Ist die F&E-Quote ein Indikator für Wettbewerbsfähigkeit?

Meinungsartikel 

Forschung, Technologie und Innovation sind der treibende Motor für eine nachhaltige Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und die weitere Stärkung des Standortes Österreich“, so die ehemalige Wissenschafts- und Forschungsministerien.

Innovationen sichern die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen und einem Staat. Das ist ein allbekanntes Statement. Jedoch wir noch immer zu oft von einer F&E-Quote gesprochen, das heißt von Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Hier werden aber zwei Probleme gesehen:

  • Keine Messung des Outputs
    Die F&E-Quote berücksichtigt die Ausgaben und misst somit den Input, was keine Aussage über die Qualität des Outputs (Neue Technologien, Produkte etc.) und schon gar nicht über die Effizienz der Aktivitäten macht.
  • Keine Messung des Nutzens
    Die F&E-Quote umfasst die Ausgaben für Forschung und Entwicklung und nicht für Innovation. Es wird keine Aussage gemacht, ob die neuen Erkenntnisse auch einer verwertet wurden, sei es in neuen Produkten oder durch Lizenzierungen, wodurch für ein Unternehmen oder ein Forschungsinstitut und somit für den Staat und die Gesellschaft ein Nutzen resultiert.

Quelle: Bilanzkonferenz von BMW 2011
(Bildquelle: http://www.7-forum.com/news/BMW-Bilanzpressekonferenz-RedeDr-Friedri-3851.html)

Was nutzt eine Investition in F&E, wenn der Nutzen der Erkenntnisse nicht voll ausgeschöpft wird?

Egal wie viel ich ausgebe, wichtig ist, dass die Investitionen in Forschung, Technologie und Innovation (FTI) einen Nutzen für ein Unternehmen oder die Gesellschaft bringt. Wobei die Gesellschaft immer von Innovationen profitiert, sei es durch gesicherte oder neue Arbeitsplätze, Steuereinnahmen durch Umsatzsteigerungen oder Verkauf von Lizenzen oder durch einen direkten Nutzen aus der Innovation, z.B. im Gesundheitsbereich.

Wobei hier ein Unternehmen nicht nur selbst ihre erworbenen Erkenntnisse nutzen soll. Neue Technologien können anderen Branchen zur Verfügung gestellt werden, und dort zu einem Innovationsvorsprung verhelfen (Technologietransfer). Das bringt auf einen schnellen Weg Zusatzeinnahmen durch Lizenzen und einen wirtschaftlichen Nutzen für die Gesellschaft.

Daher gilt an erster Stelle – Die Erkenntnisse aus FTI-Aktivitäten müssen genutzt und verwertet werden. Damit eine Erkenntnisse aus F&E verwertet werden können, müssen einige Rahmenbedingungen erfüllt sein:

  • Die Erkenntnisse müssen in neue Produkte oder Prozesse transferiert werden.
  • Das Prozess oder das Produkt braucht einen Kunden, der es nutzen und dafür zahlen möchte.
  • Dazu muss der Kunden das Produkt brauchen.
  • Daher muss das Produkt einen wertvollen Nutzen bieten und sich von anderen Produkten differenzieren.
  • Weiters muss der Kunde das Produkt kennen.
  • Außerdem muss für den Kunden das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmen, somit spielt Effizienz eine weitere Rolle.

Ohne das Innovationsmanagement zu stark in den Mittelpunkt zu rücken, ist das Innovationsmarketing von nicht unerheblicher Bedeutung. Den Markt und den Kunden zu verstehen und in den F&E- bzw. Innovationsprozess zu integrieren, ist einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren.

Um nun auf den Kern des Beitrags zurückzukommen, stellt sich die Frage, wie ein Staat die Innovationsfähigkeit und somit die Wettbewerbsfähigkeit fördern kann. Aus der Sicht der Autorin …

  • Förderung von F&E durch finanzielle Anreize wie gehabt aus wertvolle Unterstützung.
  • Aber auch Förderung von anderen Innovationstätigkeiten. Immerhin werden bei der erfolgreicher Umsetzung von Innovationen zusätzlich zu jedem F&E-Euro noch 2 Weitere für andere Aktivitäten wie Marketing, Produktionsumsetzung etc. ausgegeben. Und das ist nicht unbedeutend.
  • Damit neue Technologien und Innovation gedeihen können, sind viele Skills und Wissen notwendig. Daher ist ein wesentlicher wirtschaftspolitischer Beitrag, gut ausgebildete Mitarbeiter zur Verfügung zu stellen. In erster Linie mangelte es an Technikern, aber auch an Entrepreneurship Skills zur wirtschaftlichen Verwertung von Technologien.

Hier ist aber noch die Frage offen, ob es eine Alternative zur F&E-Quote als Kennzahl zur Messung der F&E-und Innovationsleistung gibt. Leider zeigt sich, dass es nicht viele andere Optionen gibt, vor allem um mit einer relativ einfachen Kennzahl die gesamtwirtschaftliche Leistung zu messen.

  • Eine interessante Kennzahl auf Unternehmensebene ist der Return on Innovation – Wie viel verdient man pro investierten Euro in Forschung UND Innovation.

Wichtig ist das Bewusstsein, dass der Fokus nicht nur auf F&E liegt. Wie uns Studien belegen, sollte im Kontext FTI auch in Marktforschung und Verwertung investiert werden und der gesamte Innovationszyklus betrachtet werden.

Dieser Beitrag ist eine Meinung und die Autorin freut sich auf Ihre Meinungen, Ergänzungen, Kritik oder Kommentare.

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One thought on “Ist die F&E-Quote ein Indikator für Wettbewerbsfähigkeit?

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