Innovationsmanagement 2.0

27 August 2010 von Administrator Keine Kommentare »

Die 2.0 Euphorie hat auch im Innovationsmanagement Einzug gehalten. Social Web bzw. Web 2.0 steht für interaktive Elemente im Internet. Wurde in der 1.0 Generation nur Inhalt zur Verfügung gestellt, wird bei 2.0 gemeinsam Content erzeugt und der Leser wird zum Informationslieferant und Kommunikator im weltweiten Netz. Hier findet das Innovationsmanagement wertschöpfende Ansatzpunkte. Durch Kollaboration werden Wissen, Probleme und Ideen aus verschiedenen Köpfen neu kombiniert, um einzigartige Innovationen zu erzeugen. Hier ist im Sinne des Open Innovation Ansatzes das Internet ein mächtiges Werkzeug.

Beispiele für bekannte Werkzeuge sind aktuell Atizo (www.atizo.com) oder Zukunft Innovation von 3M (www.zukunft-innovation.com).

Online Communities können genutzt werden, um

  • gemeinsam Ideen zu generieren und Konzepte zu entwickeln (Crowdsourcing).
  • Ideen zu diskutieren und zu bewerten, siehe Prediction Markets (http://www.inknowaction.com/blog/?p=327).
  • im Netzwerk Partner, Komptenzen, Wissen oder Technologien für Innovationsprojekte zu finden, durch z.B. XING oder Linkedin. 

Web 2.0 wird nicht nur eingesetzt, um Innovation zu entwickeln, sondern auch um Marketing zu betreiben, um einem Unternehmen ein innovatives Image zu verpassen.

Die Voestalpine ist ein exzellentes Beispiel: http://www.voestalpine.com/innovation - Facebook, Twitter, Youtube und viele weitere Medien werden genutzt, um mit verschiedensten Zielgruppen zum Thema Innovation in den Dialog zu treten. 

Hier noch ein zwei interessante Link zu dem Thema: 

 

Spätestens wenn der internetaffine Managementnachwuchs aus der Generation Y ans Ruder kommt, wird Web 2.0 in viele Bereich Einzug halten und Prozesse und Strukturen neu definieren. Generation Y sind auch als Millennials bekannt – die erste Generation die im Umfeld von digitaler und mobiler Kommunikation aufgewachsen ist.

Erfolglose Vermarktung von Erfindungen – das Schicksal der Erfinder

7 August 2010 von Administrator Keine Kommentare »

Guten Ideen und technischen Erfindungen zu haben, verschafft Ehre. Aber ein erfolgreicher Durchbruch gelingt nur mit der richtigen Vermarktung der Erfindung.

Die Deutschen werden manchmal als „arme Erfinder“ oder „Exportweltmeister für Ideen“ bezeichnet. Das Telefax, der Hybridantrieb, der Walkman oder mp3 – alles sind großartige Erfindungen mit ihrem Ursprung in Deutschland. Vermarktet wurden sie allerdings durch andere und das mit einem großartigen und millionenschweren Erfolg.

1977 erfand Andreas Pavel den allerersten Walkman, fand jedoch keinen Abnehmer. Sony hat ihn gebaut und erstmal 1979 auf den Markt gebracht. Sie wurden damit berühmt und landeten an der Weltspitze der Unterhaltungselektronik.

 

Erster Walkman Prototyp (Quelle: Spiegel)

Akio Morita, ehemaliger Chef von Sony im Jahr 1993 mit einem Walkman. (Quelle: Spiegel)

Aber auch Sony hätte letztendlich fast den Anschluss verloren, indem sie auf den Trend „mp3“ zu spät regiert haben und der iPod von Apple den Walkman als tragbares Abspielgerät von Musik mit einem neuen Geschäftsmodell abgelöst hat.

Übrigens auch das Format mp3 ist “nur” eine deutsche Erfindung. Prof. Karlheinz Brandenburg vom Fraunhofer Institut entwickelte das mp3-Format. Geld machen jedoch andere Unternehmen wie Apple oder mp3.com. Fraunhofer verdient natürlich an den Lizenzgebühren.

Eine Erfindung ist nur dann eine erfolgreiche Innovation, wenn Sie auch vermarktet werden kann. Hier spielt natürlich auch die richtige Dosis Glück eine Rolle, um zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Trotz allem ist gekonntest Marketing das A und O.

Hat man den Marktdurchbruch erreicht, darf man Trends und Änderungen am Markt nicht verschlafen, ansonsten wird das beste Produkt von einem noch Besseren oder einen neuen Technologie abgelöst. Hier gibt es auch einige berühmte Beispiele, wie die analoge Kamera oder die elektronische Schreibmaschine. Beide wurden von neuen Technologien abgelöst, aber nicht durch die Unternehmen die mit ihnen zuvor erfolgreich waren.

