Start in die Digitalisierung – Warum und wie man sich mit Digitalisierung auseinander setzen soll …

By | 9. Juli 2017

Warum und wie man sich bzw. jeder Innovationsmanager mit Digitalisierung auseinander setzen soll …

Ich als praktizierender Innovationsmanager habe die Digitalisierung lange nur als „eine“ Technologie gesehen. Als Innovationsmanager ging es mir darum, die Rahmenbedingungen für erfolgreiche Innovation zu gestalten. Dazu zählen der Innovationsprozess, die Ideensammlung, das Portfoliomanagement und das Innovationscontrolling, die Innovationskultur u.v.m.. Digitalisierung war genauso eine Technologie wie zum Beispiel die Oberflächen- oder Materialtechnologie, mit der ich mich als Innovationsmanager auch nicht auseinandergesetzt habe, und somit nicht auf meiner Agenda hatte. Technologie war Aufgabe der Entwickler.

Doch heute sehe ich es anders. Als Teil der Doka Ventures, der Innovationsschmiede für die Bauindustrie, steht bei mir persönlich die Digitalisierung ganz weit oben auf der Agenda, wobei natürlich andere Technologien nicht vernachlässigt werden dürfen.

Digitalisierung – Warum gerade jetzt?

DigitalisierungErstens – Die Digitalisierung ist ja an sich nichts Neues. Sie ist schon seit Jahrzehnten Teil unserer Prozesse und Produkte und transformierte unsere Welt, z.B. durch die ersten heimtauglichen PCs, das Internet, das Wissens- und Prozessmanagement durch IKT, Smartphones …

Zweitens – Vieles in unserem Leben und Unternehmen ist schon digitalisiert. Wir können gar nicht mehr ohne Digitalisierung leben.

Heute gibt es im Internet der Dinge rund 8 Milliarden verbundene Geräte, für 2020 werden es über 20 Milliarden sein. [1]

Drittens – Die technologischen Entwicklungen in den letzten Jahren und deren Leistungsfähigkeit, zum Beispiel die Rechenleistung, und die sinkenden Kosten eröffnen viele Möglichkeiten. Zum Vergleich: Die Computer, die 1960 bei der Mondlandung im Einsatz waren, verfügten über eine deutlich niedrigere Rechenleistung als ein iPhone 4, kosteten aber rund 100 Millionen Dollar. Würde man die technologischen Entwicklungen der letzten Dekaden mit einem VW-Käfer der 70er vergleichen, würde er 480.000 km/h fahren können und nur 4 Cent kosten. [2]

Digitalisierung ist mehr als nur eine Technologie.

Bei der Digitalisierung ist alles anders. Die Digitalisierung ist nicht einfach nur ein Technologie-Thema. Es ist keine Technik, die die Grundlage für neue Produktfunktionen ist. Digitalisierung ist mehr. Mit der Digitalisierung

  • werden Prozesse effizienter (Effizienz),
  • erhalten Produkte und Dienstleistungen neue Funktionen, und
  • können ganz neue Geschäftsmodelle entwickelt werden.

Die Digitalisierung hat extrem hohes Innovationspotential. Das hat uns schon die jüngste Vergangenheit gelehrt, dass damit disruptive Geschäftsmodelle entstehen können, die ganze Branchen über den Haufen werden, siehe Airbnb oder Uber.

Warum sich Unternehmen mit der Digitalisierung auseinander setzen müssen.

Haben Sie schon vom digitalen Darwinsmus gehört?

Der Darwinsmus ist der Auswahlprozess, die natürliche Auslese, wo die überleben, die sich an die verändernden Rahmenbedingungen am besten anpassen können. In Zukunft werden nur jene Unternehmen erfolgreich bestehen können, die in der Veränderung zum aktiven Gestalter werden. [2]

Viele Unternehmen sind im Überlebenskampf des digitalen Darwinismus schon untergegangen, z.B. Quelle, Brockhaus, … Und das kann theoretisch früher oder später jedes Unternehmen treffen.

Wie startet man mit der Digitalisierung? – 4 Schritte zur Digitalisierung

Vielen Unternehmen wollen mit der Digitalisierung starten, es fehlt aber oft der richtige Zugang. Hier finden Sie ein paar Tipps. Und eins noch vorweg, man kann nicht mit der Digitalisierung starten, denn man steckt schon mittendrin.

Schritt 1: Verantwortungen festlegen – „Chief Digital Officer“ oder „Digital Manager“

Es erfordert eine klare Verantwortung, wo alle Aktivitäten zusammenlaufen und der die Koordination übernimmt. In Unternehmen gibt es bereits viele Digitalisierungsaktivitäten. Es braucht dazu aber nicht jemand, der überall den Lead übernimmt, sondern jemanden, der die Initiativen und Akteure koordiniert, z.B. Schnittstellen und Synergien sicherstellt, mit der IT-Abteilung abstimmt, …

Eine weitere Aufgabe des Digitalisierungsmanager ist die Entwicklung der Digitalisierungsstrategie, die Identifikation von Innovationspotentialen und deren Umsetzung und Verfolgung.

