Pitching Contests als Innovationsmethode

By | 11. Dezember 2016

Pitching Contests sind Wettbewerbe, wo jeder Mitarbeiter seine Idee einbringen und vorstellen kann. Sie werden vor einer Jury und vor Mitarbeitern kurz vorgestellt, dann werden die besten Ideen nominiert. Vom Prinzip her kann die Methode zur Innovationsfindung für Unternehmen jeder Art angewendet werden.

Definition „Was ist ein Pitch?“

Der Begriff stammt eigentlich aus dem Umfeld der Werbeagenturen, wo die Agenturen ihre Ideen vor dem Auftraggeber gepichted haben. Dabei traten sie gegen andere Agenturen an, um mit der besten Idee den Auftrag zu ergattern.

Der Begriff hielt auch Einzug in die Startup-Welt, wo Gründer vor Investoren ihre Geschäftsideen gepichted haben, um Geld zu erhalten. Nun finden sich Pitches auch in der Innovationswelt der Unternehmen.

Das Besondere an einem Pitch ist, das Wesentliche einer Idee in einer sehr begrenzten Zeit (30 bis 120 Sekunden) zu präsentieren. Das ist die Herausforderung. Bekannt ist der Elevator Pitch, wo man in sehr kurzer Zeit (quasi der Dauer einer Aufzugsfahrt) mit seiner Idee überzeugen muss.

Ein typischer Innovation Pitch

Die wesentlichen Inhalte eines Innovation Pitches sind …

Für [Zielkunden], der [Kundenbedürfnis / Problem] hat,
ist [das Produkt] im [Zielmarkt],
das [Hauptnutzen] bietet.
Im Gegensatz zur [Konkurrenz] bietet das Produkt [Alleinstellungsmerkmal].

Die Satzstruktur ist jetzt nicht ganz „deutsch“, aber es geht um die Struktur und die Inhalte.
Weitere Inhalte können auch das Team und das Geschäftsmodell sein.

Hier ein interessanter Artikel zum Pitchen von Brutkasten: https://www.derbrutkasten.com/a/pitch/

Pitching Contests in Unternehmen

Pitching Contests sind Initiativen in Unternehmen um an Ideen zu kommen. In jedem Mitarbeiter schlummern Ideen. Anstatt dass Mitarbeiter sie in ein Ideensystem einreichen und warten, was passiert, konkretisieren sie die Idee und präsentieren sie als Pitch vor einer Jury.

Zweck von Pitching Contests ist

  • Mitarbeiter für Innovation zu mobilisieren,
  • an Ideen zu kommen,
  • die Ideen lebendig zu diskutieren, und
  • gute Ideen in den Innovationsprozess überzuleiten.

Gestaltungsmöglichkeiten von Pitching Contests

Es gibt sehr viele Varianten und Optionen, um eine Pitching Contest zu gestalten. Man kann den Contest ganz einfach an die Anforderungen der Unternehmen anpassen, sodass das Werkzeug für jede Organisation, egal wie groß oder alt oder welcher Markt bedient wird, ihren Nutzen hat.

1.  Themenfokus oder thematisch offen

Der Fokus und die Eingrenzung auf ausgewählte Themen hat natürlich den Vorteil, dass wahrscheinlich mehr Ideen kommen. Denn bei einem Kreativitätsworkshop entstehen auch mehr Ideen, wenn man sich thematisch fokussiert als wenn man nur fragt „Welche Ideen gibt es?“.

Durch Themenschwerpunkte kann man gezielt nach Ideen entsprechend zum Beispiel der Innovationsstrategie suchen.

Das kann aber natürlich auch ein Nachteil sein, denn wenn der Contest offen ist, erhält man auch Ideen, mit denen man nicht gerechnet hätte und somit eröffnen neue Möglichkeiten.

2. Einreichung als Einzelperson oder Team

Teampitches haben ihre Vorteile, weil ein Team auch stärker mobilisieren kann und weil Teamergebnisse immer eine höhere Qualität aufweisen.

3. Jury zur Ideenbewertung

Die Jury kann mit dem Top Management und internen oder auch externen Experten besetzt sein. Externe Experten einzubinden ist heikel zu betrachten, da damit auch Informationen nach außen gehen können.

Man kann auch die gesamte Belegschaft bzw. die teilnehmen Zuhörer als Crowd einbinden und über die Ideen abstimmen lassen.

Eine weitere Alternative wäre, dass sich um die Ideen Teams bilden sollen, die die Idee weiter bearbeiten möchten. Bildet sich um eine Idee kein Team, ist klar, dass die Idee keine positive Resonanz findet und sie damit ausscheidet.