Quelle: http://einestages.spiegel.de/external/ShowTopicAlbumBackground/a2683/l4/l0/F.html#featuredEntry

Ethnografie als Methode im Front End des Innovationsprozesses

1 August 2010 von Administrator Keine Kommentare »

Der Kunde sagt oder weiß nicht immer, was er braucht.

Hier finden sich auch die Grenzen der klassischen, fragebogenorientierten Marktforschung. Gründe können sein

  • Bedürfnisse aber auch Tätigkeiten sind nicht bewusst und werden nicht artikuliert.
  • Der Kunde sagt nicht exakt, was er denkt, sondern was er allgemein für richtig und wichtig hält.

Weitere Probleme gibt es vor allem bei strukturierten Befragungen, wo man einem klaren Themenleitfaden folgt. Es besteht die Gefahr, dass Kundenbedürfnisse nicht aufgedeckt werden, da nicht die richtigen Fragen gestellt werden.

An diesem Punkt setzt Ethnografie an, was eine Methode zur Kundenintegration und Marktforschung ist. Sie stammt aus der Anthropologie und beobachtet menschliche Verhaltensmuster. Im Rahmen des Innovationsprozesses hat sich ein Methodenkasten etabliert. Eine sehr mächtige Methode ist beispielsweise die “teilnehmende Beobachtung”, wo Kunden bei Tätigkeiten, wo ein Produkt unterstützen soll bzw. bei der Interaktion mit Produkten beobachtet werden.

 Beispiele sind

  • Ein Outdoorausstatter begleitet eine Expedition.
  • Ein PC-Spielehersteller nimmt an einer LAN-Party teil.
  • Ein Baugerätehersteller arbeitet auf einer Baustelle mit.

Eine demonstrative Analogie ist der Taucher, der eintaucht und mit den Fischen mitschwimmt, um ihre Bedürfnisse zu verstehen und sie nicht außerhalb eines Aquariums beobachtet.

Neben der Beobachtung ist es auch wichtig, möglichst viele unverfälschte Informationen durch Fragen zu sammeln.

  • Immer nachfragen, nie annehmen.
  • Immer “Warum ?” fragen und dabei nie die erste Antwort akzeptieren.
  • Keine Suggestivfragen, denn sie könnten die Antwort verzerren.
  • Offene Fragen.

Empathie – Um den Kunden auch richtig zu verstehen, ist es wichtig, sich auch in dessen Lage zu versetzen.

  • Dem Interviewpartner folgen und das tun, was er gerade tut, um die Perspektive zu wechseln und um die Welt aus seinem Blickwinkel zu sehen.
  • Als Interviewer keine Meinungen oder Aussagen abgeben, die den Interviewpartner beeinflussen können.

Es gibt viele Methoden, um den Kunden in den Innovationsprozess einzubinden. Eine Studie zum Front End von Cooper und Edgett (siehe http://www.inknowaction.com/blog/?p=111) findet Ethnografie als die effektivste Methode. Also – einfach mal überlegen, wie man die Methode für sich nutzen kann, denn oft kann man Ethnografie schon mit einem geringen Aufwand aber hohen Benefit für sich nutzen.

Quelle: “Praxiswissen Innovationsmanagement”, herausgegeben von Oliver Gassmann und Philipp Sutter, 2008

Definition Innovationscontrolling

24 Juni 2010 von Administrator Keine Kommentare »

Innovationscontrolling bezeichnet alle Aktivitäten zur Planung und Steuerung aller Innovationsaktivitäten, um den Erfolg sicherzustellen:

  • Effizienz: Vermeidung von Unwirtschaftlichkeiten in Kosten und Zeit; und
  • Effektivität: Erreichung der Ziele

Innovationscontrolling findet auf den Ebenen Projekt (Innovationsprojekt-Controlling) und Portfolio (Innovationsportfolio-Management) statt.

Innovationsprojekt-Controlling

Das Controlling für Innovationsprojekte umfasst in der Planungsphase

  • Projektplanung
  • Projektbewertung und Analyse
  • Bewertung von Kosten und Nutzen, z.B. Investitionsrechnung, Break-Even-Point, Business Case
  • Risikoanalyse

In der Steuerungsphase werden das laufende Projekte und die Ergebnisse bewertet

  • Projektbewertung und Risikoanalyse
  • Machbarkeitsprüfung
  • Projektcontrolling: Soll-Ist-Vergleiche von Zeitplan, Kosten und Ergebnisse

Innovationsportfolio-Management

Das Innovationsportfolio ist der Blick auf die Gesamtheit aller Projekte. Damit soll sicher gestellt werden, dass die Innovationsstrategie und Ziele erreicht werden und der Return on Innovation (ROI) erhöht wird.

