Intrapreneurship – Definition, Voraussetzungen und die 10 Gebote

By | 16. August 2015

Intrapreneurship ist die Schwester des Innovationsmanagements. Denn Intracorporate Entrepreneure, sind Mitarbeiter,

  • die ihr unternehmerisches Talent, ihre Kreativität und ihren Ideenreichtum voll ins Unternehmen einbringen und
  • eigeninitiativ und engagiert, eben wir selbständige Unternehmer, egal welcher Funktion sie angehören, ihre Ideen umsetzen und für das Unternehmen so Profit generieren.

Intrapreneurship ist eine Voraussetzung, dass Mitarbeiter große Ideen haben und verfolgen. Das erfordert nicht nur motivierte Mitarbeiter, sondern eine Kultur und Rahmenbedingungen seitens des Unternehmens, dass sich diese Mitarbeiter auch entfalten wollen können und dürfen.

Intrapreneurship - Definition

Quelle & Copyright:  Pinchot, G.: Intrapreneuership, Wiesbaden, 1988; in: Dietmar Vahs / Alexander Brem: Innovationsmanagement. Von der Idee zur erfolgreichen Vermarktung. Schäffer Poeschel Verlag, 5. Auflage 2015.

Balance zwischen U-Boot-Projekte, Missbrauch und neue Chancen

Bekannt ist dieses Thema auch als Bootlegging, wo Mitarbeiter proaktiv und ohne Auftrag und offiziellen Ressourcen einer Innovationstätigkeit nachgehen. Das sind die sogenannten U-Boot-Projekte, hochgelobt von der Unternehmensführung – wenn sie erfolgreich sind. Doch so schön ist es auch nicht mit den U-Booten, denn meist tümmeln zig Wracks am unternehmensinternen Meeresboden.

Viel sinnvoller ist es, von Mitarbeiter initiierte Ideenprojekte rechtzeitig und ständig zu fordern und fördern. So wie es Google und 3M beispielsweise machen und Mitarbeitern x-% ihrer Zeit für neue Ideen frei verfügen lassen. Wichtig ist hier, dass das nicht missbraucht wird und auch von der Führung richtig vorgelebt wird.

Es sind die richtigen Rahmenbedingungen zu setzen, um die Balance zu finden,

  • dass Mitarbeiter ihre Ideen verfolgen wollen und können – ABER dass dieser Freiraum nicht missbraucht wird.
  • dass Ideen ihre Chance erhalten: heißt, sie nicht zu früh, schon beim ersten negativen Gedanken, abzuwürgen – ABER dass sie auch nicht zu lange Ressourcen verschlingen, wenn sich abzeichnet, dass sie dem Unternehmen nichts nutzen werden.

Intrapreneurship soll besonders in großen Unternehmen eine Rolle spielen!

Intrapreneurship ist besonders wichtig für Unternehmen,

  • die hochdiversifiziert sind und ständig das Portfolio erweitern müssen. Auch weil sie durch die Diversifikation in ihren Bereichen nicht so stark spezialisiert sind und somit jeder innovative Gedanke jedes Mitarbeiters wichtig ist.
  • die groß sind, wo Kommunikationskanäle und Bürokratien schnell eine gute Idee versickern lassen können.

Besonders große Unternehmen haben Probleme …

  • Bürokratien und komplexe Strukturen ersticken Ideen.
  • Mitarbeiter sehen intern zu viele Barrieren und zu wenig Chance für Anerkennung.
  • Innovative werden oft als Unruhestifter abgestempelt, weil sie sich mit Themen anderer beschäftigen, sich nicht um ihre Aufgabe laut Stellenbeschreibung kümmern …
  • Leute haben eine geringe Bereitschaft, Verantwortung und Risiko auf sich zu nehmen.
  • Risiko, dass ein Mitarbeiter mit seiner Idee das Unternehmen verlässt und mit einem agilen Start-up Marktanteile abjagt.
  • Ich traue mir zu wetten, dass der Grad der inneren Kündigungen in Großunternehmen höher ist.
  • Kleinere Unternehmen tragen den Start-up Spirit, wo sich jeder mit Vollgas engagiert und wo jede Aktivität sofort sichtbare Früchte trägt. Bei großen sind die Aktionsketten länger und träge, somit sieht man selten sofort den Ertrag oder aufgrund der Komplexität nicht, wer der engagierte Mitarbeiter war.

