Ideenpotentiale werden trotz systematischem Ideenmanagement nicht ausgeschöpft

By | 1. Februar 2013

Alle reden davon, wie wichtig Ideenmanagement ist. Allerdings zeigt der Alltag, dass das erkannte Potential von Ideen trotz Management Commitment nicht voll ausgeschöpft wird. Das wird von einer umfangreichen Studie der Philipps Universität Marburg und IHK Hessen untermauert.

Eine Zusammenfassung und den Link zur gesamten Studie „Management von Ideen: Stand in der Praxis“ finden Sie unter http://www.seknews.de/2013/01/31/wie-managen-unternehmen-das-ideenpotenzial-ihrer-mitarbeiter/.

Kreativitätspotentiale werden verschenkt

  • Ideenmanagement wird oft auf passives Sammeln reduziert. Quasi ein Ideensammlungssystem statt Ideenmanagementsystem mit Workshops zur proaktiven Sammlung von Ideen und Lösungen. Diese Erkenntnis deckt sich auch damit, dass oft zu wenige Freiräume für Ideen vorherrschen.
  • Externe Ideengeber wie Kunden oder Lieferanten werden zu wenig in die Ideenprozesse eingebunden.

Ideenmanagement zu wenig verankert

  • Kennzahlen tauchen zu selten in den Zielvereinbarungen auf.
    Ein kleiner Exkurs: Und wenn, ist die häufigste Kennzahl „Anzahl der Ideen“, welche wenig über die Qualität der Ideen und dem Output des Systems aussagt. Das bringt den Begleiteffekt, dass zur Kennzahlenerfüllung viele „miese“ Ideen eingereicht werden, die das gesamte System bremsen und in Verruf bringen.
  • Weiters gibt es Integrations- und Schnittstellendefizite, z.B. eine fehlende Verbindung zu Innovation-, Qualitäts- oder Wissensmanagementsystemen. Dabei wäre der Aufwand relativ gering im Vergleich zum erreichbaren wechselseitigen Nutzen.

Woran mögen diese Schwierigkeiten liegen? Ist die allgemeine Akzeptanz in Unternehmen doch nicht so hoch?

Möglicherweise liegt es daran, dass das Ideenmanagement noch aus der Vergangenheit ein schlechtes Image mitbringt bzw. dass sich die Systeme nicht an die Veränderungen in der Arbeitswelt angepasst haben:

Der Ursprung liegt im Betrieblichen Vorschlagswesen. Die Hauptzielgruppe waren Arbeiter, die keine Möglichkeit hatten, ihre Ideen, die meist hohes Potential für Einsparungen in der Produktion hatten, einzubringen. Dieses System wurde über die gesamte Belegschaft (Angestellte -Wissensarbeiter) gestülpt, was folgende Problematiken mit sich bringt:

  • Mitarbeiter geben Ideen ein und warten, dass damit etwas passiert, anstatt
    1. Ideen aktiv mit betroffenen Kollegen zu diskutieren.
    2. Nicht nur eine Idee oder ein Problem aufzeigen, sondern gemeinsam eine Lösung erarbeiten und deren Umsetzung vorantreiben.
  • Das wirkt für viele so wie „sich einmischen, Mehrarbeit machen und noch dazu Geld dafür kassieren.“
  • Moderne Systeme mit IT-Unterstützung verstärken diese Probleme, da die persönliche Kommunikation untergeht.
  • Als Betroffener erhält man ein Mail mit einer Idee, was in seinem Bereich verbessert werden soll. Das wird oft als Kritik missverstanden und erzeugt Ärger.
  • Des Weiteren betreffen Ideen aus dem „Büro“ oft Veränderungen, die nicht von Maschinen sondern von Menschen umgesetzt und getragen werden müssen. Und diese Veränderungen sind bekanntlich schwieriger.

Fakt ist, dass Ideen für die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen unverzichtbar sind. Ideenmanagement verdient noch mehr Bedeutung, und vor allem ein Umdenken in den Managementprozessen im Umgang mit den Ideen.

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    2 thoughts on “Ideenpotentiale werden trotz systematischem Ideenmanagement nicht ausgeschöpft

    1. innokaan

      Wie wahr, wie wahr! Wer eine Idee hat, auf den kommt zuerst einmal zusätzliche Arbeit zu. Deshalb die vorerst ‚abwartende‘ Haltung. Firmenintern wird es ähnlich wie ‚draußen‘ sein. Du musst von deiner Idee ‚besessen‘ sein, sonst wird es weder dort noch da etwas mit der Innovation. Auch regelmäßige Ideenrunden, bei denen Ideen eingefordert werden, helfen da wenig. Freiräume, in denen man ‚Gleichgesinnte‘ suchen kann, um mit ihnen gemeinsam einer Idee nachzuhängen, sind da schon eher von Nutzen.

    2. Sebastian

      Meiner Meinung nach müssen Mitarbeiterideen von Unternehmensseite her noch mehr Wertschätzung erfahren. Es soll dabei kein Tabu mehr sein, seine Vorschläge mit einzubringen. Vielmehr sollte die Firma dazu ermuntern Ideen offen vorzutragen. Im Endeffekt hilft es alle. Die Firmen können Kosten senken und Mitarbeiter tragen direkt etwas zur Arbeitsplatzsicherung bei.

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