Innovation 2.0 – eine Kulturrevolution im Innovationsmanagement oder nur ein Sturm im Wasserglas?

By | 18. Juni 2011

Gastbeitrag von Mag. Klaus Baier

Zusammenfassung aus der Masterarbeit „Innovation 2.0 – Die Verwendung von Web 2.0-Werkzeugen zur Steigerung der Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit in Unternehmen“

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Im Rahmen der Masterarbeit wurde untersucht, ob der Einsatz von Web 2.0-Werkzeugen Veränderungen für das Innovationsmanagement in Unternehmen mit sich bringt. Ziel der Untersuchung war, der Frage nachzugehen, ob durch die Verwendung derartiger Werkzeuge die Innovationskraft und die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen gesteigert werden kann. Als empirische Methode wurden teilstandardisierte Interviews mit Experten aus Beratung und Unternehmen gewählt.

Die Untersuchung hat gezeigt, dass die Einflussmöglichkeiten von Web 2.0-Werkzeugen, auf die Innovationskraft eines Unternehmens an sich beschränkt sind. Unter den Experten herrscht weitgehend Einigkeit, dass der unmittelbare Einfluss nicht überschätzt werden darf und auch schwer messbar ist. Ein bereits bestehendes innovationsfreudiges Umfeld in Unternehmen wirkt jedenfalls unterstützend auf eine erfolgreiche Implementierung von Innovation 2.0. Eine offene Unternehmenskultur, eine strategische Zielsetzung und flache Hierarchien sind wesentliche Erfolgsfaktoren, wenngleich nicht Basis für eine nachhaltige Etablierung.

Aus der qualitativen Untersuchungsmethode wurde eine Art idealtypischer Sollzustand abgeleitet, beschrieben und  mit der vorhandenen Literatur verglichen. Zusammenfassend lässt sich behaupten, dass die Ergebnisse der Experteninterviews weitgehend der vorhandenen und verfügbaren Literatur entsprechen. Innovation 2.0 ist als Thema noch sehr jung und neben vielen anderen Web 2.0-Initiativen sicherlich auch stark durch Berater und Softwareanbieter getrieben. Die großen Erfolgsgeschichten fehlen. Zu viele Unternehmen sind noch in einem Experimentierstatus, um Innovation 2.0 als breites erfolgreiches Thema bezeichnen zu können. Ohne ein existierendes und funktionsfähiges Innovationsmanagement im Unternehmen, kann es auch Innovation 2.0 nicht geben. Web 2.0-Werkzeuge können nur unterstützend wirken, sind nur ein Mittel zum Zweck und gelten für sich allein gestellt nicht als Erfolgsgarant.

Kommunikation ist ein Grundbedürfnis von Menschen und in Unternehmen zeigt sich immer mehr, dass die effiziente – aber freie – Kommunikation zwischen Wissensträgern eine Grundvoraussetzung für effizientes Wissensmanagement und auch für Innovationsfähigkeit ist. Dieses Bedürfnis ist jedenfalls eine gute Basis für Innovation 2.0 in den nächsten Jahren. Letztendlich hängt es von den Unternehmen ab, die Kommunikation- und Dialogfähigkeit der Mitarbeiter zum Vorteil des Unternehmens einzusetzen. Allgemein lässt sich zur Einführung von Social Software in Unternehmen sagen, dass der wichtigste Erfolgsfaktor, der Fokus auf den Nutzen für jeden einzelnen Akteur ist. Das Verhältnis zwischen Aufwand und Nutzen muss positiv sein. Den Benutzern darf kein besonderer Mehraufwand abverlangt werden, ohne ihnen einen direkten Nutzen zu bieten.

Schlussfolgerungen und Ausblick

Der Weg zu Innovation 2.0 ist langwierig und erfordert die Überwindung so mancher Hürden. Innovation 2.0 wird nicht dadurch entstehen, dass in den Unternehmen einfach Innovation 2.0-Werkzeuge bereitgestellt werden. Es geht um eine neue Art des Managements, der Kommunikation und der Kollaboration. Um diesen Weg erfolgreich gehen zu können, ist eine Innovation 2.0-Strategie, die verdeutlicht, wie man sich einen Wettbewerbsvorteil verschaffen möchte, erforderlich.

Innovation 2.0 kann ohne eine bereits bestehende Innovationskultur in Unternehmen nicht stattfinden. Technologie, im Sinne vom Einsatz durch Web 2.0-Werkzeugen, unterstützt zwar den Prozess, ist aber keinesfalls die tragende Säule für ein erfolgreiches Innovationsmanagement. Innovation 2.0 ist keine Frage von Technologie und Applikationen allein, sondern geht weit über die Veränderung von Unternehmensstrukturen hinaus. Innovation 2.0 ist vielmehr eine ganzheitliche Unternehmensphilosophie, die auf Selbstorganisation, Hierarchieabbau und Partizipation setzt.