Es umfasst die Planung, Auswahl von Projekten und Ressourcenverteilung durch eine permanente Bewertung und Priorisierung der Projekte im Portfolio.

In der Planungsphase erfolgen folgende Tätigkeiten

  • Definition der Strategie – „Was wollen wir mit Innovation Wie erreichen?“
    z.B. Festlegung Pionier- oder Followerstragie, Ressourcenaufteilung Strategic Buckets (% für neue Produkte und % fürVerbesserung)
  • Definition von Projekten zur Erreichung der Strategie = strategische Ziele.
  • Bewertung, Priorisierung und Auswahl der Projekte
  • Sicherstellung der Balance: z.B. gute Verteilung zwischen Prozess- undProduktinnovation, riskante und weniger riskante Projekte, Aufteilung entsprechend Strategic Buckets
  • Grobplanung mittels Roadmap (Projekt, Zieljahr, Priorität)
  • Kapazitätsplanung lt. Roadmap (entsprechend Kapazitätsbedarf pro Projekt – Wer Welche Projekte Bis wann?)
  • Ableitung von Kennzahlen zur Messung der Zielerreichung (Key Performance Indicators)
  • Die Ziele und Kennzahlen können die Basis für die Jahres- und Mitarbeiterziele sein.

In der Steuerungsphase wird der Erfolg des Portfolio gemessen und bei Bedarf wird steuernd eingegriffen:

  • Jährlicher Strategiereview – Erreichen wir unsere Ziele?
  • Bewertung der Projekte: Status und Gegenüberstellung des Nutzens (Details lt. Projektcontrolling)
  • Bei Bedarf: Re-Priorisierung der Projekte
  • Messung der Kennzahlen und Ableitung von Korrekturmaßnahmen

Innovationscontrolling ist ein sehr umfangreiches Thema. Dieser kurze Artikel soll nur einen kurzen Überblick darüber geben, was Innovationscontrolling ist und stellt somit keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Der Kobra-Effekt oder wie Anreize und Kennzahlen schlecht kombiniert werden können

15 Juni 2010 von Administrator 2 Kommentare »

Der Kobra-Effekt, ein Begriff von Professor Horst Siebert, geht auf ein Ereignis in Indien während des britischen Kolonialismus zurück. Da sich die britischen Kolonialherren von den Kobras fürchteten, setzten sie ein Kopfprämie auf Kobras aus, um deren Zahl zu reduzieren. Letztendlich entwickelten die Inder ein innovatives Geschäftsmodell und begannen Kobras zu züchten, die sie dann töteten, um die Kopfprämie zu kassieren. Als das Kopfgeld dann später wieder aufgehoben wurden, ließen die Züchter die Kobras einfach frei.

Der gleiche Effekt kann auftreten, wenn man versucht, das Innovationsverhalten mit Prämien zu steuern. Setzt man beispielsweise die Prämie auf die Anzahl der eingereichten Ideen als Indikator für die Innovationsaktivität, so kann passieren, dass jeder irgendwelche Ideen einreicht. Ideen ohne Qualität, die viel Administrationsaufwand erzeugen, da man sie auch bearbeiten und bewerten muss, und keinen Nutzen bringen.

Diese Beispiele zeigen, dass Anreize nicht immer den gewünschte Wirkung erzielen oder im Gegenteil sogar einen negativen Effekt haben. Daher ist bei der Wahl der Kennzahl wichtig, dass sie sich auf den Output und Nutzen bezieht. Jedoch ist überhaupt zu überlegen, ob extrinsische Anreize der richtige Hebel zur Steigerung der Innovationskraft ist.

Kundenorientierung im Innovationsprozess und ihre Grenzen

13 Juni 2010 von Administrator Keine Kommentare »

Voice-of-Customer – die Stimme des Kunden und somit Kundeneinbindung wird oft als Erfolgsfaktor Nummer 1 bei der Entwicklung von neuen Innovationen gesehen. Denn wenn es der Kunde nicht braucht oder will, wird er es nicht kaufen und somit kann man auch keine Gewinne machen – ein ganz simpler Schluss. Aber

“Wenn ich die Menschen gefragt hätte, was sie wollen, hätten sie gesagt schnellere Pferde!”

