Iterative Innovationsprozess-Modelle: Schnell zum Ziel statt lange im Dunkeln tappen

By | 10. Mai 2015

„Innovationen wachsen auch nicht schneller, wenn man daran zieht, aber wenn man sie düngt.“ (Bernd Buck)

Innovationen wachsen von innen heraus, dieser Thematik widmet sich das Buch Innerinnovation und geht auf die richtigen Rahmenbedingungen durch Kultur und Struktur ein.

Innovationen zeichnen durch Komplexität, der Ungewissheit und Unsicherheit aus. Im Vergleich zu beispielsweise Produktionsprozessen, wo man Bekanntes reproduziert, wird bei Innovation jedes Mal Neues entwickelt. Die Konsequenzen einer Handlung sind nicht ganz vorhersehbar. Somit kann der nächste Arbeitsschritt erst festgelegt werden, wenn die Ergebnisse des Vorausgegangenen vorliegen. Und es kann vorkommen, dass ein Schritt mehrmals in Schleifen durchgeführt wird. Diese Vorgehensweise nennt man iterativ oder zirkulär.

Bernd Buck beschreibt in seinem Buch Innerinnovation verschiedene Techniken, wie man damit umgehen kann.

Pretotyping

Der Begriff Pretotyping wurde von Alberto Savoia aus „pretent“ und „prototyping“ entwickelt und geprägt und weist auf das neue Verständnis zu Prototyping hin. Nämlich um zu prüfen, ob ein Produkt überhaupt weiterentwickelt werden soll, ob es überhaupt einen Kundennutzen hat. Es folgt nicht dem klassischen Verständnis, wie ein Produkt produziert werden soll.

Seine Philosophie hat er im „Pretotyping Manifesto“ festgeschrieben:

  • Innovators beat ideas: Es sind nicht die Ideen, sondern die innovativen Menschen dahinter, die sie entstehen lassen. Gute Ideen sind noch lange keine guten Innovationen.
  • Pretotypes beats productypes: Je früher das Produktkonzept getestet wird, umso besser.
  • Doing beats talking: Langes Reden und Diskutieren bringen oft keine Erkenntnisse, Tests schon.
  • Simplicity beats features: Besser, einen einfachen Prototypen herzustellen, der nur diejenigen notwendigen Merkmale für den wesentlichen Kundennutzen simuliert.
  • Now beats later: Umso früher man feststellt, dass ein neuer Ansatz nicht ankommt, umso besser. Man erspart sich viel Zeit, Energie, Geld …
  • Commitment beats Committees: Der Austausch mit anderen erfüllt keinen Selbstzweck, sondern es sollte zu gemeinsamen Vereinbarungen kommen.
  • Data beats opinions: Über Vermutungen lässt sich streiten, über Daten nicht.

Die hier weiter unten beschriebenen Methoden „Design Thinking“ oder „Lean Startup“ folgen beispielsweise dieser Philosophie.

Effectuation

Vier einfache Prinzipien wurden auf Basis umfangreicher Forschungsarbeiten entwickelt, um unter Ungewissheit unternehmerisch erfolgreich zu ein.

  • Mittelorientierung statt Zielorientierung: Beginnen Sie mit dem, was Sie haben: Wer sind wir? Was wissen wir? Wen kennen wir? Was haben wir?
  • Leistbarer Verlust statt erwarteter Ertrag: Was sind Sie bereit zu investieren und somit zu verlieren?
  • Zufälle und Umstände als Chancen statt Risikomanagement.
  • Vereinbarungen und Partnerschaften mit den Interessierten eingehen: nicht nur nach dem perfekten Partner zu suchen, sondern nach dem perfekten Vorhaben für Sie und Ihre Partner.

effectuation

Artikel mit weiteren Infos: Definition Effectuation – eine Methode zur Steuerung von Ungewissheiten.

