Das Neue und seine Feinde: Wie Ideen verhindert werden und wie sie sich trotzdem durchsetzen

By | 6. Dezember 2013

buchtitel_dueckSo lautet der Titel des Bestseller-Buches von Gunter Dueck, seines Zeichens früherer CTO bei IBM, in dem er mit den Innovationsblockierer abrechnet.

Mein persönlicher Eindruck: bei IBM war Innovation ineffizient und ineffektiv. Man glaubt immer, die Großen sind so innovativ und wir sind auf Konferenzen ganz heiß auf ihre Präsentationen. Aber für mich zeigt sich immer mehr, umso größer, umso weniger innovativ. Gründe sind das Silodenken und die Intransparenz über die Organisation. Es fehlt an Persönlichkeiten, die unternehmensweit denken und agieren. Ein kritischer Erfolgsfaktor, denn neue Produkte berühren nahezu jeden Prozess im Unternehmen und erfordern daher Commitment aus allen Bereichen.

Nun zum Inhalt. Vielen Menschen wehren sich anfangs prinzipiell gegen das Neue. Dueck beschreibt im Buch sehr ausführlich den Adoptionsprozess einer Innovation.

dueck

Mehr dazu auch im blog2change Beitrag der Innovationswerkstatt.

Nun zu seinen Innovationsfeinden, die Innovationen scheitern lassen:

  • Erfinder und Start-ups sind so in ihre Ideen verliebt und es fehlt ihnen die unternehmerische Kompetenz, um daraus Erfolge zu machen.
  • Forscher wollen wissenschaftlich arbeiten – Wissen generieren und publizieren. Sie denken nicht an den Anwender, overengineeren und der Markterfolg ist ihnen egal.
  • Marketing und Vertrieb haben ihre Vertriebsziele und den damit verbundenen Bonus im Fokus. Sie wollen Produkte, die sich wie warme Semmeln verkaufen und nicht ihre Zielerreichung mit Innovationen riskieren.
  • Manager blockieren Innovationen, aber nicht offiziell, da es in der Strategie verankert ist. Man versucht es zu Tode managen, z.B. mit komplexen Prozessen und Freigabemechanismen. Aja, und sie denken immer „das muss gehen“, dabei kennen sie die eigenen Produkte kaum, weil sie sie selbst nicht verwenden.
  • Berater kommen ins Haus, machen aber nur Diagnosen und Therapien, das hilft aber der Organisation nicht, an der Basis und bei Ursachen anzupacken. Wenn Organisationen etwas meisterhaft können wollen, müssen sie „üben“.
  • Ländern und Politik pulvern viele Förderungen in F&E, aber viel Geld münden nur in Misserfolge.

Neben den bekannten Gründen für das Scheitern von Innovationen, wie zu wenig Zeit und Energie für die Idee und ihre Vermarktung, mangelhafte Marktanalyse, falscher Zeitpunkt, dysfunktionale Organisation … fokussieren sich aus meiner Sicht seine Gründe vorwiegend auf den fehlenden Unternehmergeist.

Es fehlt an Entrepreneuren

  • die mit Herzblut und Leidenschaft an der Umsetzung arbeiten und an ihre Idee glauben.
  • die nicht nur geniale Ideen entwickeln, sondern sie umzusetzen. Umsetzung erfordert andere Persönlichkeitsstärken als Kreativität.
  • die wissen, wie das Unternehmen tickt und das Neue einfügen können bzw. neue Rahmen schaffen können (z.B. Tablets brauchen Apps, um sich erfolgreich durchzusetzen).
  • die ein Standing im Management haben und Vertrauen und Aufmerksamkeit genießen.
  • die sich und ihre Idee verkaufen und Menschen mitreißen können.
  • die visionär sind, die Chance für das Neue (und nicht für ihre eigene Macht) sehen und Bewährtes aufgeben können. Ein Gegenbeispiel: Wenn Neues auftaucht (z.B. eBooks), halten sie (z.B. Verlage) noch stärker am Bestehenden fest, anstatt die neue Chance aufzugreifen.

Ein weiteres Problem – Zeit, das knappste Gut der Welt. Das Tagesgeschäft lässt keine Zeit für Innovationen. Kommt eine neue Idee, muss entweder ein laufendes Projekt gestoppt werden oder neues Budget zur Verfügung gestellt werden, beides ist im Alltag aber kaum möglich.

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Liebe Leser, hier nun meine persönliche Meinung. Die obige Darstellung des Buches umfasst nicht alle Aspekte des Buches, sondern die für mich relevanten. Alles in einen Artikel zu packen, hätte den Blog-Rahmen gesprengt. 🙂 Weiters mischen oben meine Interpretationen mit.

Meine Rezension: 3 von 5 Sternen

Das Buch zeigt sehr interessante Perspektiven auf und spricht sicherlich vielen aus der Seele.

Die einzelnen Gruppen der Blockierer werden aber sehr übertrieben als inkompetent dargestellt. Dadurch kommt der Autor überheblich rüber.

Es ist sehr langatmig geschrieben, für 282 Seiten hat das Buch für mich zu wenig Inhalt. Vor allem wissen wir jetzt, woran es liegt, aber auf die Lösungen, was jedoch auch nicht Hauptintention des Buches war, wird zu wenig eingegangen.

Trotz allem bietet es aufschlussreiche Insights, eben weil er Probleme direkt anspricht, die Stoff für neue Gedanken und anregende Diskussionen bieten. 

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2 thoughts on “Das Neue und seine Feinde: Wie Ideen verhindert werden und wie sie sich trotzdem durchsetzen

  1. Franz Buchinger

    „Ich bin gescheitert, aber Schuld waren die anderen!“ – das scheint meiner Meinung nach die (versteckte) Hauptaussage des Autors zu sein, zumal das Top-Management bzw. der CTO in der Auflistung der Innovationsfeinde fehlt 😉 Grundsätzlich hat der Autor natürlich recht: ein IT-Großkonzern wie IBM mit sehr gefestigten Organisationsstrukturen und langfristigen Verpflichtungen seinen Kunden gegenüber, was die Wartung und Weiterentwicklung seiner Produkte betrifft, ist nicht unbedingt das beste Umfeld für disruptive Innovationen. Lösungen für diesen Innovations-Deadlock gäbe es ja bereits, zum Beispiel die Gründung von Spin-Offs zur kommerziellen Weiterverfolgung interessanter Ideen.

    Ich denke, den Unternehmen fehlt es nicht an Entrepreneuren, sondern Intrapreneuren: Erstere würden sich vermutlich mit der ersten guten Idee in die Selbstständigkeit verabschieden und könnten so nie einen großen Rückhalt in der Organisation aufbauen. Unternehmerisch denkende Angestellte (Intrapreneure) haben diesen Rückhalt und vor allem die Schlitzohrigkeit, die Organisation gelegentlich zu deren eigenen Nutzen auszutricksen: wie im Artikel zu Bootlegging dargestellt wurde, hätte es ja wichtige Innovationen wie den Apple Macintosh nie gegeben, wenn jeder Dienst nach Vorschrift geschoben hätte.

  2. Maria Tagwerker-Sturm Post author

    Hallo Franz,
    zur Verteidigung des Autors: er meint unternehmerisch denkende Mitarbeiter, wie du es beschrieben hast. Die Wortwahl zur Zusammenfassung auf Entrepreneurship kommt von mir.
    Liebe Grüße,
    Maria

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