10 Risiken und Fehler in Innovationsprojekten

By | 20. März 2017

VUCA! Nein, ich habe keinen Vogel und schreibe auch nicht Kordofanisch. Das Akronym VUCA bezeichnet die Welt, in der wir aktuell leben: Volatility, Uncertainty, Complexity and Ambiguity oder auf Deutsch:

  • Volatilität steht für Unbeständigkeit und hohe Schwankungen.
  • Unsicherheit beschert Disruptionen und macht Entwicklungen kaum vorhersehbar.
  • Komplexität und ihre Vielschichtigkeit, die Dinge komplizierter, dynamischer und immer weniger durchschaubar machen.
  • Ambiguität als die Vieldeutigkeit, die zu Missverständnissen und Fehlinterpretationen führen kann.

Und genau dieses Umfeld macht Raum für Innovation, aber macht Innovation auch zu einem schwierigen Unterfangen mit vielen Risiken. Hier sind 10 Gefahren, Fehler und Risiken, auf die man in Innovationsprojekten voll Argwohn achten soll und die unbedingt vermeiden werden müssen.

1. Festhalten an Finanzzahlen als Entscheidungsgrundlage

Jeder im Management will am liebsten Finanzzahlen, denn am Ende möchte man mit einer Innovation Geld verdienen. Doch Innovationsprojekte in den frühen Phasen mit monetären Zahlen zu bewerten ist eine Utopie und Zeitverschwendung. Wer kennt hier schon die Preise, die Kosten und die Absatzmengen, wenn man noch gar nicht weiß, wie das Produkt am Ende aussieht. Das sind alles Annahmen, die meistens genau so wahr sind wie die Geschichten von Terry Pratchett.

Es empfiehlt sich mit qualitativen Parameter zu arbeiten, die letztendlich eine Wirkung auf die finanziellen Erträge haben, zum Beispiel mit der Abschätzung der Marktattraktivität.

2. Fixieren auf Annahmen

Derselbe Fehler ist das Festhalten und Fixieren auf Annahmen, wie zum Beispiel über Kundenbedürfnisse, die Marktgröße oder die Konkurrenzsituation. Annahmen sind leider keine bewiesenen Fakten und können zu fatalen Fehlentscheidungen führen.

Hier setzen Methoden wie Design Thinking oder Lean Startup an. Annahmen werden zu Hypothesen und sofort in Form von einfachen Prototypen mit der Realumgebung, als dem Markt und Anwender, getestet. Dieser Prozess läuft wiederholend, bis alles klar ist. So werden Annahmen entweder zu Falschannahmen, die verworfen werden oder eben zu klaren Fakten.

3. Detailplanung von Beginn an

Wie oben beschrieben gibt es am Beginn keine Fakten sondern nur Glaube und Annahmen. Man kennt weder Ziel noch Weg im Detail und so muss der Plan im Laufe seines Lebens mindestens hundert Mal angepasst werden. Daher ist beim Start die Detailplanung eines Innovationsprojektes echter Schwachsinn und Zeitverschwendung.

Aber man darf nicht auf Planung verzichten. Am Beginn empfiehlt sich ein Grobplan zur Orientierung, der im Laufe der Zeit schrittweise detailliert wird, beispielsweise mittels Scrum.

4. Fehlende Produktstrategie

In den vorhergehenden Punkten wurde viel über Annahmen und Festlegungen am Innovationsprojektbeginn geschrieben, die in vielen Fällen falsch sind. Aber was man unbedingt braucht, ist Orientierung, daher erfordert es unbedingt eine Produktstrategie von Beginn an. Die Produktstrategie definiert die Zielgruppe, die Positionierung und Differenzierung, und vieles mehr.

Wie bei der Planung fehlen auch hier am Beginn die Details, um alles konkret zu definieren, daher ist das auch ein lebendiger Prozess. Am Beginn startet man mit einer groben Produktstrategie, die bis spätestens bei der Produktverfügbarkeit fix sein muss. An dieser Strategie orientieren sich alle Aktivitäten, die zum Erfolg der Innovation beitragen.

5. Festhalten an einer Lösung

Innovation erfordert Flexibilität. Genauso wie man sich nicht auf Annahmen oder Finanzzahlen fixieren soll, darf man auch nicht an einer Lösung festhalten, schon gar nicht in den frühen Phasen. Damit schließt man sich den Lösungsraum und damit die Chance, durch Zufall eine geniale Lösung oder gar die große Innovation zu entdecken.

Aus diesem Grund – ja, man darf sich auf eine Lösung fixieren, aber man muss sich immer den Raum offen lassen, um weitere Lösungen zu finden. Ein weiterer Ansatz ist das Denken in Jobs und Bedürfnissen und nicht in Lösungen. Das fördert ebenfalls die Ideenfindung.

6. Tote Pferde reiten

Innovationsprojekte kosten viel Zeit und Geld. Aufgrund der Unsicherheit und Ungewissheit gibt es viele Flops und oft erkennt man das Floppotential erst, wenn leider schon viel Geld geflossen ist. Vielen Unternehmen fehlt hier die Killerkultur, der Point-of-no-Return ist erreicht. Würde man das Projekt killen, würde man sich Versagen eingestehen. Daher werden oft diese toten Pferde weitergeritten.

