Der Schwarm ist dumm und nicht intelligent!

Heißt es nicht die Weisheit der Vielen und Schwarmintelligenz? Und dann kommt ein Buch mit dem irritierenden Titel „Schwarmdumm“ von Gunter Dueck. Er behauptet darin, dass wir als Einzelner klug sind, aber als Team oder Unternehmen sind wir dumm. Dort agieren wir so, wie wir als Einzelner nicht arbeiten wurden.

Kennen Sie nicht auch diese Situation? Jeder weiß, was im Unternehmen schief läuft und was unbedingt verändert werden muss. Da können Sie mit jedem Kollegen sprechen und alle sind sich einig, was nicht funktioniert. Und trotzdem ändert sich nichts. Trotzdem schafft es die Organisation nicht, sich zu verbessern?

Dabei habe ich doch immer behauptet: 1+1>2. Organisation leisten im Team mehr als die Summe der Einzelnen?

Gunter Dueck erklärt es in seinem Buch anhand der sechs blinden Männer und dem Elefanten. Sie untersuchen, was das ist und jeder nimmt etwas anderes wahr, weil jeder einen anderen Teil greift. Somit „sehen“ sie nicht den Elefanten, also das Ganze. Und so ist es auch in Organisationen.

Mitarbeiter können nicht optimal zusammenarbeiten, weil jeder etwas anderes sieht. Jeder fokussiert sich auf seinen Teil und nicht auf das große Ganze. So entstehen Abteilungs- und Silodenken mit unterschiedlichen Interessen. Das Ganze, die gemeinsame Mission und Vision gehen aus den Augen verloren.

Man hört oft Schwarmintelligenz und die gibt es tatsächlich. Beispielsweise im Internet, das mit der 2.0-Welle und Open Source wesentlich dazu beigetragen hat, den Begriff zu prägen. Dort arbeiten dezentral verstreute Experten an einem gemeinsamen Problem. Im Zentrum steht der Sinn für das Ganze und das gemeinsame Ziel. Das Team besteht aus den besten und voll begeisterten Leuten. Doch diese Konstellation wird in Unternehmen immer seltener.

Eins sei dazu noch ergänzt. Die Wirtschaftskrise hat den Teufelskreis noch verstärkt. Existenzängste und Umsatzrückgänge haben viel Druck von oben ausgelöst. Ziele wurden erhöht, Ressourcen aber wurden gekürzt und der Aktionismus ist gestiegen. Durch die Über-Auslastung sind Chaos und Fehler gestiegen und damit auch die Mehrarbeit (mit vielen Ineffizienzen). Man hat mehr Fehler zu lösen, es bleibt keine Zeit für Ideen und Optimierungen und vor allem für die eigentliche Arbeit. Man spielt nur mehr Feuerwehr von einem Brandherd zum nächsten. Dann passen die Zahlen nicht, der Aktionismus nimmt noch mal zu. Und damit das Management nicht das Gefühl hat, die Kontrolle zu verlieren, steigern sie das Controlling und damit die Bürokratie.

Gunter Dueck hat dazu textlich eine lustiges Bild gemalt, das es auf den Punkt bringt: Alle liegen im Schützengraben, die Kugeln pfeifen vorbei und dann geht einer durch und fragt ab, ob jeder heute schon die Zähne geputzt hat.

Wenn das nicht zu Frustration, Verschwendungen, Schuldzuweisungen und vor allem Unproduktivität führt?

Aber nochmal zurück zum 1+1>2. Die Formel stimmt!

Doch nur, wenn das oben beschriebene nicht zutrifft. Das Management muss der Organisation als soziales System mit Menschen hohe Aufmerksamkeit schenken und Rahmenbedingungen entwickeln, wo Mitarbeiter gemeinsam am großen Ganzen arbeiten können. Die Leistungsfähigkeit der Organisation – die Organisation muss funktionieren. Dazu zählen zum Beispiel

  • eine gemeinsam geteilte Vision.
  • Vernetzung und Zusammenarbeit fördern und Silos abbauen.
  • Transparenz.
  • Anreizsystem für das Ganze und nicht Abteilungsziele.

Ein Team kann mehr leisten als ein Einzelner. Nur müssen die organisatorischen Rahmenbedingungen, vor allem die Führung, auch dazu beitragen, dass alle an einem Strang ziehen. Wie bei einem Orchester oder Sportteam. Die besten Sportler können einem Fussballteam nicht zum Sieg verhelfen, wenn das Zusammenspiel nicht funktioniert. Dann gewinnt das „schwächere“ Team mit der besseren Teamleistung und Teamgeist. Und genauso ist es mit Unternehmen und vor allem der Innovationsleistung!


Quelle & Inspiration: 

Schwarmdumm: So blöd sind wir nur gemeinsam, von Gunter Dueck, Campus Verlag, 2015

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One thought on “Der Schwarm ist dumm und nicht intelligent!

  1. Hannes Trogmann

    Vielen Dank für die Zusammenfassung.
    Sher gut geschrieben, wie schnell man sich doch in den wenigen Worten wiederfindet.
    Besonders schwierig wird die gemeinsame Vision, wenn diese nicht verinnerlicht wird und mit einigen internen Störfeuern zu kämpfen hat. Der Schweinehund namens „das haben wir schon immer so gemacht“ bzw. „ob das was gscheids isch, wir brauchen eigentlich wos gonz onders“ oder „des funktinoiert sowieso net, des mochma besser sou“ solange die vorherschen wirds mit 1+1>2 leider nichts.

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