Leistet das Ideenmanagement einen Beitrag zu den wirklich relevanten Themen?

By | 18. Februar 2017

Letztens fiel mir ein interessanter Artikel aus dem Magazin Wissensmanagement (Ausgabe 1/17)[1] in die Hände. Das Ideenmanagement mit dem Ziel quer durch so viele Ideen wie möglich zu sammeln, läuft Gefahr nur ein Sammelbecken für viele Vorschläge zu werden. Denn die Frage ist, lösen diese Ideen die tatsächlichen Probleme und Herausforderungen eines Unternehmens? (Quelle)

Falscher Fokus auf die Ideenquantität?

Viele versuchen so viele Ideen wie möglich zu sammeln und das vor allem aus zwei Gründen:

Einer ist innovationstechnisch: Denn ganz nach dem Motto „Man benötigt 100 Ideen für eine Erfolgreiche“ sollte man so viele Ideen wie möglich sammeln.

Der weitere ist nicht so legitim, nämlich aufgrund der Kennzahl „Anzahl der eingereichten Ideen“. Populär, aber eigentlich ein Schwachsinn, wenn man betrachtet, dass jede eingereichte Idee auch mit einem Aufwand verbunden ist und Kapazitäten bindet, vor allem für die Bewertung. Doch es ist für viele ein Indikator für die Lebendigkeit des Ideenmanagements.

Haben die Ideen Problem- und Zukunftsrelevanz? – Problemfokussiertes Ideenmanagement

Der Frage, der der oben genannte Artikel nachgeht, ist, ob die Ideen aus dem Ideenmanagement tatsächlich Relevanz haben, ob sie wirklich die elementaren Probleme lösen oder nur ein Sammelsurium von allem und nichts sind. Das Fazit ist, dass ein Ideenmanagement problemfokussiert sein soll und die Erkennung und Bearbeitung von Problemen im Vordergrund stehen soll.

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Was heißt das für die Praxis …

Aus meiner Sicht sollte man trotzdem die Offenheit wahren, den Zufall zulassen, denn so findet man auch die Weltideen, nach denen man nie gesucht hätte. Und in der Evaluierung wird dann geprüft, ob die Idee Problem- und Zukunftsrelevanz hat.

Doch mit der Orientierung an aktuellen und zukünftigen Herausforderungen und Problemen gewinnt ein Ideenmanagement, das in vielen Unternehmen ohnehin nur mehr verstaubt, wieder an Relevanz. So kann jeder im Unternehmen auch das Wissen und die Erfahrungen der Crowd nutzen, um an eigenen Aufgabenstellungen zu arbeiten.

  1. Probleme werden wie Ideen gesammelt, jeder kann ein Problem einreichen.
  2. Jeder kann Ideen und Lösungen vorschlagen.
  3. Der Owner, der für die Lösung des Problems verantwortlich ist oder die Macht und Möglichkeit für die Umsetzung hat, wählt die für ihn sinnvollsten Ideen aus und leitet die Umsetzung ein.

Ein weiterer Vorteil ist, dass diese Prozesse relativ simpel sind und diese Initiativen schon sehr einfach mit Standardwerkzeugen wie jenen von Microsoft Sharepoint umgesetzt werden können.

Ein Nachteil oder besser die Herausforderung ist die Problemkultur. Man muss bereit sein, Probleme zu erkennen, sie zuzugeben, sie zu veröffentlichen, dahinter zu stehen und auch Ideen und Lösungen aus anderen Bereichen akzeptieren. Das hat in vielen Köpfen noch wenig Platz. Denn Probleme assoziieren viele noch negativ und verbinden es mit persönlichen Schwächen. Hier hinken viele Organisationen noch hinten nach.

Problem- und Zukunftsorientierung ist Strategiearbeit

Im Innovationsmanagement wird diese Problem- bzw. Zukunftsorientierung schon sehr klassisch gelebt. Im Zuge eines Innovationsstrategieprozesses werden Suchfelder durch die Analysen von Stärken, Schwächen, Trends, etc. definiert. Auf deren Basis werden dann die Ideen gesammelt.

