Funktioniert das traditionelle Arbeitssystem noch? Ist es Nährboden für Innovationen?

By | 6. Januar 2012

 „Vorstände und Führungskräfte müssen von den Mitarbeitern gewählt werden.“

„Mitarbeiter sollen selbst entscheiden Was und Wann sie arbeiten.“

„Vertrauen und keine Kontrolle.“

Bei der brasilianischen Dienstleistungsfirma „Semco“ wählen die 3.000 Mitarbeiter ihre Chefs, entscheiden selbst über ihre Arbeit, Arbeitszeit und Gehälter. Es gibt keine Geschäftspläne, fast keine Hierarchie und die Gewinne werden per Abstimmung aufgeteilt. „Ja, kann denn das funktionieren“ – fragen sich viele.

Obwohl es am ersten Blick wie ein anarchischer Alptraum klingt, kann der Inhaber Ricardo Semler beweisen, dass es funktioniert: Die Gewinne sind von 35 auf 220 Millionen gestiegen.

Das Onlinemedium „Sein.de“ hat dazu einen höchst interessanten Artikel zu Semler´s Rezepte veröffentlicht.

  • Behandle deine Mitarbeiter wie Erwachsene, dann verhalten sie sich auch so. Je mehr Freiheiten Mitarbeiter haben, desto mehr Leidenschaft verbunden mit Produktivität, Innovation und Zufriedenheit entfaltet sich.
  • Eine Firma ist ein Gemeinschaftsprojekt. Es zählt nicht das Controlling oder die Produktion, sondern das Gesamte, dass alle Mitarbeiter gemeinsam leisten. Jeder ist Teil davon und bringt seinen Beitrag zum Erfolg. Dadurch wird eine hohe Identifikation mit dem Unternehmen erreicht, was die Loyalität und Motivation stark fördert.
  • Kontrolle wird durch Vertrauen ersetzt. Durch die Arbeit im Team sorgt ohnehin das Team selbst dafür, dass jeder seinen Beitrag leistet.
  • Es zählt nicht die Anwesenheitszeit im Unternehmen, sondern die Leistung.
  • Nicht die Mitarbeiter werden bewertet, sondern die Mitarbeiter bewerten die wenigen Führungskräfte bzw. Entscheider. Bekommen diese wiederholt negative Bewertungen, geht er meist selbst.
  • Ist beispielsweise eine Entscheidung zu treffen oder wird ein neues Projekt gestartet, wird ein Meeting im Intranet ausgeschrieben, und jeder, der Interesse hat, kann teilnehmen. Langweilt jemanden ein Meeting, kann er aufstehen und gehen. So wird sichergestellt, dass die Mitarbeiter mitwirken und entscheiden, die sich auch dafür interessieren und einsetzen.

Auch beim 3. Zukunftsforum HR wurde das Thema in Angriff genommen. Unternehmen brauchen eine Kultur der Kommunikation und Partizipation. Chefs sollen gewählt werden. Unternehmen müssen stärker demokratisiert werden. vor allem im Kontext, die verloren gegangene Reputation im Management wiederzugewinnen.

Aber seien wir uns mal ehrlich, sehen wir diese Veränderung? Manchmal hat man das Gefühl, dass es sich in die Gegenrichtung entwickelt. Mit steigender Größe und Komplexität wird nach mehr Standardisierung und mehr Kontrolle durch die Führungskräfte gerufen. Nevertheless …

The Seven-Day Weekend: A Better Way to Work in the 21st Century von Ricardo Semler (Amazon.de)

 „Wenn man es sich genauer ansieht, muss man feststellen, dass das traditionelle System nicht funktioniert“, wird Ricardo Semler zitiert, der meint, dass es nur so gehen kann. Ansonsten versumpfen wir in einer Welt mit Burn-Out, Mobbing, Hierarchiekämpfen, Stress und Magengeschwüren. Und wo ist dann noch Platz für die Leidenschaft für die Arbeit. Beruf muss wieder zur Berufung werden und so postuliert Ricardo Semler „Es ist Zeit für das 7-Tage-Wochenende“.

Und will ein Unternehmen das notwendige Rüstzeug für die Zukunft haben, benötigt es vor allem engagierte und professionelle Mitarbeiter, die für Produktivität und vor allem für Innovationen stehen. Und die kann man nur anziehen und halten, wenn man das entsprechende Arbeitsumfeld bietet: Selbstorganisation und Empowerment. Der „War for Talents“ wird sich auf dieser Ebene abspielen, vor allem wenn (weil) die Generation Y & Co dominiert …

Quellen:

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One thought on “Funktioniert das traditionelle Arbeitssystem noch? Ist es Nährboden für Innovationen?

  1. Administrator Post author

    Und die Semco-Geschichte ist schon fast 10 Jahre alt und nicht erst im 2.0-Hype entstanden!

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