Bootlegging. U-Boot-Innovationsprojekte – nicht erlaubt, aber gewollt!

By | 14. August 2013

Bootlegging steht übersetzt für „etwas schwarz herstellen“. Es geht um Innovationsprojekte, die das Management nicht beauftragt oder freigegeben hat, aber für Unternehmen nicht irrelevant sind. Viele Innovationen sind so entstanden und haben den Unternehmen einen mächtigen Innovationsvorsprung und hohe Gewinne bereitet.

Was genau ist Bootlegging?

  • Bootlegging ist die proaktive F&E-Tätigkeit eines Mitarbeiter, ohne explizitem Auftrag, einer Genehmigung oder überhaupt des Wissens des Managements.
  • Die Aktivitäten weisen keinen direkten Bezug zu den Programmaktivitäten auf.
  • Es gibt keine offiziell zugewiesen Ressourcen in Form von Zeit, Material, Geräten. Die Mitarbeiter beschaffen sich die Ressourcen selbst.
  • Meist handelt es sich dabei um neue Technologien oder technische Verbesserungen.
  • Bei positiven Ergebnissen und bei Überzeugung des Managements werden die Aktivitäten in den offiziellen Innovationsprozess übergeführt.

Was bringt es den Unternehmen?

  • Meistens sind die Ressourcen für laufende Projekte verplant und es bleibt wenig Zeit für neue Ideen. Bootlegging benötigt wenige Ressourcen und ermöglicht die Entwicklung neuer Ideen.
  • Bessere Entscheidung über die Projektfreigabe, da zum Zeitpunkt der Go-Entscheidung mehr Informationen über die Idee verfügbar sind.
  • Weniger riskant und einfacher zu stoppen, da es noch keinen offiziellen Auftrag gibt.
  • Ermöglichen von radikalen Innovationen. Diese Ideen wären womöglich im formalen Prozess durch die harten Gate-Kriterien aufgrund ihrer Unsicherheit und Unschärfe gekillt geworden.

Wie kann es gezielt gefördert werden?

Bootlegging kann nicht einfach gefördert werden, indem das Management sagt: „macht es“. Ähnliches gibt es zwar in Unternehmen wie 3M oder Google, wo Mitarbeiter Kapazitäten für Ideen erhalten. Aber damit hier richtig gute Ideen rausgekommen, dazu gehört mehr.

Bootlegging basiert auf folgenden zwei Haupterfolgsfaktoren:

  • Gestaltung des Arbeitsumfelds
    – Freiheiten: bei der Aufgabenwahl, Entscheidungsspielraum, bei der Kooperation intern und mit externen Partnern …
    – Incentives: motivieren und signalisieren, dass Initiativen gewollt sind.
    – Management Support und Vertrauen
  • Persönlichkeit
    Der Wille und der Glaube an sich, die Initiative durchzusetzen, steigert die Motivation für Bootlegging. Die Persönlichkeit des „Intrapreneurs“ kann beispielsweise durch Personalentwicklungs- und Kommunikationsmaßnahmen gefördert werden.
    „Bootlegger“ sind Menschen, die sich für etwas begeistern und etwas gestalten und bewegen wollen. Das treibt sie an und sie investieren mehr ihrer eigenen Zeit und gehen Risiken ein. Das sind Persönlichkeitsmerkmale, die nicht jeder Typ in sich hat. Daher ist die Bootlegger-Mentalität nur bedingt bei allen Menschen weckbar.

Kontraproduktiv wäre allerdings ein formaler Front End Innovationsprozess aufgrund des Regelzwangs. Es sei denn, es handelt sich dabei um eine „Guideline“ oder „Toolbox“, die die Ideenentwicklung beispielsweise methodisch fördert.

Praxis?

Damit Bootlegging gefördert werden kann, dafür ist (fast) allein das Management verantwortlich. Eine Frage der Unternehmenskultur.

  • Aber, wenn die Unternehmenskultur Innovation zulässt, brauche ich dann überhaupt Bootlegging?
  • Oder sollte man gezielt Bootlegging fördern? Das kann man sich so vorstellen, wie wenn man ganz viele Samen sät und hofft, dass irgendwo welche aufgehen.

Ein weiterer offener Punkt ist, ob die Realität die Zeit freigibt. Vor mir sehe ich die Planungen, wo Produktentwickler zu über 100 % mit Projekten verplant sind. Außerdem werden die Aufgaben immer mehr, aber die Headcounts werden gekürzt. Ist es daher überhaupt möglich, dass man sich die Zeit freischaufelt, um sich um seine Idee zu kümmern. Oder verschiebt sich das in die Freizeit?

Fakt ist, das Management muss Rahmenbedingungen gestalten, die Leidenschaften weckt und die Entstehung von Innovationen fördert. In den Köpfen und Händen der Mitarbeiter schlummert unheimlich großes Potential an Kreativität und Motivation. Diese Kräfte müssen Unternehmen für sich nutzen. Und machen dabei noch Mitarbeiter glücklich, die wiederum mehr …

Quelle: Vortrag „Bootlegging – Kann man graue Projekte managen?“ von Dr. Dietfried Globocnik (Uni Graz) beim 10. Forum der Plattform für Innovationsmanagement.

5.00 avg. rating (94% score) - 1 vote

One thought on “Bootlegging. U-Boot-Innovationsprojekte – nicht erlaubt, aber gewollt!

  1. Pingback: Google stampft 20%-Regel ein! Und die Auswirkung auf die Innovationskraft? » INKNOWAKTION

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.