Mythen der Produktentwicklung – Bringt eine hohe Ressourcenauslastung bessere Ergebnisse?

By | 10. September 2012

Im Harvard Business Manager (Ausgabe Juli 2012) werden 6 Mythen der Produktentwicklung ausführlich behandelt:

  • Hohe Ressourcenauslastung bringt bessere Ergebnisse.
  • Große Chargen machen die Entwicklung wirtschaftlicher.
  • Unser Plan ist prima, wir müssen uns nur daran halten.
  • Je früher wir anfangen, desto früher sind wir fertig.
  • Mehr Funktionen führen zu mehr Interesse beim Kunden.
  • Wir sind erfolgreicher, wenn wir auf Anhieb richtig liegen.

Hier greifen wir gleich den ersten Punkt auf und widmen uns dem Irrglauben, dass man mit einer maximalen Auslastung den maximalen Output erhält.

Die HBM-Autoren Stefan Thomke und Donals Reinertsen haben in der Praxis beobachtet, dass das Tempo, die Effizienz und die Qualität von Projekten nachlassen, wenn den Produktentwicklern zu viel Arbeit aufgebrummt wird.

Im Gegensatz zur Produktion von Gütern handelt es sich nicht um wiederholbare Schritte mit vorhersehbaren Tätigkeiten und Ergebnissen. Manager versuchen in der Produktentwicklung ähnlich wie in der Produktion zu agieren. Sie versuchen das Maximale rauszuholen, indem sie die F&E voll auslasten. Das hat aber gravierende Nebenwirkungen wie beispielsweise dass

  • Zeitdruck nicht die Kreativität und Qualität erhöht und somit die Ergebnisse nur zweite Qualität sind.
  • Eine hohe Auslastung zu Engpässen und Wartezeiten führt. Durch die volle Auslastung laufen mehrere Projekte parallel, die um ihre Priorität ringen und so kommt es unweigerlich zu Wartezeiten.

Wussten Sie, dass Sie nur rund 2 Drittel ihre Produktentwicklungskapazitäten für Projekte verplanen können?

Berücksichtigt man die Abwesenheitszeiten, Aufwände für Organisatorische und die Reservierung von Zeit für „Dringliches“ bleiben nur 67 Prozent der Arbeitszeit für Projekt verfügbar. (Beispielhaft, ohne Berücksichtigung von Überstunden)

Weniger ist Mehr!

Nicht nur die F&E-Kapazitäten sind begrenzt. Produktentwicklungen benötigen auch Ressourcen aus anderen Abteilungen und duellieren sich mit dem Tagesgeschäft. Beispielsweise werden Zu- und Mitarbeiten aus dem Marketing benötigt, z.B. für die Markteinführung, denn ohne einer systematischen Einführung ist jede noch so gute Entwicklung erfolglos.

Außerdem heißt Innovationserfolg nicht viele neue Produkte zu entwickeln, sondern erfolgreiche Produkte zu entwickeln. Auch ist die Aufnahmefähigkeit für neue Produkte intern und extern begrenzt.

Daher – Priorisieren Sie die Projekte und fokussieren Sie sich auf die Vielversprechensten!

Quelle: Harvard Business Manager / Juli 2012 / Die Sechs Mythen der Produktentwicklung / S. 68ff

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3 thoughts on “Mythen der Produktentwicklung – Bringt eine hohe Ressourcenauslastung bessere Ergebnisse?

  1. Andreas

    Ich finde diesen Artikel sehr interessant.
    Genauso interessant wie die Tatsache, dass Manager, wenn sie diese Rechnung sehen, mit Kopfnicken reagieren, nur um fünf Minuten später ihre Mitarbeiter wieder zu 100% auszulasten.

    Das Schwierige ist, dass bei 100%iger Planauslastung davon ausgegangen werden kann, dass die Mitarbeiter das ganze Jahr über beschäftigt sind, wohingegen dies bei geringerer Planauslastung (siehe Rechnung) nicht unbedingt sein muss. Dieses Risiko „unproduktiver“ Mitarbeiter möchte niemand eingehen.

  2. Administrator Post author

    Irgendwie krass …. denn Führungskräft glauben (bzw. gehen wir davon aus), sie müssen ihre Mitarbeiter voll auslasten, sonst tun sie nichts ….

    Wie sind schon längst vom Taylorismus weg und Mitarbeiter agieren eigenverantwortlich und (hoffentlich) motivert. Sind sie einmal nicht ausgelastet, werden sie sich sicher nicht verstecken, sondern nach Ideen und neuen Aufgaben umsehen.

    Wenn nicht, dann sind diese Mitarbeiter ohnehin in einer F&E fehl am Platz …

    Was glauben Sie?

  3. Maria Tagwerker-Sturm

    Auf XING hat Marco Eggert von Magna Powertrain einen interessanten Beitrag bzw. Analogie zu dem Thema hinterlassen:

    Auf einer Autobahn mit 100 % Auslastung bewegt sich auch nichts mehr.

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