Gates with Teeth 1: Gute Entscheidungen basieren auf guten Informationen

By | 28. September 2011

Gastbeitrag von Mag. Peter Fürst (http://www.five-is-innovation.com).

Haben Sie schon einmal Poker gespielt? Texas Hold’em? In der ersten Runde bekommen wir 2 Karten. Wir verfügen zu diesem Zeitpunkt also über 2 von 7 möglichen Karteninformationen in diesem Spiel. Die weiteren Karten werden im Laufe des Spiels erst aufgedeckt – sofern 2 Spieler überhaupt so lange im Spiel bleiben. Ob unsere 2 Karten ein gutes Blatt ergeben, wissen wir erst, wenn die anderen 5 Karten auf dem Board auch kennen. Ob wir mit diesem Blatt dann gewinnen, wissen wir aber selbst bei Kenntnis aller gezeigten Karten immer noch nicht.

So ähnlich verhält es sich auch in der Neuprodukt-Entwicklung: zunächst haben wir nur sehr wenig Information. Um mehr Information zu erhalten, müssen wir etwas investieren – typischerweise Recherche- und Entwicklungsarbeit.

Beim Pokern müssen einen gewissen Betrag setzen (mindestens den Big Blind), um und im Spiel zu bleiben und die nächsten Karten (den Flop) zu sehen.

Unsere Informationsbasis hat sich nach Sichten des Flops wesentlich erhöht. Anstelle von nur 2 Karten kennen wir jetzt 5. Jetzt müssen wir als Spieler wieder eine Entscheidung treffen: wollen wir weiter im Spiel bleiben, oder sieht unser Blatt dermaßen ernüchternd aus, dass wir besser aussteigen. Typischer Weise erhöht sich der Einsatz in dieser Runde.

Während die erste Projektphase (Stage 1) einer Neuproduktentwicklung noch relativ günstig ist, werden die darauf folgenden Phasen zunehmend aufwändiger und ressourcenintensiver. Wir bekommen zunehmend bessere Informationen, müssen jedoch auch immer mehr investieren, um „im Spiel“ zu bleiben.

Eine Prämisse für erfolgreiches Pokern ist, zu wissen, wann man aus einem Spiel aussteigt und wann es sich lohnt zu investieren. Um eine gute Entscheidung treffen zu können, müssen wir einschätzen können, welche Chancen wir mit unseren 2 Karten gegenüber den anderen Spielern haben. Hierbei hilft natürlich eine gewisse Grundkenntnis der Wahrscheinlichkeitsrechnung. Die guten Spieler nutzen jedoch noch weitere Informationen: das Verhalten der anderen Spieler. Ein Sprichwort beim Pokern lautet schließlich: spiele mit den Spielern, nicht mit den Karten.

Eine gute, relativ sichere Entscheidung können wir dann fällen, wenn wir sowohl Kenntnis der Wahrscheinlichkeiten unseres Blattes, als auch Erfahrungen über das Verhalten der anderen Spieler haben.

Übersetzt in die Neuproduktentwicklung bedeutet das, dass wir für jede Gate-Entscheidung die richtigen Informationen benötigen – sowohl inhaltlich als auch qualitativ. In den frühen Phasen müssen sich die Gatekeeper mit wenig und vielfach unsicherer Information zufrieden geben (nur 2 Karten). Umso wichtiger ist es, dass die verfügbaren Informationen auch wirklich entscheidungsrelevant sind. So wird beispielsweise in einem frühen Stage eines neuen Produkts eine möglichst konkrete Abschätzung des Nutzens für den Kunden eine wichtige, entscheidungsrelevante Information sein, während der Aufwand für das Anlegen der Stammdaten in dieser Phase weniger Relevanz aufweist. Hier ist es wichtig, das richtige Maß für jede Gate-Entscheidung zu finden. Je mehr „Informations-Sicherheit“ die Gatekeeper in den frühen Gates wünschen, desto aufwändiger gestaltet sich die vorhergehende Projektphase. Dies wiederum bedeutet, dass die Gatekeeper im Gate davor mit sehr wenig Information eine größere Menge an Ressourcen freigeben müssen – also wieder ein höheres Risiko eingehen müssen.

Ein zweiter wichtiger Aspekt ist die Qualität der Informationen. Vielfach ist es für die Gatekeeper hilfreich zu unterscheiden, wie fundiert und verlässlich Informationen sind. Hierfür kann es hilfreich sein, die Informationen in 3 Kategorien zu unterteilen: 

  • Fest: die Informationen sind belastbar, das Risiko ist kalkulierbar. Eine rationale Entscheidung ist möglich.
  • Flüssig: die Informationen beinhalten Unsicherheit. Eine rein rationale Entscheidung ist nicht mehr möglich, Intuition muss unterstützen.
  • Gasförmig: es herrscht Ungewissheit. Entscheidungsrelevante Aspekte lassen sich höchstens erahnen. Eine rein intuitive Entscheidung ist notwendig.

Insbesondere bei der Entwicklung radikal neuer Produkte oder Geschäfte wird man immer mit gasförmigen Informationen zu kämpfen haben. Für die Entscheider heißt dies, dass sie sich auch auf ihr Bauchgefühl bis zu einem gewissen Grad verlassen müssen – auch nicht anders als beim Pokern.

Schlussendlich sollten Entscheidungen auf beidem fußen: harten Facts und der Intuition

Möchten Sie mehr darüber lernen, wann welche Information die richtige für ein Neuproduktprojekt ist? Dann haben Sie die Chance, sich mit einem der Experten auf diesem Gebiet auszutauschen – Prof. Bob Cooper. Weitere Informationen hierzu finden Sie unter http://www.five-is-innovation.com/news_events.asp

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