Wie die Digitalisierung das Innovationsmanagement verändert

By | 30. November 2016

Die Digitalisierung rund um Big Data, Industrie 4.0, Internet of Things, Smart Irgendwas oder künstliche Intelligenz ist im Moment in aller Munde. Man findet sie auf allen Konferenzprogrammen und auch auf allen Management-Agenden. Laut einem Brandeins-Artikel sagen 70% der deutschen Vorstandsvorsitzenden, dass die digitale Transformation die wichtigste Herausforderung ist. Und das hat auch eine Auswirkung auf das Innovationsmanagement, was mich als Innovationsmanager natürlich freut, denn damit ist auch dessen Priorität gestiegen.

digitalisierung

Die Digitalisierung als Innovationstreiber und Innovationsbeschleuniger

Die Digitalisierung ist ein gewaltiger Innovationstreiber. Startups, die innerhalb von wenigen Jahren Millionen verdient haben und neue Innovationen, die in kurzer Zeit ganze Branchen durchgerüttelt haben, beweisen das riesige Innovationspotential.

Zudem hat sich auch die Innovation beschleunigt, da neben all den anderen beschleunigten Faktoren in unserer wandelnden Zeit digitale Produkte relativ schnell auf den Markt gebracht werden können. Im Vergleich zu Hardware – also alles was ein greifbares Produkt ist –  …

  • brauchen digitale Produkte keine Investitionen in Maschinen.
  • müssen die Produkte nicht voll ausgereift sein und können aufgrund von Marktfeedback schnell angepasst werden. Es gibt auch keine Hürden hinsichtlich Produkthaftungs- und Gewährleistungsgesetze, die ein voll ausgereiftes und sicheres Produkt verlangen.
  • bringen sie wesentlich niedrigere Risiken mit sich.

Die Digitalisierung steigert die Innovationsbereitschaft

Früher hat man weniger über disruptive und radikale Innovationen gesprochen und hat sich eher auf die inkrementellen Innovationen konzentriert.

Jetzt fällt bei fast jedem Innovationsgespräch das Wort „disruptiv“. Viele setzen es mit einer großen, störenden Innovation gleich. Tatsächlich meinte Clayton Christensen damit Innovationen, die in Low-End und in unattraktiven Branchen starten, sich weiterentwickeln, dann fast unerwartet auf andere Märkte überspringen und die lukrativen Geschäfte der Großen fressen.

Das Phänomen gibt es schon lange, allerdings wird es durch die Digitalisierung wahrscheinlicher und schneller (z.B. siehe Airbnb). Aus Angst kannibalisiert zu werden, kannibalisiert man sich lieber selbst. Damit ist Offenheit für radikale, verrückte und außergewöhnliche Themen sehr gestiegen. Das hat auch einen Einfluss auf die Innovationskultur, die Enabler ist und die man wieder bewusst positiv verändern möchte.

Durch die gestiegene Innovationsbereitschaft ist auch das Thema Geschäftsmodell an der Tagesordnung, das gravierende Einschnitte in das eigene Geschäft bringen kann. Ein Geschäftsmodell ist die Logik, mit der ein Unternehmen einen Kundennutzen liefert und Geld verdient.

Startups als Innovationsquelle

Die Digitalisierung hat Millionen Startups aus der Erde sprießen lassen. Die Jungs und Mädels haben die verschiedensten Ideen und Know-How zu den Technologien. Dieses Potential haben etablierte Unternehmen erkannt.

Startups liefern Zugang zu Ideen, Technologien und Innovationen. Sie sind agil und schnell in der Umsetzung. Und sie bringen den notwendigen Innovations-Spirit mit, der in großen Unternehmen oft schon ausgeblasen ist.

In der Zusammenarbeit ergeben sich Synergien. Die Unternehmen bekommen Innovationen, die Startups bekommen Ressourcen, Kapital oder Zugang zum Markt. So boomen die verschiedensten Challenges, wo Unternehmen auf die Jagd nach Startups gehen.

Zu diesem Thema gibt es einen sehr guten Artikel auf brandeins „Sag mal, … kannst du mir helfen? Konzerne wären sooo gern wie Start-ups. Warum nur?“:
https://www.brandeins.de/archiv/2016/vorbilder/hype-start-up-kultur/

Darin wird die Zusammenarbeit zwischen Startups und den Großen kritisch beleuchtet, auf Probleme eingegangen und die Unterschiede herausgearbeitet. Und: Irgendwann wird auch mal ein Startup groß …

Spielraum durch ausgelagerte Innovationseinheiten

Ambidextrie ist die Beidhändigkeit. Auf der einen Seite mit Perfektion das Tagesgeschäft ausschöpfen, auf der anderen Seite neue Themen zu erobern. Studien und auch die Praxis aber haben gezeigt, dass sich Unternehmen mit beidem gleichzeitig schwer tun.

Um wirklich innovatives zu ermöglichen, gründen immer mehr Unternehmen eigenständige Innovationseinheiten. Sie sind vom Daily Business abgedockt. Damit erzeugt das bestehende Geschäft keine Denk- und Innovationsbarrieren und das Tagesgeschäft frisst keine wertvollen Innovationsressourcen.

Neue Innovationsmethoden: agil, iterativ und user-zentriert

Der Startup-Boom hat auch neue Arbeitsweisen mit sich gebracht. Startups arbeiten nicht mit Stage-Gate. Es dominieren agile und iterative Prozessmodelle, wie Scrum, Lean Startup oder Design Thinking, die es ermöglichen schrittweise und schnell zum perfekten Produkt zu gelangen.

Dabei spielen der Kunden und Nutzer die wichtigste Rolle. Bei Methoden wie Design Thinking ist das wichtigste den User und seine Anforderungen zu verstehen. Hier kommen viele empathische Methoden zum Einsatz. Dieser als „User-zentriertes Design“ bekannte Approach ist vor allem bei digitalen Produkten relevant. Es geht darum, eine einzigartige Interaktion zwischen dem Nutzer und dem Produkt zu erzeugen – dem Experience, also Erlebnis.

Ein weiterer Erfolgsfaktor vor Lean Startup oder Design Thinking ist, die gefunden Erkenntnisse und Ideen sofort mit dem Nutzer und Kunden zu testen und zu prüfen. Dazu werden einfache Prototypen (bzw. Pretotyping) mit den wichtigsten Funktionen erzeugt, um Feedback vom Nutzer zu sammeln, das wiederum in die Entwicklung einfließt. Iterativ kommt man so zum perfekten Produkt, anstatt zuerst auf Basis von Annahmen alles zu entwickeln und dann erst mit den Kunden zu testen, um festzustellen, dass die Annahmen falsch waren.

Fazit

Aus Sicht eines Innovationsmanagers sind die Veränderungen großartig, weil der Fokus und die Priorität auf Innovation endlich dort sind, wo sie sein soll. Ganz oben und das nicht nur auf Papier sondern auch in der Realität. Auch wenn der Hype rund um die Digitalisierung vielleicht ein bisschen übertrieben ist.

5.00 avg. rating (96% score) - 2 votes

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.