Parkinson, Verschwendung und Innovationsverhinderung

By | 3. Mai 2015

„Wenn Sie wissen wollen, wie sie Innovationen einigermaßen erfolgreich verhindern wollen, dann lesen Sie doch mal C. N. Parkinson`s Gesetze.“ Diese Einleitung im Blog von Markus Reimer hat mich sehr neugierig gemacht und inspiriert, mich mehr mit Parkinson zu beschäftigen. Nein, es handelt sich hierbei nicht um die bekannte Krankheit, sondern um einen britischen Marinehistoriker und Soziologen, der sich um 1955 sehr ironisch mit Verwaltung und Wirtschaft, vor allem der Bürokratie, auseinander gesetzt hat. Das tatsächlich Ironische dabei ist, zwar nicht wissenschaftlich belegt, es wird wirklich so erlebt und das auch noch heute.

Ein Parkinsonsches Gesetz ist, dass eine Aufgabe nicht schneller erledigt wird, wenn mehr Menschen mitarbeiten, als eigentlich notwendig wären.

Viele Innovatoren sind oft Einzelkämpfer, z.B. Start-ups, und kämpfen auch gegen Widerstände. Doch in Unternehmen werden Innovationen in großen Runden abgearbeitet („abgearbeitet“ klingt schon so…). Das erfordert viel Abstimmung, wodurch viel Zeit und Ressourcen verloren gehen. Einerseits im Team, aber auch über die Hierarchiestufen: Freigaben, Zustimmungen, Expertisen, Unterschriften … bremsen oder verhindern auch oft ein erfolgreiches Resultat.

Parkinson sagt auch: Hier arbeiten alle! Jeder trägt für sich seinen Beitrag zum Erfolg bei, aber letztendlich sind viele Tätigkeiten umsonst.

Viele Köche verderben den Brei“, resümiert Markus Reimer, entweder er ist verdirbt, kommt zu spät oder wird erst gar nicht geliefert. Nicht zuletzt darum sind oft U-Boot-Projekte die erfolgreicheren.

Dazu hat C. N. Parkinson noch interessante Zahlen:

1914 hatte die britische Marine 62 Schiffe, rund 150.000 Offiziere und Matrosen und 2000 Beamte.
1928 waren es nur mehr rund 20 Schiffe mit rund 100.000 Offizieren und Matrosen, aber 4000 Beamte.

büro

„Arbeit dehnt sich in genau dem Maß aus, wie Zeit für ihre Erledigung zur Verfügung steht.“

Egal, wie viele an der Erledigung einer Aufgabe arbeiten, nie tut jemand nichts, vielmehr aber schwillt die Arbeit an. Arbeit lässt sich wie Gummi dehnen, um die Zeit auszufüllen, die dafür zur Verfügung steht, so in einem Brandeins Artikel.

Meiner Beobachtung nach wächst die Arbeit mit der Größe eines Unternehmens überproportional. Mögliche Gründe sind

  • Mehr Zeit wird gebraucht, um sich selbst zu verwalten (Abstimmungen, jeder muss seinen Senf dazugeben, Verwaltung für die Verwaltung …).
  • Die Organisation beschäftigt sich mit sich selbst. Neue Themen, Programme, Kennzahlen … werden eingeführt.
  • Die Themen werden mehr und nie weniger, weil man nichts weglassen will. Wie wär es mal mit einer schöpferischen Zerstörung?
  • Jeder will wichtig sein. Und das wird gemessen, wie viel man zu tun hat. Daher suchen viele nach weiteren Beschäftigungen, egal ob tatsächlich ein Erfolgsbeitrag gegeben ist.
  • Organisatorische Silos und mit sich hergehende mangelnde Abstimmung führen zu Mehraufgaben und Redundanzen.

Dazu kommt die Königsdisziplin Sitzungen. Sie werden einberufen, wo dann oft nichts entschieden wird, außer dass weitere Sitzungen benötigt werden.

„Die auf einen Tagesordnungspunkt verwendete Zeit ist umgekehrt proportional zu den jeweiligen Kosten.“

Das bedeutet, dass die einfachsten Themen am ausführlichsten diskutiert werden, weil die meisten davon etwas verstehen. Beispielsweise, wer wo parken darf. Und meine Erfahrung ist, dass z.B. technisch komplexe Projekte am wenigsten diskutiert werden, weil es nur wenige verstehen und somit werden diese schneller und ohne Interventionen entschieden.

Ich würde es nicht, wie in der Vergangenheit, auf Behörden reduzieren, auch in großen Unternehmen nimmt die Trägheit zu. Noch dazu kommt, dass umso größer, es umso schwieriger wird, zu messen, ob und wer welchen Beitrag zum Erfolg leistet.

Dazu ergänzt Parkinson, dass Organisationen dazu neigen, sich bei gleichbleibenden Aufgaben zu vergrößern, ohne in Summe mehr zu schaffen.

„Jeder Angestellte wünscht, die Zahl seiner Untergebenen, nicht jedoch die Zahl seiner Rivalen zu vergrößern“ und „Angestellte schaffen sich gegenseitig Arbeit“.

Es wird angestrebt, die Untergebenen zu steigern, denn das bedeutet Macht und man schaltet auch Rivalen aus. Und damit steigt auch die Zahl der Menschen, die sich beschäftigen müssen.

Das Ganze hier ist zwar etwas überzogen und ich hoffe, dass niemand diesen Artikel als Appell für Kündigungen nimmt, weil sich die Mitarbeiter ohnehin nur mit sich selbst beschäftigen. Aber in der Tat gibt es sehr viel Potential. Ein wichtiger Ansatzpunkt ist die Eliminierung von Verschwendungen durch Optimierung der Organisation und der Abläufe. Dann kann sicher auch Personal eingespart werden oder sinnvoller und gewinnbringender eingesetzt werden.

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Quellen:

Bücher:

Bildquelle: @flickr, big brother is wachting you by digital cat

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