Voraussetzungen für Intrapreneurship

Erstens muss durch die Motivation des Mitarbeiters die Voraussetzung auf individueller Ebene gegeben sein. Aber davon gehen wir als Verfechter des Menschenbild Theorie Y aus, wonach Mitarbeiter prinzipiell willig sind zu arbeiten. Oft ist ja auch Demotivation ein Symptom der organisatorischen Umgebung, sprich von Führung und Kultur.

Intrapreneurship - 10 Gebote

Quelle & Copyright: Pinchot, G.: Intrapreneuership, Wiesbaden, 1988; in: Dietmar Vahs / Alexander Brem: Innovationsmanagement. Von der Idee zur erfolgreichen Vermarktung. Schäffer Poeschel Verlag, 5. Auflage 2015.

Auf organisatorischer Ebene erfordert es z.B.

  • Kultur – eine Führung, die es vorlebt, einfordert und fördert.
  • Verfügbare Ressourcen.
  • Rasche Informationswege, vor allem mit dem Top Management.
  • Ganzheitliche Prozessverantwortung.
  • Erfolgsabhängige Anreize.

Intrapreneurship ist nicht etwas das man einführt, sondern hat. Es ist wie bei der Innovation eine Einstellung und Mentalität. Es sind die Menschen, deren Verhalten es ausmacht. Und hier wiederum beeinflusst das ganze „unsichtbare“ und „sichtbare“ Umfeld deren Verhalten.

Brauchen wir nur mehr Intrapreneure?

Eigentlich sollte jeder so agieren, wie wäre es sein eigenes Unternehmen!

Auf die Frage, ob wir lauter Intrapreneure brauchen, die neue Projekte anstoßen, antworte ich „Jein„.

Klar, in einer lernenden Organisation soll sich jeder ständig Gedanken machen, wo etwas (Produkt, Prozess, Strategie …) verbessert werden kann und auch die Initiative ergreifen und die Umsetzung einleiten. Das ist das A und O für die Sicherung der Zukunft einer Organisation. In der Realität ist es aber leider nicht so, darum sind viele Organisationen auch so ineffizient. Ich traue mir zu behaupten, dass wir leicht die Produktivität um 30 % steigern können.

Aber wir brauchen auch Stabilität.

Und wir müssen auch auf hohem Niveau das Tagesgeschäft am Laufen halten. Würden jeder nur Neues machen, würden irgendwann die Prozesse ?   lahm stehen.

Und wir aber auch der Markt brauchen die Chance und Zeit, Neues und Veränderungen zu verdauen. Organisationen und Märkte können auch nur eine bestimmte Zahl an Innovationen annehmen. Es gibt Kundensegmente, die wünschen es auch nicht, ständig mit neuen Produkten versorgt zu werden, es sei denn, es gibt tatsächlich einen wesentlichen neuen Nutzen.

Intrapreneuership ist der Schlüssel zu einem verantwortungsvollen Umgang mit dem Unternehmen und für deren zukunftsfitten Weiterentwicklung mit Innovationen. Die Zeit ist überreif, dass Unternehmen bewusst den Intrapreneurship-Spirit fördern.

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Quelle und Inspiration:

Dietmar Vahs / Alexander Brem: Innovationsmanagement. Von der Idee zur erfolgreichen Vermarktung. Schäffer Poeschel Verlag, 5. Auflage 2015.

vahs-brem-innovationsmanagementMeine persönliche Rezension:

Sehr gut strukturiertes und umfangreiches Buch zu allen Basics und Themen des Innovationsmanagements. Aufgebaut und geschrieben als Lehrbuch mit vielen Definitionen und Beispielen. Für Starter höchst empfehlenswert, da man mit einem Buch einen kompletten und tiefen Überblick zum Innovationsmanagement erhält. Für Fortgeschrittene mehr als Auffrischung.

 

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