Lean Startup

Lean Startup beschränkt sich nicht, wie der Name sagt, auf Unternehmensgründungen, sondern kann auch bei Produktentwicklung angewendet werden. Das Credo dahinter: Ideen so schnell wie möglich überprüfen, indem sie auf einfachste Art realisiert werden und darüber ein Dialog mit potentiellen Kunden geführt werden kann.

  • Build: Herstellung eines Prototypen, des MVP – Minimum Viable Product.
  • Measure: Der Testkunde wird dabei beobachtet, wie er mit dem Prototypen umgeht und wird danach zu seinen Erfahrungen befragt.
  • Learn: Auf Basis der Testergebnisse wird analysiert, ob man grundsätzlich auf dem richtigen Weg ist oder ob ein deutlicher Richtungswechsel notwendig ist.

 lean startup

 

Design Thinking

Dieser Methode haben wir uns schon einen Artikel gewidmet. Es ist eine Vorgehensweise zur Entwicklung von innovativen Produktdesigns und wurde von den Kelley-Brüdern von Ideo entwickelt.

design thinking

  1. Understand: Gemeinsam klären, um welches Thema es grundsätzlich geht.
  2. Observe: Menschen beobachten, wie sie mit dem Thema umgehen.
  3. Define: Die Herausforderungen spezifizieren und typische Nutzer skizzieren.
  4. Ideate: Mögliche Lösungen sammeln.
  5. Prototype: Rudimentäre Prototypen erstellen, um zu testen.
  6. Test: Mit Nutzern testen und daraus lernen.

Wenn die sechs Schritte durchlaufen wurden, endet nicht der Prozess, sondern man ist mittendrin. Je nach den Testergebnissen springt man auf einen vorherigen Schritt zurück.

Agile Development und Scrum

Die bekannten Modelle der agilen Entwicklung kommen aus der Softwareentwicklung, dazu zählen Scrum und Extreme Programming. Ich habe mich nach dem Lesen des Buches „Scrum – Agiles Projektmanagement erfolgreich einsetzen“ damit auseinandergesetzt und auch ein Modell für Innovation abgeleitet.

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Hier die konkrete Funktion von Scrum:

Der Product Owner erstellt mit dem Team das Product Backlog, eine Liste mit Anforderungen an das Projekt, gerankt nach Prioritäten. Mit dem Sprint Planning wird festgelegt, welche Anforderungen im nächsten Sprint (quasi Zwischenetappe, rund 30 Tage Dauer) umgesetzt werden. Täglich gibt es Meetings, die Daily Scrum, mit Infos zu dem, was gestern passiert ist, heute zu tun ist und welche Probleme es gibt. Am Ende jedes Sprints gibt es den Sprint Review, wo der Kunde ein Update und einen lauffähigen Prototypen für Tests und Feedback erhält. Dieses Feedback fließt wiederum in das Product Backlog ein. Learnings und Verbesserungsmöglichkeiten werden danach in der Sprint Retrosprective gesammelt und verwertet. Das Agile daran ist, dass sich die Anforderungen an das Produkt im Laufe des Prozesses ändern.

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Mit welcher Prozessmethodik man arbeitet, dafür gibt es kein Patentrezept. Jeder bzw. jede Organisation muss für sich herausfinden, welches oder welche einzelnen Elemente für einen am besten funktionieren und so sein eigenes Modell entwickeln.

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innerinnovation-buchQuelle und weiterführende Information: INNERINNOVATION. Innovationen aus eigenem Anbau. Das Kreativhandbuch für systemisches Innovationmanagement. Bernd und Ulrike Buck, Literatur-VSM, 2014

Das Buch, das sich nicht nur der Innovation widmet, sondern selbst sehr innovativ aufgebaut ist, widmet sich der systemischen Sicht und fokussiert sich auf Kultur, Struktur und Organisation für ein erfolgreiches Innovieren.

Bilder: Copyright Innerinnovation

 

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