Wie schwierig ist es, eine gute Produktidee zu entwickeln? – Ideenfindung mit Airbnb, FC Bayern und IKEA.

By | 2. Februar 2017

Gastbeitrag von und mit Graham Horton, www.zephram.de/blog/

(Die Antwort gleich vorweg: Es ist gar nicht schwer – vorausgesetzt, man kennt eine gute Ideenfindungsmethode! Und es geht nicht um das Kopieren von Ideen.)

Der Innovationsmanager braucht regelmäßig Anregungen für neue Produkte und für Produktverbesserungen um die Innovationspipeline zu füllen. Dafür hat er viele Möglichkeiten, Methoden und Quellen. Zum Beispiel kann er Ideenworkshops in seinem Innovationsprozess einplanen, bei denen die Kollegen und Kolleginnen von einem Moderator angeleitet werden. Ein solcher Ideenworkshop dauert typischerweise einen Tag und produziert je nach Schwierigkeitsgrad eine bis drei hochwertige Idee(n) pro Teilnehmer.

Eine Ideenfindungsmethode– Analogien und Lernen von den Leadern

Wer eine gute Business-Allgemeinbildung hat und regelmäßig die Wirtschaftsmedien liest, kann schon mit einem sehr einfachen Hilfsmittel Produktideen entwickeln. Es besteht lediglich aus einer Liste von Unternehmen, die als Inspiration dienen. Kreativität besteht bekanntlich aus der klugen Kombination verschiedener Gedanken; in diesem Fall kombinieren wir einfach interessante Merkmale fremder Produkte und Geschäftsmodelle mit den eigenen Angeboten.

Zephram hat eine lange Liste von Unternehmen entwickelt, aus der man für jeden Workshop eine maßgeschneiderte Auswahl treffen kann. Die ersten sechs Einträge in dieser Liste sind:

  1. Airbnb
  2. Airbus
  3. Aldi
  4. Allianz
  5. Amazon
  6. Audi

Die Ideenfindungsmethode besteht aus drei einfachen Schritten:

  1. Wähle ein interessantes Unternehmen aus der Liste und denke an dessen Angebot.
  2. Zähle so viele Eigenschaften oder Besonderheiten dieses Angebotes auf wie du kannst.
  3. Versuche, diese Eigenschaft bzw. Besonderheit auf deine eigene Situation anzuwenden.

Das Ganze wiederholt man, so oft man will. Im Workshop betreibt man die Methode meistens nur 30 Minuten lang; danach werden die Teilnehmer müde und sie brauchen eine Abwechslung.

Diese Kreativitäts- und Ideenentwicklungsmethode ist eine gute Mischung aus Querdenken, Arbeiten mit Analogie und Cross-Industry-Innovation.

Obwohl diese Methode so einfach ist, funktioniert sie erstaunlich gut und kommt sehr gut an. Graham hatte beispielweise ein Baustoffunternehmen, das eine Idee beim Spielehersteller Ravensburger entdeckte, einen Gesundheitsversorger, der bei McDonalds fündig wurde und einen Werkzeugmaschinenhersteller, der eine Anregung von einer IKEA-Küche bekam.

wordcloud

Beispiele

Typische Beobachtungen aus den ersten sechs Einträgen in der Unternehmensliste sind:

  • Airbnb: Hilft seinen Kunden, ihre eigenen Angebote zu vermarkten.
  • Airbus: Bietet sehr viele Konfigurationsmöglichkeiten.
  • Aldi: Verkauft sowohl eigene als auch fremde Marken.
  • Allianz: Hat ein Produkt für nahezu jede Lebenslage.
  • Amazon: Hat einen außerordentlich komfortablen Bestellprozess.
  • Audi: „Intelligente“ Scheinwerfer passen den Lichtstrahl an die Fahrsituation an.

Solche Beobachtungen sind nicht immer direkt auf die eigene Situation übertragbar. Sie regen aber hilfreiche Fragen an, zum Beispiel bei Airbus:

  • Welche Produktvariationen würden den Bedürfnissen unserer Kunden besser entsprechen?
  • Gibt es ein Kundensegment, für das sich unser Produkt nicht gut eignet?
  • Sollten wir unser Produkt in Basic-, Classic- und Pro-Versionen anbieten?
  • Welche Elemente unseres Produktes könnten wir größer/kleiner/anders/… gestalten?
  • Wie würde ein Konfigurator für unser Produkt aussehen?

Praxistipps

Natürlich wird nicht jede Eigenschaft in jeder Situation anwendbar sein. Falls nach einer kurzen Nachdenkzeit keine Idee entstanden ist, geht man einfach zur nächsten Beobachtung über. Die Trefferquote muss gar nicht hoch sein, denn die Methode läuft schnell, und die Anregungen gehen nie aus.

Damit die Methode gut funktioniert, müssen ein paar Voraussetzungen gegeben sein:

  • Die Gruppe kennt das jeweilige Unternehmen.
  • Die Gruppe bringt die Bereitschaft mit, die Übertragung von der fremden Firma auf die eigene zu wagen – auch dann, wenn es absurd wirkt oder das Ergebnis unmöglich klingt.
  • Wenn der Gruppe nichts einfällt, muss der Moderator spontane Vorschläge bringen können. Dazu muss er die Unternehmen in seiner Liste auch sehr gut kennen.

Die Methode kann man auch alleine am Schreibtisch anwenden. Dafür gibt es eine noch kompaktere Variante, nämlich die schlichte Frage, „Was würde X an unserer Stelle tun?“ Für X setzt man ein Unternehmen aus der Liste ein. Mit ein bisschen Übung funktioniert das schon recht gut. Einfach mal Ausprobieren!


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