Im Ideenmanagement haben dieses Potential schon viele erkannt, doch kenne ich wenige, die es auch so erfolgreich umgesetzt haben. Dabei ist es technische und organisatorisch kaum eine Herausforderung, denn diese Tools gibt es schon seit dem ersten Hype des Wissensmanagement. Aber es ist eben ein Kulturthema.

Aber auf der anderen Seite kann man das problemorientierte Ideenmanagement auch anders leben, wie es jede Organisation tut. Denn hat jemand ein Problem oder Herausforderungen, wird ein Workshop mit den internen Experten initiiert um Lösungen zu sammeln.

Das Allerwichtigste ist, dass Probleme und zukünftige Herausforderungen frühzeitig erkannt, bearbeitet und gelöst werden. Dabei zählt die Qualität der Arbeit und Lösung ganz im Sinne einer Lernenden Organisation. Ob mit einem Ideenmanagement oder Wie ist am Ende egal!


[1]  Bedenk Stephan, Popp Marie: Das Ideenmanagement auf der Suche nach Problemlösungen; in: Wissensmanagement Magazin 1/2017

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2 thoughts on “Leistet das Ideenmanagement einen Beitrag zu den wirklich relevanten Themen?

  1. Hans Sailer

    Liebe Maria,
    Vielen Dank für die Behandlung dieses Themas und Deine Zusammenfassung, die ich gerne um ein paar Ideen anreichern möchte:
    Das Community Management ist, so wie eine geschmeidige Plattform (das Ideen-/Innovations-management) entscheidend! Jene, die die Plattform betreiben sollten im Unternehmen bestens vernetzt sein und Ideen/ Probleme auch an die richtigen Personen im Unternehmen weiterleiten und dadurch den Output erhöhen. „Jeder wünscht sich die beste Hebamme für sein Baby“.
    Werden Ideen in Kategorien abgelegt, so ist dieser Pool nicht nur Inspirationsquelle für neue Entwicklungen (meist ist die darauffolgenden Projektarbeit/ Konzepterstellung ja das Ergebnis einer Kombination aus mehreren Ideen), sondern ein Ideenspeicher, der es dem Unternehmen ermöglicht nicht immer bei Null beginnen zu müssen. Viele Ideen sind oft noch nicht reif, werden aber durch Anreicherung anderer oder durch technologischen Fortschritt nach einiger Zeit umsetzbar.
    Firmen, die dieses Thema ernst nehmen und verstehen solche Systeme optimal zu nutzen haben entscheidende Vorteile (z.B Entstehung von Car2go bei Daimler). Das „golden nugget“ zu finden, zu entwickeln ist aber kein Selbstläufer – das Ideenmanagement hilft aber zweifellos jenen, die die Hebammen Arbeit verrichten sollen.

  2. Nils Landmann

    Liebe Maria,
    ein guter Beitrag, den wir nur unterstreichen können. Im Kontext ob das Ideenmanagement einen wichtigen Beitrag zu den relevanten Themen leistet stellt sich gleich die Frage nach den Zielen des Ideenmanagements.
    Interessanterweise haben nur rund ein Drittel der Unternehmen im deutschprachigen Raum überhaupt Ziele für Ihr Ideenmanagement definiert (s. hierzu auch mein Blogbeitrag unter http://blog.hlp.de/ideenmanagement/ziele-im-ideenmanagement).
    Um auf Deine Frage zu antworten: Nein, unserer Erfahrung nach leistet das Ideenmanagement keinen wichtigen Beitrag zu den relevanten Themen des Unternehmens und „existiert so vor sich hin“. Hier ist dringender Handlungsbedarf bei der Mehrzahl der Unternehmen angesagt. Andernfalls Ein klare, messbare Zieldefinition für das Ideenmanagement und eine Ausrichtung an der Unternehmenstrategie ist ein klarer Erfolgsfaktor.
    Andernfalls muss man sich als Ideenmanager auch nicht wundern, wenn dem eigenen Thema keine Beachtung geschenkt wird und das Ideenmanagement – in dem Fall dann auch zu Recht – an Bedeutung verliert und im Unternehmen kritisch betrachtet und in Frage gestellt wird.

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