Schritt 2: Entwicklung einer Vision und Digitalisierungsstrategie 

Es gibt zwei Zugänge, um Digitalisierungspotentiale zu identifizieren.

Digitalisierungspotentiale

  • Technologieansatz: Man überlegt, was man digitalisieren kann, zum Beispiel „Wie können wir Drohen anwenden?“. Und anschließend evaluiert man, wie man für das Unternehmen und vor allem die Kunden Wert generieren kann. Kann man Prozesse effizienter machen? Kann man das Geschäftsmodell innovieren (z.B. mit der Anwendung des Business Model Canvas)?
  • Kundenansatz: Man evaluiert, welche Jobs der Kunde hat und welche größten Probleme er dabei hat. Darauf anschließend kreiert man digitale Lösungen für die Kundenbedürfnisse.

Beide Ansätze sind wichtig und auch gleichzeitig anzuwenden. Denn so wird sichergestellt, dass man möglichst viele Innovationspotentiale anzapft. Wichtig ist zum Beispiel, dass man bestehende Produkte nicht einfach digitalisiert, sondern dass man dadurch auch neue Potentiale für Geschäftsmodelle sucht.

Was es dazu aber unbedingt erfordert, ist eine Digitalisierungsstrategie. Das ist aber gar nicht so einfach, da die Literatur und auch die Praxis dazu noch nicht viel hergibt. Das Wichtigste ist

  • das Zielbild zu definieren, die Vision, wo man sich in drei bis fünf Jahren als Unternehmen sieht; und
  • die Verankerung der Digitalisierung in der Unternehmensstrategie.

Die Verankerung der Digitalisierung ist vor allem für den Change Prozess wichtig. Denn die Herausforderung liegt weniger in der Technologie sondern in der Transformation der Organisation selbst. Alle Bereiche und alle Mitarbeiter müssen die Digitalisierung mittragen und aktiv gestalten.

Schritt 3: Transparenz über alle Aktivitäten – Digitalisierungsportfolio

Im dritten Schritt geht es um die Transparenz aller Aktivitäten zur Digitalisierung. In jedem gesunden Unternehmen gab es dazu normalerweise schon viele Initiativen, bevor man überhaupt von Digitalisierung gesprochen hat.

Dieser Status der Digitalisierung ist wichtig, da er die weiteren Aktivitäten beeinflusst. Digitalisierungslösungen sind keine Inseln, sondern interagieren immer mit dem Gesamten. Zum Beispiel hängen alle IT-Systeme in irgendeiner Form zusammen, diese Schnittstellen sind immer zu beachten. Jede neue Initiative muss in die bestehende digitale Landschaft integriert werden.

Schritt 4: Identifikation von Digitalisierungsinitiativen und Innovationspotentiale

Im vierten Schritt geht es in die kreative und technologischen Phase, um die Findung von Ideen und Innovationspotentialen. Dabei kann man den Technologie- und den Kundenansatz einsetzen.

Hier ist eine Auswahl von Technologien, deren Potential zu evaluieren ist – „Wie können wir diese Technologien für uns anwenden und Wert schaffen?„:

  • Internet of Things
  • Dronen
  • Artificial Intelligence
  • Virtual Reality, Augmented Reality
  • Big Data
  • Robotik, 3D Druck

Weitere Fragen zur kreativen Ideenfindung sind:

  • „Wie können wir unsere Prozesse digitalisieren und damit effizienter und produktiver machen?“
  • „Wie können wir mit Digitalisierung Kundenwert schaffen?“
  • „Was sind die größten Kundenprobleme und wie können wir sie mit Digitalisierung lösen?“

Die Aufgabe des Chief Digital Managers oder Digital Manager ist die Sammlung der Innovationspotentiale, wobei möglichst viele Mitarbeiter eingebunden werden sollen, die Evaluierung, Priorisierung, die Koordination der Projekte und das Controlling … – das gesamte Spektrum der Innovationsmanagement-Aufgaben. Er koordiniert damit das gesamte Digitalisierungsportfolio.

Somit ist der Digital Manager ein Innovation Manager.


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Digital Business Leadership

Quellen:

[1] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/537093/umfrage/anzahl-der-vernetzten-geraete-im-internet-der-dinge-iot-weltweit/ 

[2] Digital Business Leadership: Digitale Transformation – Geschäftsmodell-Innovation – agile Organisation – Change-Management, von R. Kreutzer, T. Neugebauer und A. Pattloch, 2016 – auf amazon.de – Tolles Buch!

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