Es erfordert in Unternehmen eine Killerkultur, damit versagende Projekte so schnell wie möglich gestoppt werden, und sie keine wertvollen Ressourcen mehr verschlingen. Das hängt sehr eng mit der Kultur des Scheiterns zusammen – Scheitern, dass einfach zu Innovation dazugehört, weil man eben Risiken eingeht und mit der Unsicherheit spielt.

Wer etwas zu lachen braucht, hier die Weisheit der Dakota-Indianer „Wenn Du entdeckst, dass Du ein totes Pferd reitest, steig ab!“, doch leider gibt es zu viele Gegenstrategien: https://www.kik-seminare.at/weisheit.htm 

7. Kein brennendes Team

Ein weiterer Fehler ist, wenn man das Innovationsprojekt einem Team auf das Auge drückt, das nicht für das Projekt brennt. Innovationsprojekte haben hohe Ansprüche an ihre Projektleiter, man muss viel kämpfen, überzeugen, Rückschläge einstecken können und wieder aufstehen, improvisieren, usw.

Darum braucht es einen Projektmanager und ein Team, das mit Herzblut für das Projekt kämpft und brennt. Sonst kann es relativ schnell gehen, dass mit einem Rückschlag das gesamte Projekt geschlagen ist.

8. Keine reservierten Ressourcen

Ein weiterer Erfolgsfaktor hier ist Management Commitment und so müssen neben der Unterstützung auch dedizierte Ressourcen für Innovation zur Verfügung stehen. Denn sonst lauert die Gefahr, dass das Tagesgeschäft immer vor geht und für Innovation keine Ressourcen überbleiben. Das führt zu langsamer Geschwindigkeit oder gar Stillstand. Daher muss das Management explizit für Innovation Ressourcen freigeben und reservieren.

9. Projekt endet mit Produktverfügbarkeit

Für viele ist ein Innovationsprojekt erledigt, wenn das Produkt für den Markt verfügbar ist. Derweilen fängt aber gerade hier die Knochenarbeit an.

Was glauben Sie, welche Produktneuheit erfolgreicher sein wird? Die, die auf einer mittelmäßigen Lösung beruht, aber perfekt vermarktet wird oder jene mit einer Top-Lösung aber mittelmäßigen Vermarktung? In den meisten Fällen hängt der Innovationserfolg von der Qualität des Innovationsmarketings ab. Daher muss es dem Management bewusst sein, dass sie auch hier einen Fokus darauf legen müssen und Ressourcen verfügbar machen müssen.

10. Beschleunigung durch Überspringen

Zeit spielt in Innovationsprojekten eine wichtige Rolle. Der Vertrieb macht Druck, weil der Markt schon nachfragt. Dem Management geht alles zu langsam. Man hat Angst, dass jemand zuvor kommt. Was soll man machen? Man überspringt einfach einen Schritt des sowieso zu langen und komplexen Innovationsprozesses. Total falsch! Denn jeder Prozessschritt hat seinen Grund und leistet einen Beitrag zum Ergebnis und der Qualität. Verzichtet man beispielsweise auf Analysen, kann das zu späteren Fehlentscheidungen führen.

Will man ein Innovationsprojekt beschleunigen, müssen Steh- und Wartezeiten eliminiert werden. Viel Zeit geht verloren, weil das Team auf Entscheidungen, Freigaben oder Zuarbeit wartet. Durch gute Planung und Interaktion kann das beschleunigt werden.

Fazit

Es gibt viele Gefahren und Risiken in Innovationsprojekten und damit viele Gründe für das Scheitern von Innovationen. Der beste Zugang ist, diese möglichen Risiken in Projekten immer mit hoher Aufmerksamkeit zu antizipieren, um rechtzeitig dagegen zu steuern.

Ein weiterer Risikoschutz ist die Anwendung von Methodik. Beispielsweise die Prinzipien von Design Thinking, Lean Startup oder Scrum helfen vieler dieser Risiken und Gefahren signifikant zu reduzieren.

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One thought on “10 Risiken und Fehler in Innovationsprojekten

  1. Peter Rochel

    Hervorragender Artikel! Methodenkompetenz ist sicher einer der Schlüssel. Oft lässt sich beobachten, dass dem/der in Wochenendseminaren oder Onlinkursen gebackenen Innovation Facilytator schlicht die praktische Erfahrung fehlt. Tolle Zertifikate gibt es dafür. Von diesen, noch Methodenunsicheren Moderartoren aber wird dann erwartet das einzige verfügbare Innovationsprojekt sicher umzusetzten. Es braucht eine mehrzahl an Projekten um die nötige Methodensicherheit zu erlangen. Alternativ: Sehr viel Disziplin. 1. Regel: Niemals in die erste Idee verlieben…. Sich bei den ersten Projekten doch lieber von Profis helfen lassen. Ansonsten heißt es oftmals „Super-Idee… machen wir auch nicht“

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