Skaleneffekte durch Massenprodukte nutzen oder doch regionale Marktanforderungen berücksichtigen? Kulturelle Vielfalt in der Produktentwicklung als mögliche Lösung für beides.

By | 19. Januar 2015

International aktive Unternehmen stehen vor der großen Herausforderung, folgenden Widerspruch zu lösen:

Einerseits bei der Produktherstellung Skalen- und Verbundeffekte zu Gunsten wettbewerbsfähiger Preise zu nutzen,
aber andererseits auf die individuellen, regionalen Marktanforderungen einzugehen.

Traditionelle Ansätze wie die Gründung von Regionaltöchtern gefährden die Skaleneffekte und das globale Managen geht nicht auf die regionalen Bedürfnisse ein.

In der August-2013-Ausgabe des Harvard Business Managers schreiben die Autoren Hae-Jung Hong und Yves Doz über einen möglichen Weg um diese Balance zu halten, konkret vorgestellt von L’Oreal. Aus meiner Sicht ist es nicht die hundertprozentige Lösung für den Widerspruch, aber ein genialer Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit.

L’Oreal setzt auf Kontinuität, gab es doch in der hundertjährigen Geschichte nur fünf Vorstände. Aufgestiegen wird aus den eigenen Rängen, mit „französischer“ Ausrichtung.

Doch in der Produktentwicklung zählt kulturelle Vielfalt und daher setzt L’Oreal auf Produktentwicklungsteams mit Menschen mit multikulturellem Hintergrund, heißt sie haben schon als Kinder in verschiedenen Ländern gelebt und verschiedene Kulturen kennengelernt. Diese Menschen zeichnen sich durch folgende Fähigkeiten aus:

  • Erhöhte Sensibilität für die eigene und fremde Kultur.
  • Kulturelles Bewusstsein und Neugier.
  • Kulturelles Einfühlungsvermögen.
  • Mehrsprachigkeit.
  • Verständnis von Zusammenhängen.
  • Semantisches Bewusstsein.
  • Zwischen kulturellen Rahmenbedingungen und Kommunikationsformen wechseln.


Und davon profitiert das gesamte Unternehmen:

  • Sie haben von klein auf gelernt, mit kultureller Vielfalt umzugehen und können Ähnlichkeiten zwischen unterschiedlichen Kulturgruppen erkennen und so Chancen für neue Produkte entdecken.
  • Sie können besser Außenseiter, also Neulinge mit unterschiedlichen Verhaltensweisen und Kommunikationsformen integrieren.
  • Sie können Übersetzungsfehler und sprachliche Missverständnisse verhindern. Denn, was eine Person meint zu sagen ist nicht dasselbe, was die andere Person glaubt, gehört zu haben.

Aus meiner Sicht ist es ein sehr nützlicher Ansatz, nicht nur für die Innovationsabteilungen sondern für das gesamte Unternehmen.

Wenn diese Menschen mal integriert und akzeptiert sind – und das ist sicher in manchen Unternehmen mit sehr traditionellen Wurzeln eine Herausforderung und einige können möglicherweise mit kultureller Vielfalt nicht umgehen – bereichern sie ihre Teams enorm, fördern die Zusammenarbeit, lassen verschiedenste Perspektiven zu – alles zugunsten besserer Ergebnisse und steuern so einen sehr wertvollen Beitrag bei.

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Quelle: “Kulturelle Vielfalt als Strategie” von Hae-Jung Hong und Yves Doz, in: Harvard Business Manager August 2013, http://www.harvardbusinessmanager.de/heft/d-102577337.html

Bildquelle: Fotolia, rawpixel

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