellen- und Entwicklungsländer exportiert.

Die Nachteile sind dieselben wie bei der abgespeckten Version, man wird damit bei den Kunden keine Begeisterung und damit keine Bedarf für die Produkte auslösen.

3. Reverse Innovation

Bei Reverse Innovation oder auch Trickle-Up Innovation geht es in die umgekehrte Richtung. Produkte oder Services werden in Entwicklungs- und Schwellenländern entwickelt und in die Industrieländer transferiert.

Risiken der Globalisierung

Frugale Produkte können durch die Globalisierung auch auf die Märkte der Industrieländer gelangen und die eigenen Hochpreisprodukte kannibalisieren.

Ein weiteres Risiko ist die Kopie der Produkte in den Zielländern. Trotz Patenten ist die Exklusivität nicht garantiert. Die Märkte sind so groß und wenig überschaubar, dass es lange dauern kann, bis man Kopien der eigenen Produkte entdeckt. Dazu kommen weitere Schwierigkeiten durch Sprache oder die Verlässlichkeit der rechtlichen Prozesse. Und das ist oft mit hohen Kosten verbunden.

Nokia 1100 – Erfolgsbeispiel für eine Frugale Innovation

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Bildquelle: Wikipedia

Ein bekanntes und auch sehr plakatives Beispiel ist das Nokia 1100. Es ging 2003 in den Markt und war mit 200 Millionen verkauften Stück das bislang erfolgreichste Mobiltelefon.

Das Handy wurde speziell für die Märkte in den Entwicklungsländern konzipiert. Die Basis war eine intensive Marktforschung, wo Menschen in den Zielmärkten zuhause besucht wurden, um die wichtigsten An- und Herausforderungen herauszufinden.

  • Das Telefon hat wenig Extras. Dafür aber zum Beispiel eine Taschenlampe, die für die Zielgruppe sehr wichtig ist und daher ein Verkaufsargument darstellt.
  • Auslegung auf den Einsatz in Gegenden mit unregelmäßiger Stromversorgung und anspruchsvollen Umgebungsbedingungen.
  • Einfache Technik, Robustheit und Langlebigkeit, da die Versorgung mit Ersatzteilen oder ein Software-Update schwierig wären.

Fazit „Hohes Potential, aber mit Vorsicht“

Frugal Innovation bietet hohes Potential, denn die Märkte sind enorm groß. Noch dazu, wenn man die lokalen Ressourcen zur Entwicklung und Produktion (niedrige Lohnkosten) nutzt. Die grundlegende Bedingung ist, dass man die Kundenbedürfnisse und Rahmenbedingungen versteht, um ein Produkt mit genau den Features bereitzustellen, die wirklich relevant sind. Hier kommen wieder Methoden wie Design Thinking groß ins Spiel.

Doch die Medaille hat auch eine Kehrseite: Es ist auch mit großen Risiken verbunden und daher ist Frugal Innovation auch mit hoher Sorgfalt zu genießen. Das Agieren in diesen Märkten kann schwierig sein, zum Beispiel in Bezug auf Patentsicherheit, Korruption, Transparenz der Märkte, Komplexität in Bezug auf die Anforderungen etc.

Daher müssen Unternehmen ihre Strategien gründlich abwägen, um keine Fehler zu machen, denn dann wird es teuer!

Also – Frugal Innovation – definitiv „ja“! Aber mit Sorgfalt und Genauigkeit!

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Internet-Quellen:

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