Innovation unerwünscht – ein Himmelfahrtskommando?

By | 30. Juni 2013

Innovationsverbote in Weltkonzernen. Ein Trend?“ – dieser Artikel im Lead Innovation Blog hat mich zu folgendem Blogbeitrag bewegt. Es geht darum um Weltkonzerne, die explizit auf Innovation und F&E zugunsten der Fokussierung auf den Aktienkurses verzichten.

Woher kommt das? Der Shareholder Value hat klarerweise einen hohen Stellenwerte, allerdings lässt es das System leider zu, dass das ganze kontraproduktiv wirkt. Die Geldgeber wollen hohe Aktienkurse und Dividenden – logisch. Diese Denke spiegelt sich auch bei den Unternehmensführern. Denn deren Boni sind auch an Aktienkurse und Rendite und nicht an eine langfristige Absicherung durch beispielsweise Innovation gebunden. Das fördert die kurzfristige, vergangenheitsorientierte Denke, die nicht unbedingt zur nachhaltigen Absicherung des Unternehmenserfolg, dem eigentlichen Zweck jedes Unternehmens, beiträgt.

Hier zwei Szenarien, systemisch betrachtet:

Einsparungen, wie beispielsweise durch Headcount-Reduktionen, wirken sich kurzfristig positiv auf das Unternehmensergebnis aus. Das gefällt den Aktionären. ABER: Es führt zu Mehrarbeit bei den Einzelnen, die kann dann nicht mehr vollständig und in der entsprechenden Qualität erfüllt werden. Fehler passieren, Prozesse funktionieren nicht mehr – langfristig führt es zu einer Ergebnisreduktion. Aber leider wird diese langfristige Auswirkung selten auf die vorhergehenden, positiv gesehene negative Maßnahmen zurückgeführt.

Umgekehrt ist es bei Innovation und F&E: Hier werden in der Gegenwart Kosten erzeugt, der Nutzen kommt erst in der Zukunft, leider auch mit Unsicherheiten behaftet. Daher kann man hier einfach einsparen, ohne im Moment Einbüßen zu spüren. Aber stellen Sie sich vor, Ihre F&E-Abteilung wird aufgelöst: Heute spart sich das Unternehmen ein paar Euros, morgen sinkt der Umsatz und Ertrag, weil Produkt nicht mehr optimiert und weiterentwickelt werden und übermorgen fehlen uns die Produkte, die der Markt braucht. Man hinkt dem Wettbewerber hinterher und kann kaum noch aufholen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt in Bezug auf Innovation und F&E soll hier noch gewürdigt. In einer F&E Abteilung wird Wissen und Know-How zu Produkten und Technologien produziert und gespeichert. Wissen was im täglichen Business unverzichtbar ist. Niemand kennt ein Produkt so gut wie seine Entwickler. Es ist vergleichbar mit Softwareentwickler: Geht der Entwickler, benötigen die Nachfolger oft Monate, wenn überhaupt, um das Produkt zu verstehen.

Nun ja, natürlich sind Einsparungen und Kürzungen nicht nur im schwarzen Licht zu sehen. Denn oft sind sie einfach auch notwendig und bringen auch Neustrukturierung und Neuorientierung. Auch eine schöpferische Zerstörung kann einem Unternehmen sehr gut tun. Aber wenn, dann sollte die langfristige Absicherung des Unternehmens durch beispielsweise Innovation nicht für eine kurzfristige Denke in Aktienkursen weichen.

Mehr: http://www.lead-innovation.com/blog/blog-post/2013/06/30/warum-konzerne-auf-innovation-verzichten.html

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2 thoughts on “Innovation unerwünscht – ein Himmelfahrtskommando?

  1. Franz Buchinger

    Sehr gute Analyse! Man sollte Innovation/F&E nicht pauschal als kostenintensive „Hinterstübchen“-Aktivität diffamieren, die sich nur negativ auf den Aktienkurs auswirkt. Sind die Stammärkte gesättigt und die Margen mau, wird die F&E gerne vor den Vorhang geholt. Sie soll „revolutionäre“ Produkte präsentieren, die dem Unternehmen neue, lukrative Märkte erschließen – und damit auch ein Kursfeuerwerk entfachen. Zu dumm, wenn es dann keine F&E mehr gibt…

  2. HR

    Sehr geehrte Frau Tagwerker-Sturm,
    ein sehr aktueller Bericht der controllergetriebenen Negativentwicklungen.

    Wo befinden sich gerade bestimmte Unternehmen, am Anfang oder Ende Ihres Lebenszykluses. Vieles wird gerade falsch wiederholt (Beratung, Outsourcing, E-Business).

    Das scheue Reh flüchtet so schnell wir die Zeitverträge der „Scheinmanager“ auch enden werden. Ihre Zeit ist ja von Anfang an begrenzt und ablaufend. Nach mir die Sintflut scheint oft das Programm zu sein. Gut, dass so was sehr schnell bestraft wird.

    Die schöpferische Selbstzerstörung ist etwas Positives. Das Zerstören um neu anzufangen nach Schumpeter war Theorie. Heute fressen die Schnellen die Langsamen frei nach Ex BMW CEO. Den Turnschuh in die Organisation zu bringen, begeistern, mitziehen, Ziele vorgeben, belohnen, aus Fehlern lernen heißt Siegen zu lernen.

    Danke Liebe Frau Tagwerker-Sturm für Ihre Darstellung. Sie inspirieren zu weiteren Gedanken.

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