Die Methode „Lean Startup“ im Innovationsprozess

By | 31. Dezember 2016

Hört man Lean Startup denken viel nur an Startups oder Lean Management und nicht an den Innovationsprozess in etablierten Unternehmen. Dabei ist die Methode genau hier perfekt.

Die Methode stammt von Eric Ries, selbst Gründer, der sie aufgrund seiner Erfahrungen mit den Lean Management Prinzipien in Startups entwickelt hat.

In seinem Buch definiert er ein Startup als eine menschliche Institution, die ein neues Produkt oder eine Dienstleistung in ein Umfeld extremer Ungewissheit entwickelt. Das können tatsächlich Jungunternehmer sein, aber auch große Konzerne.

Dazu bringt er die Lean Management Prinzipien ein, wobei es vor allem um die Eliminierung der Verschwendung von kostbaren Ressourcen geht. Etwas, das sich jeder wünscht, denn Zeit ist die wertvollste Ressource.

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Quelle: Innovationsprozess (eigene), Lean Startup (in Anlehnung an Eric Ries)

Kritik an traditionellen Innovationsprozessen

Innovationsprozesse (zumindest wie ich sie erlebt haben) hatten immer das Prinzip mit einem linearen Ablauf von

  • Marktforschung
  • Konzept
  • Prototypenentwicklung mit funktionalen Tests
  • Markttest

Die Kritik ist, dass man die Kunden und Nutzer am Beginn berücksichtigt, indem man intensive Marktstudien und Recherchen macht. Auf Basis dieser Erkenntnisse wird ein Produkt entwickelt. Das Produkt wird zwar iterativ auf seinen Funktionen getestet, aber Marktfeedback wird erst am Ende der Entwicklung geholt. Gründe sind weil

  • man als etabliertes Unternehmen nicht mit halbfertigen Produkten auf den Markt auftreten und damit seinem Image schaden möchte;
  • es könnte schon als Veröffentlichung gelten und somit nicht mehr patentierbar sein; und
  • man die Entwicklung vom Wettbewerb geheim halten möchte und keine Informationen in Richtung Konkurrenz gelangen lassen will.

Doch das Problem ist, dass man sich am Ende schon in einem Korsett befindet und an der Entwicklung nicht mehr viel ändern kann.

Weiters hat man meist schon hunderte Stunden und zig Zehntausende Euros investiert. Man hat sich auf eine Lösung eingefahren und damit verliebt, und so möchte man die Spur nicht verlassen und große Änderungen machen.

Aber es kann sich tatsächlich herausstellen, dass trotz Marktforschung am Beginn am Ende der Kunde und Markt das neue Produkt nicht will und braucht. Grund ist weil man sich auf Annahmen verlassen hat und das sind nun mal Vermutungen und keine Tatsachen.

Definition der Methode Lean Startup und ihre Vorteile

Statt sich in der Black-Box befindend vielschichtige Pläne auf Basis ungesicherter Annahmen zu entwickeln, nutzt man die Lean Startup Methode als einen Lernprozess.

Es geht darum, so schnell wie möglich herauszufinden,

  • was man anbieten soll,
  • was die Kunden wollen und
  • wofür sie bereit sind wie viel zu zahlen.

Lean Startup ist eine iterative Methode. Ganz oben steht die Vision als langfristiges Ziel zur Orientierung.

Man hat eine Produktidee und einen Business Plan. Auf Basis der Idee entwickelt man einen Prototyp. In Innovationsvorhaben gibt es immer Annahmen. Hier sollen die risikoreichsten Hypothesen herausgegriffen und geprüft werden.

Man entwickelt das Minimum Viable Product (MVP). Es ist ein Produkt mit den minimalsten Anforderungen und Eigenschaften, um die Hypothesen zu prüfen. Dahinter steckt auch der Lean-Gedanke, nur das zu machen, was nötig ist und keine Zeit und Geld verschwenden.

Dieses MVP testet man mit zukünftigen Kunden, um möglichst schnell Feedback zu erhalten und zu lernen. Bei den Tests geht es vor allem um das Prüfen

  • auf Bedarf und Kundennutzen,
  • der Preisbereitschaft und
  • der Differenzierung zur Konkurrenz.

Die Erkenntnisse aus diesem Lernprozess fließen wiederum in die Produktidee ein und es geht in die nächste Runde des Prototypentests. Diese Schleife wiederholt sich bis der Prototyp fertig und getestet ist.

Die großen Vorteile von Lean Startup sind

  • Risikoreduktion,
  • Geschwindigkeit, und
  • Eliminierung von  Verschwendungen.

Alles Ziele und Wünsche, die jeder als Innovationsverantwortlicher hat, oder? Wer will schon nicht schnell, kostengünstig und erfolgreich sein. Daher lohnt es sich voll und ganz, die Prinzipien der Methode für sich zu adaptieren und zu nutzen!

Und abzuwägen, schon früher auf den Markt zu gehen. Denn lieber ein erfolgreiches Produkt, wo zwar die Konkurrenz schon die Lunte gerochen hat, als eine geheime Entwicklung, die dann erfolglos bleibt.


lean-startup-buchBuchempfehlung: LEAN STARTUP. Schnell, risikolos und erfolgreich Unternehmen gründen von Eric Ries (2014)

Der Titel ist etwas irritierend, denn die Methode ist genauso für Innovationen in bestehenden Unternehmen anwendbar und das Buch bringt viele Inspirationen und Innovationen für das Innovationsmanagement.


 

Lean Startup ist auch Teil der 88 Kreativitäts- und Innovationstools.

88Kit - Titel

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