Sind Innovationsprozesse und Projektmanagement innovationsfeindlich?

By | 26. Oktober 2015

light-bulb-978882_640Innovationsprozesse und Projektmanagement sind unverzichtbar und stellen sicher, dass Fehler und Fehlschläge vermieden werden. Doch sie können auch innovationsfeindlich sein. Ihre Hauptfunktion ist da nicht, Kreativität zu fördern, sondern sie zu verhindern. Wie kann das sein?

Ist die Schwäche auch eine Stärke?

Ist der Innovationsprozess darauf ausgerichtet, inkrementelle Produktinnovationen nahe dem Alltagsgeschäft zu fördern, dann verhindert er auch Kreativität und radikale Innovationen. Die Stärken des Prozesses sind hier, einen Routineprozess zu schaffen, [1]

  • der Produktverbesserungen fördert und
  • radikale Innovationen verhindert.

Nach der These von Levitt brauchen Organisationen diese Ordnung und Konformität, um die Aufgaben zu erledigen und sind daher einem konstanten Fluss von Ideen unaufgeschlossen.

Was jetzt? Innovationsprozess – ja oder nein?

1. Innovationsprozesse sind unverzichtbar!

Denn sie schaffen Struktur und Systematik, um Fehler zu vermeiden und die Effizienz zu steigern. Sie stellen sicher, dass alle wichtigen Schritte rechtzeitig und richtig abgearbeitet werden.

Gäbe es keinen Prozess und keine Planung, fehlen Ziele und Orientierung, man dreht sich im Kreis oder wichtige Schritte werden vergessen.

Das schrittweise, planbare Vorgehen ist vor allem in den nicht-kreativen Phasen wichtig, wie bei der Umsetzung. In den kreativen Phasen, die schwer planbar sein, helfen flexible und agile Vorgehen zur Steuerung. Hier ist die richtige Balance zu finden.

2. Dazu muss man wissen, was man braucht!

Was muss mein Prozess leisten können – inkrementelle und / oder radikale Innovationen? Diese strategische Frage muss beantwortet sein, bevor man sich einen Prozess über das System stülpt.

3. Und dann das richtig Prozessmodell für sich designen!

… maßgeschneidert

Es gibt keine allgemeingültige Lösung von der Stange. Das Prozessmodell muss an die eigenen Anforderungen des Unternehmens (Strategie, Kultur, Organisation …) angepasst werden.

… flexibel

Auch jedes Innovationsprojekt ist individuell, so muss auch jeder Ablauf an die Eigenheiten angepasst werden können (im Vergleich zum z.B. Produktionsprozess, wo jeder Ablauf gleich ist).

Außerdem erfordert eben eine radikale Innovation einen anderen Prozess und Umfeld als eine Inkrementelle. Zum Beispiel: Radikale Themen erfordern ein geschütztes und kreativitätsförderndes Umfeld. Hier ein Abstecher zum Thema Ambidextrous Organisation, wo man der Frage nachgeht, ob eine Organisation überhaupt fähig ist, radikale und inkrementelle Innovation zugleich zu managen.

… agil

Da man bei Innovationen mit Neuem, Komplexität, Dynamik und Unsicherheiten hantiert, lauern überall Überraschungen, Projekte sind daher nur bedingt planbar. Im Prinzip kennt man am Beginn das Ergebnis und den Weg nicht.

Es erfordert probieren und experimentieren statt gründlich vorauszuplanen und dann zu tun. Um den Spagat zwischen 1. „Kreativität zulassen“ und 2. „schnell zu guten Ergebnissen navigieren“ zu schaffen, braucht es ein agiles Vorgehen, wie es mit Scrum, Pretotyping, Spiro-Stage-Gate, Design-Thinking oder Lean Start-up gelingt.

Würde man ein Innovationsprojekt starr bis zum Ende planen, nimmt man dem Team die wichtigsten Innovationskräfte: Intuition, Kreativität, Improvisation und somit die Chance, Neues und Großes zu entdecken. [2]

– – – –

seminarbanner scrum nWollen Sie mehr zum Thema erfahren? – Wir haben dazu ein Seminar für Sie!

Wir veranstalten genau dazu am 9. Nov. in Linz ein Seminar mit dem Titel „Scrum & Co für Innovationsprozesse. Dabei geht es, wie man mit agilen Methoden ein Innovationsprojekt optimal planen und steuern kann.  Mehr HIER!

– – – –

Inspiration und Quellen:

[1] Jens-Uwe Meyer: Die Innovationsfähigkeit von Unternehmen: http://amzn.to/1MrNQ8d

Theodor Levitt „Creativity is not enough“: https://hbr.org/2002/08/creativity-is-not-enough

[2] Niels Pfläging und Silke Hermann: Komplexithoden. Clevere Wege zur (Wieder)Belebung von Unternehmen und Arbeit in Komplexität: http://amzn.to/1U4PA0r

4.50 avg. rating (89% score) - 4 votes

2 thoughts on “Sind Innovationsprozesse und Projektmanagement innovationsfeindlich?

  1. Andreas Pilz

    Projektmanagement an sich ist nicht innovationsfeindlich.
    Die Problematik sehe ich eher darin, dass zu detailliert geplant wird. „Im Detail liegt der Hund begraben“, sagt ein Sprichwort. Agile Methoden erleichtern es, nicht so detailliert zu planen und das Projekt dennoch durchzuführen.
    Letztlich ist es eine Frage, wie statisch oder dynamisch eine Projektplanung sein darf.

  2. Leonid Shub

    Der Titel hört sich etwas naiv an. Denn Projektmanagement selbst kann sowohl innovativ und flexibel als auch starr und unbeweglich sein.
    Beide Polen besitzen ihre Schwächen und Stärken. Die Frage ist nur: Wem, wann, wo nützen die Stärken oder helfen die Schwächen?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.