Unternehmen müssen bei sich ständig ändernden Rahmenbedingungen Kreativitäts-, Kollaborations- und Kommunikationsarbeitsplätze schaffen um innovativ und wettbewerbsfähig zu sein. Erfahrungen und Wissen zu ähnlichen Themen sind in Unternehmen oft sehr stark verteilt. Sofern mittels Web 2.0-Werkzeugen Synergien aus dem gemeinsam vernetzten Wissen nutzbar gemacht werden können, wirkt dies jedenfalls positiv auf die Innovationskraft eines Unternehmens. Web 2.0 unterstützt den Blick auf Problemstellungen durch unterschiedliche Akteure aus verschiedenen Perspektiven und ermöglicht direkte Kommunikationswege über unterschiedliche Unternehmensbereiche hinweg.

Innovation 2.0 ist eine Multiplikation aus Innovationskultur, Innovationsstrategie und der unterstützenden Technologie, eingebettet in eine innovationsfördernde Organisation. Diese Aussage soll in der „Innovationsformel 2.0“ dargestellt werden:

Sofern ein Teil der Multiplikation gleich Null ist, findet keine Innovation 2.0 statt. Innovation 2.0 ist ein Zusammenspiel von Kultur, Organisation sowie Technologie und muss in der Unternehmensstrategie festgeschrieben sein.

Nur wenige Unternehmen haben bis jetzt die Transformation in Richtung Enterprise 2.0, oder aber auch Innovation 2.0, erfolgreich hinter sich gebracht. Interne Vernetzung, Flexibilität der Organisation, aber auch Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft sind die vorrangig gesteckten Ziele, die es zu erreichen gilt. Die Erschließung neuer Märkte und die Entwicklung neuartiger Geschäftsmodelle wurden mit Innovation 2.0 bislang nur in Einzelfällen realisiert.

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6 thoughts on “Innovation 2.0 – eine Kulturrevolution im Innovationsmanagement oder nur ein Sturm im Wasserglas?

  1. Patrick Kruschinski

    Guter Punkt. Es gehört mehr zu einem funktionierenden und erfolgreichen Innovationsmanagement als der bloße Besitz einer spezifischen Technologie.

    Allerdings, wenn eine Innovationskultur und eine Strategie entwickelt und angenommen wurden, ist die Nutzung einer Innovationssoftware die beste Lösung, um eine große Community bereichs- und länderübergreifend zu vernetzen. Solch eine Software muss natürlich in die jeweilige Kultur eingebettet werden und exakt den Bedürfnissen des Unternehmens entsprechen. Dann werden auch echte Innovationen entwickelt.

  2. Maria Tagwerker-Sturm

    Stimme voll zu. Die oberste Voraussetzung ist Commitment, denn ohne Akzeptanz und Motivation keine Innovationsbeiträge.
    Zweitrangig aber immer wichtiger wird die Technologie, denn sie hilft uns Prozesse effizienter und schneller zu gestalten. Vor allem in der Zusammenarbeit von Teams über geografische Grenzen.

  3. innokaan

    Das ist wahrscheinlich eine Definitionsfrage: Wenn man unter Innovation 2.0 versteht, dass man sich des Internets bedient, um z.B. ‚Open Innovation‘ oder noch spezieller ‚Crowd Sourcing‘ zu betreiben, vielleicht auch ‚Crowd Funding‘, um Investoren für eine Innovation zu gewinnen, dann kann das meiner Meinung nach auch neben der bestehenden Unternehmenskultur (ob innovationsfreudig oder nicht) geschehen.

  4. Patrick Kruschinski

    Der Artikel von Herrn Baier bezieht sich auf „Interne Vernetzung“ und „Flexibilität der Organisation“. Auch bei Open Innovation ist die Bedeutung der unternehmensinternen Kultur nicht zu unterschätzen: Die Mitarbeiter der Organisation müssen dafür bereit sein, mit Externen zusammenzuarbeiten – das ist keine Selbstverständlichkeit.

    Ihr Beispiel, die Suche nach Investoren, würde ich nur bedingt dem Thema Open Innovation zuordnen.

    Aber wie Sie bereits angemerkt haben, alles eine Definitionsfrage… da gebe ich Ihnen Recht.

  5. Alexander Stocker

    Der Besitz einer Web 2.0 Technologie ist nicht entscheidend – doch vielmehr die Nutzung der Technologie durch die Mitarbeiter.

    Bei einer guten Nutzung zB einer firmeninternen Sozialen Netzwerkplattform (wie ein „Corporate Facebook“) werden die Gespräche der Mitarbeiter sehr wohl Informationshäppchen beinhalten, die als neue Ideen die zukünftigen Produkte beeinflussen.

    Viele Grüße
    Alexander Stocker

  6. Irina Meller

    Hallo,

    welche Möglichkeiten gibt es, die oben erwähnte Masterarbeit von Herrn Baier einzusehen? Ist sie in Form eines e-Dokumentes auf dieser Seite bzw. einer öffentlich zugänglichen Plattform erhältlich?

    Vielen Dank für die Hilfe!
    Viele Grüße
    Irina Meller

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