Das Front End des Innovationsprozesses – 3 Schritte zur Strukturierung

By | 8. November 2015

Fuzzy Front End of Innovation“ steht für den vorderen, kreativen Teil des Innovationsprozesses, „fuzzy“, weil es unstrukturiert, von Unsicherheit und Unschärfe geprägt und schwer planbar ist. Peter Koen vom Stevens Institute of Technology griff den Begriff früh auf und servierte viel nützliche Literatur zum „unfuzzy“. Er strukturierte das Front End in fünf Komponenten:

koen front end

Quelle: http://www.stevens-tech.edu/cce/NEW/PDFs/FuzzyFrontEnd_Old.pdf

Auch wir haben uns damit auseinandergesetzt. Aufgrund der Anforderungen aus unseren Erfahrungen gliedern wir es in 3 Schritte:

  1. Strategische Ausrichtung
  2. Ideensammlung
  3. Fokussierung
Front End Innovation

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1. Strategische Ausrichtung

Basis ist die Innovationsstrategie, die abgeleitet von der Unternehmensstrategie den Zweck von Innovation für das Unternehmen definiert. Daraus leiten sich Innovationsfokus, Innovationsgrad und Suchfelder ab. Damit wird klar, nach was und wo wir suchen sollen.

Möchte man beispielsweise Innovationsführer werden, muss man nach radikalen Innovationen Ausschau halten: Die wird man mit simpler Marktforschung nicht finden, denn oft sind Bedürfnisse unbewusst oder schwer artikulierbar.

Ganz nach dem legendären Sager von Ford „Hätte ich die Menschen gefragt, was sie wollen, hätten sie gesagt schnellere Pferde.“ Auch richtig, das Bedürfnis ist „schneller“, die innovative Lösung muss aber vom Hersteller kommen – „Autos“.

Auch die Spezifika und Unternehmenskomplexität bestimmen das Suchen nach Ideen: Wie und wo kann ich Bedürfnisinformationen (Was braucht der Kunde?) und wo Lösungsinformationen (Wie kann man es umsetzen?) finden?

  • Sind die Produkte eher technisch (z.B. chemisch – wie Papier), wird der Kunde eher wenig zur Lösung beitragen können. Hier sind Experten von Lieferanten oder Forschungsinstitute gefragt.
  • Jedoch ist das Produkt in der Anwendung eher komplex und umfangreich (z.B. Auto, Landmaschinen), ist der Kunde eine wichtige Innovationsquelle.
  • Oder ein B2B-Unternehmen wird meist wenig Feedback und Inputs zu seinen Produkten in Sozialen Medien finden, als ein Konsumgüteranbieter.

Somit bestimmen die Strategie und Spezifika des Unternehmens die Aktivitäten im Front End. Genau gesagt, wo und wie nach welchen Ideen gesucht wird, einerseits die Methoden, andererseits die eingebundenen Personengruppen.

2. Ideensammlung

Dann wird alles an Ideen aufgesaugt. Es wird

  • gezielt nach Ideen zu Themen gesucht bzw.
  • versucht, Ideen zu „finden“ – nach die man nicht gesucht hätte. Zum Beispiel ergibt sich im Austausch mit einem Industriepartner eine Problemlösung, aus der sich eine Produktinnovation ergibt, nach der man eigentlich nicht gesucht hätte. Ganz nach dem Motto „Man weiß nicht, was man nicht weiß.“

Zur Ideensammlung gibt es Unmengen an Quellen und Methoden, eine Sammlung findet sich in der Grafik, wobei hier kein Anspruch auf Vollständigkeit besteht.

Alle Ideen werden für die weitere Bearbeitung in einem Ideenspeicher gesammelt, z.B. in einer Ideendatenbank oder auch nur in einem simplen Excel.

3. Fokussierung

Im Zuge der Fokussierung erfolgt die Ausselektion der erfolgversprechendsten Ideen, für die ein Innovationsprojekt gestartet wird.

Um die Idee bewerten zu können, müssen Fakten auf den Tisch. Analysen, Recherchen oder auch schon erste technische Versuche sind erforderlich, um die notwendigen Entscheidungsgrundlage zu haben. Alles wird in einer Ideendefinition zusammengefasst.

Dann erfolgt die Bewertung. Die kann zur Herausforderung werden, wenn man aus 1000 Ideen die 15 Top Ideen finden soll. Daher brauchen wir

  • Schnelligkeit: Es soll nicht Monate und viele Analysen und Gremien dauern, bis eine Idee ihre Freigabe erhält.
  • Effektivität: Bis eine Idee bewertet ist, durchläuft sie viele Schritte, Schleifen und Meetings. Mit möglichst geringem Aufwand sollen Ideen ausgefiltert werden. Es ist unmöglich, jede Idee mit umfangreichen Analysen in jedem Gremium zu bearbeiten.

Zum Beispiel

  • Zuerst die Analysen, mit denen mit wenig Aufwand viele k-o-Ideen schnell identifiziert werden können.
  • Ist ein k.o. gegeben, z.B. die technische Machbarkeit, sollen nicht umfangreiche Marktstudien erfolgen.
  • Muss eine Idee mehrmals durch ein Top-Management-Gremium, das nur alle 2 Monate tagt, können gleich mal Monate vergehen. Daher andere Wege finden.

Mit dem richtigen Mix in einer mehrstufigen Bewertung im Sinne eines Trichters soll eine wirtschaftliche Bewertung garantiert werden

  • Wer entscheidet (Manager, Gremium)
  • Wann (in welcher Prozessstufe)
  • nach welchen Kriterien (Festlegung der Kriterien auf Basis der Innovationsstrategie)
  • auf welcher Basis (Abschätzung, Versuche, Expertise, Marktanalyse, Marktzahlen …)

Hier Beispiel:

trichterSchritt 1: Ein kleines Gremium aus Innovationsmanager und Produktmanager auf Basis Strategie-Fit und der Abschätzung der Machbarkeit und Marktattraktivität.  (Grobbewertung)

Schritt 2: Analyse der technischen Machbarkeit durch die F&E. (Grobbewertung)

Schritt 3: Einbindung des Vertriebs und quantitative Bewertung des Marktes.  (Feinbewertung)

Schritt 4: Freigabe durch das Management.

 

Ideen, die dann quasi im Trichter unten raus kommen, folgen in den Innovationsprozess.

Mit dieser Methodik erfolgt eine Strukturierung des Front Ends des Innovationsprozesses um erfolgreich an Ideen zu kommen.

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2 thoughts on “Das Front End des Innovationsprozesses – 3 Schritte zur Strukturierung

  1. Maria Tagwerker-Sturm Post author

    Und noch ein Hinweis: Unsere Kollegen von NEU – Gesellschaft für Innovation mbH veranstalten 2 Seminare zum Front End.

    * Kompaktwissen Ideenfindung am 27.11.15
    * Multisensorische Ideenfindung am 16.12.15

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    Details hier im Seminarkalender: http://www.inknowaction.com/blog/seminarkalender/

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