Innovationsführerschaft erfordert auch innovativ zu sein. Oder muss man überhaupt Innovationsführer sein?

By | 14. September 2014

Nahezu alle Unternehmensführer wollen sich die Innovationsführerschaft auf ihre Fahnen heften. „Innovativ“ ist ein schier inflationäres Buzzword. Ist es einfach nur „in“ oder ein „muss“, die Innovationsführerschaft für sich zu behaupten. Stimmt es oder nicht?

Will man Innovationsführer sein, erfordert es auch eine entsprechende Innovationskultur, die aber in vielen Unternehmen nicht so ausgeprägt ist.

Und hier ist auch schon das erste Problem. Wollen Unternehmen die Innovationsführerschaft, so müssen sie – das Management – auch so agieren. Oder sonst, wie Peter Drucker sagt

Culture Eats Strategy for Breakfast„.

Vorleben und auch Tun

Heißt, die Innovationsstrategie auch selbst leben. Allerdings fehlt es oft schon an einer klaren Ausrichtung und auf Geschäftsführerebene herrscht unterschiedliche Auffassung, was Innovation für das Unternehmen bedeutet.

Das Top Management muss für Innovation auch Zeit haben. Konkret heißt das beispielsweise, sich neben dem „wichtigen“ Tagesgeschäft auch die Zeit zu nehmen, Ideen zu fördern, zu bewerten und zu entscheiden. Wenn die Strategie „Erfolg durch Innovation“ ist, dann ist Innovation auch die Kernaufgabe des Tops Managements.

Aber leider geht oft das Tagesgeschäft, das Feuerlöschen, vor, denn immerhin wird man ja auch am Jahresende am operativen Geschäft gemessen.

Fördern

Durch die Gestaltung eines Umfelds und einer Kultur, wo Innovationen gefördert und ohne ständige Barrieren gedeihen können. Dazu zählt beispielsweise

  • ein innovationsfreundliches Klima, wo Ideen willkommen und Fehler und Risiken erlaubt sind. In der Realität setzten aber 75 % der Unternehmen laut der Innolytics Studie auf Innovation mit Vollkaskoschutz. Fehler sollen vermieden werden, indem man sich alles genehmigen lassen muss und sich mit unendlichen Analysen absichert. „Dumme“ Fehler durch Unwissenheit, Unvorsichtigkeit oder Politik müssen auch vermieden werden. Aber „intelligente“ Fehler und das Scheitern gehören zum Ausreizen des Innovationspotentials.
  • eine ausgeprägte Teamkultur und grenzenlose Kommunikation über die Bereichsgrenzen hinweg und mit kurzen Wegen. Hier liegt schon der große Unterschied zwischen den Innovativen und den weniger Innovativen. Bei den weniger innovativen kommen dann noch Silodenken und ein fehlendes gemeinsames Ziel hinzu.
  • Verfügbarkeit von Ressourcen für die Entwicklung von Innovationen.

Einfordern

Innovation soll nicht nur vom Top Management gelebt werden, sondern von allen Mitarbeitern eingefordert werden. Das umfasst zum Beispiel

  • eine klare Innovationsstrategie, worin die Rolle jedes einzelnen Mitarbeiters in Bezug auf den Innovationsbeitrag klar ist.
  • umfangreiche Kommunikation und Motivation.
  • Anreizsysteme, die auf Innovationsziele ausgerichtet sind.

strategie-kultur-gap

Tauscht man sich mit Innovationsmanagern aus, stellt man jedoch oft fest, dass es aber gerade daran scheitert. Die größten Stolpersteine liegen in der Organisation und Kultur, wie

  • Ideen stecken in Bürokratien oder Entscheidungskreisen fest.
  • Mangelnde Unterstützung und Commitment vom Management. Man muss für Innovationen kämpfen – eine hohe Ressourcen- und Energieverschwendung, die produktiver eingesetzt werden könnte.

Oft beobachtet man auch, dass Unternehmen Innovationsführer sein wollen, aber sich nicht über radikale Ideen mit hohem Neuheitsgrad trauen bzw. genau bei diesen Ideen die größten Schwierigkeiten in der Umsetzung haben.

Muss man wirklich Innovationsführer sein, um erfolgreich zu sein?

Ob sich diese Frage viele Unternehmensführer stellen?

Innovation ist definitiv wichtig, unbestreitbar, aber muss man Innovationsführer sein? Man kann auch innovativ und erfolgreich sein, ohne sich den Innovationsführer auf die Fahnen zu heften. Viele Unternehmen sind mit der Strategie des Followers, wo sie das Risiko dem Pionier überlassen und dann mit besseren Produkten auftrumpfen, oder mit Schwerpunkt auf inkrementelle Innovationen sehr erfolgreich.

Die Innovationsstrategie muss immer zu den marktlichen, organisatorischen, kulturellen und strategischen Möglichkeiten des Unternehmens passen.

Und außerdem, warum will man Innovationsführer sein, wenn man es dann letztendlich nicht will oder kann?

———buch innolytics

Quelle, Inspiration und weiterführende Informationen: Innolytics®: Innovationsmanagement weiter denken. (Jens-Uwe Meyer). Diese Studie setzt sich intensiv genau mit der Thematik Innovationsstrategie – Kultur auseinander. Sehr praxisrelevant!

 

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