4. Bearbeitung der Ideen

Wird eine Idee von der Jury freigegeben, muss etwas damit passieren. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Die Idee kommt in die Innovationspipeline, es wird ein Innovationsteam gebildet und ein Projekt gestartet. Somit werden die bestehenden Innovationsstrukturen und Prozesse genutzt.
  • Der Ideengeber wird von seinem Job zum Teil oder ganz freigestellt, wird Projektleiter und baut sich ein Team auf.
  • Oder es gibt ein Corporate Venturing Programm, wo der Ideengeber ebenfalls freigestellt wird und in ein Innovationsteam integriert wird. Dort erhält er die notwendigen Ressourcen und Unterstützung, um die Geschäftsidee auszuarbeiten.

5. Preise und Anerkennung

Es gibt verschiedene Möglichkeiten die Gewinner des Pitchings zu belohnen. Entweder gibt es einen Sach- bzw. Geldpreis oder man bedient sich eines immateriellen Preises und der Ideengeber darf seine Idee ausarbeiten. Ob das für jemanden ein Preis ist oder nicht, ist natürlich personenabhängig. Es gibt sicherlich auch Mitarbeiter, die wollen die Idee nicht selbst umsetzen und in ihrem aktuellen Job bleiben.

Öffentliche Anerkennung der Gewinner durch das Management hat eine enorme Wirkung als Motivationswerkzeug, aber auch um andere Mitarbeiter für Innovationen zu bewegen.

Ablauf eines Pitching Contests

Ein Pitching Contest ist relativ einfach umzusetzen und bindet nicht allzu viele Ressourcen. Was es aber auf jeden Fall braucht, ist Management Commitment von ganz oben und auch quer durch alle Ebenen, dass die Mitarbeiter von ihren Chefs motiviert und unterstützt werden, mitzumachen.

  1. Schritt: Ausschreibung und Bewerbung, breite Kommunikation und Mobilisierung durch alle Ebenen.
  2. Schritt: Sammlung von Einreichungen
  3. Schritt: Pitching Training für die Einreicher um
    – die Idee auszuarbeiten.
    – den Pitch zu entwickeln und zu üben.
    – sich auf die wesentlichen Fragen vorzubereiten.
  4. Schritt: Pitching Contest
    – Pitch
    – Fragen durch die Jury und Diskussion
    – Feedback durch die Jury
  5. Schritt: Bewertung der Ideen und Nominierung der Gewinner
  6. Schritt: Preisverleihung
  7. Schritt: Überführung der Ideen in die Bearbeitung und Umsetzung

Vorteile und Risiken von Pitching Contests

Pitching Contests haben viele Vorteile für ein Unternehmen und eine starke positive Wirkung auf die Innovationskultur und die Innovationsleistung.

  • Zugang zu ausgearbeiteten Ideen.
  • Sensibilisierung und Mobilisierung der Mitarbeiter für Innovation.
  • Diskussion beim Pitch ist belebend für die Ideen, die Mitarbeiter erhalten direktes Feedback.
  • Breite Wirkung im Unternehmen.
  • Wirkung durch sichtbare Beteiligung des Managements.
  • Spaß und erzeugt positive Emotionen bei Mitarbeiter.
  • Wenig Aufwand, z.B. braucht man kein IT-Tool wie bei einem Ideenwettbewerb.

Auf der anderen Seite gibt es auch Risiken, denen man sich stellen muss:

  • Der Pitching Contest stößt auf wenig Resonanz, niemand reicht ein bzw. gibt es nur wenige Einreichungen. Dann muss man unbedingt hinterfragen „warum“ und eventuell nochmals kräftig die Werbetrommel rühren.
  • Bloßstellungen und Beleidigungen (wie bei so manchen 120-Sekunden-Shows) von Mitarbeitern müssen unbedingt vermieden werden. Ein wertschätzender Umgang bei den Pitches ist sehr wichtig.
  • Es passiert nichts mit den Ideen, was Unglaubwürdigkeit und Frust auslösen kann. Dann hat der Pitching Contest dem Unternehmen letztendlich nur Schaden zugefügt.
  • Keine Konkurrenz zu anderen Innovationsinitiativen erzeugen, z.B. Harmonie mit dem Ideen- bzw. Innovationsmanagement.

Fazit

Pitching Contests sind sehr einfach umzusetzen und haben eine sehr starke Wirkung. Man kann sie jederzeit wiederholen und gar institutionalisieren. Wichtig ist, dass man die Risiken beachtet und dass die Pitching Contests in das bestehende Innovationssystem und Unternehmenskultur passen.

Hier finden Sie weitere Innovationsmethoden: 88 Kreativitäts- und Innovationstools.

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