Henry Ford (1863 - 1947)

Hätte Henry Ford auf seine Kunden gehört, hätte er nie das Auto entwickelt und produziert. Man sollte nicht immer auf die Stimme des Kunden hören. Mögliche Gründe können folgende sein:

  • Bedürfnisse gehen oft mit Trends und Moden. Oder wären Sie vor 5 Jahren mit Gummischuhen mit Krokodil-Logo auf die Straße gegangen.
  • Der Kunde weiß nicht, was er braucht. Das ist sehr provokativ ausgedrückt, aber Bedürfnisse sind oft (noch) nicht bewusst und müssen geweckt werden. Oder hätten wir vor ein paar Jahren Schokolade mit Chilli oder Ketchup gegessen.

Hätten Crocs oder Zotter auf ihre potentiellen Kunden gehört und sie gefragt, was sie brauchen,  hätten sie ihre Produkte nie auf den Markt gebracht. Auch eine Regel für die Entstehung von radikalen Innovationen.

Klassische Marktforschung zur Erkundung der Kundenbedürfnisse ist bei radikalen Innovationen zweitrangig, da meist unbewusste Bedürfnisse adressiert werden oder die Kunden können sich darunter noch nichts Griffiges vorstehen. Somit sind mit der Neuentwicklung natürlich auch Risiken in Bezug auf die Marktakzeptanz verbunden.

Was aus Marketingsicht daher hier absolut wichtig ist, ist die Vermarktung. Über eine intensive Vermarktung, bestechende Argumentation und Werbung muss die Aufmerksamkeit erregt werden und das Bedürfnis geweckt werden.

Radikale Innovationen bieten für Unternehmen einzigartige Chancen, man muss nur daran glauben. Das Auto ist ein ausgezeichnetes Beispiel.

“Die weltweite Nachfrage nach Kraftfahrzeugen wird 1 Million nicht überschreiten – allein schon aus Mangel an verfügbaren Chauffeuren.” Gottfried Daimler, 1901

Vergessen wir nie: “Alles Ist Möglich, auch das Unmögliche”

Design Thinking als innovative Entwicklungsmethode

12 Juni 2010 von Administrator Keine Kommentare »

Gastbeitrag von Stefan Ponsold, Student am FH Campus 02 „Innovationsmanagement“ in Graz, stefan.ponsold@campus02.at

Zusammenfassung der Bachelorarbeit, die die unterschiedlichen Definitionen, die wichtigsten Voraussetzungen, Prozesse und erfolgreiche Beispiele der Methode „Design Thinking“ behandelt. Die Arbeit wird ab Juli als Buch verfügbar sein.

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Gute Ideen sind kein Zufall. Die junge Methode Design Thinking, die bereits seit Jahren erfolgreich von Design Agenturen wie IDEO oder Frog genutzt wird, erlebte zunächst in den USA und nun auch in Europa unglaubliches Interesse.

Zwar gibt es unterschiedliche Definitionen, Ansätze und Prozesse beim Design Thinking. Das Kernelement bleibt jedoch immer das Selbe: multidisziplinäre Teams, Nutzer-Orientierung und klar definierte Prozessschritte. Trotzdem bleibt die Methode sehr flexibel. Die vielen erfolgreichen Beispiele zeigen, welch breites Spektrum an Problemstellungen gelöst werden konnten.

Den Ursprung hat die Methode in den 60er Jahren, wo Designer immer häufiger mit anderen Disziplinen wie etwa Konstrukteuren oder Wissenschaftlern zusammenarbeiten mussten. Das führte immer öfter zu Kommunikationsproblemen, vor allem wenn es darum ging, den Kreativprozess anderen verständlich zu machen. Es fehlte an allgemein verständlichen Theorien und Methoden.

Ende des vorigen Jahrhunderts entwickelt man die Vorstellung, Design als einen sozialen Prozess zu definieren. Ziel war es sich nicht mehr rein auf die Lösungssuche zu konzentrieren, sondern stärker auf die Formulierung der zu lösenden Aufgabe und Probleme einzugehen.

Wesentlich ist dabei der sogenannte „human centered developement“ Ansatz, um die versteckten Bedürfnisse und Motivationen der Nutzer zu identifizieren. Mit Methoden zur Überprüfung der technischen und wirtschaftlichen Machbarkeit werden auf völlig neuartige Weise nutzer-orientierte Produkte gefunden, ausgewählt, hergestellt und getestet.

Die neue Methode „Design Thinking“ nutzt somit die aus den Designprozessen gewonnene Erkenntnis zur Innovationsentwicklung und stellt sowohl einen exzellenten Entwicklungsansatz für Produkte als auch Services mit vier wesentliche Komponenten dar:

  • Einen iterativen Prozess, der in mehreren Phasen klar strukturiert ist und falls nötig, wiederholende Schleifen besitzt.
  • Einer eigenen Wertvorstellung, die das frühe Produzieren von Prototypen und Begehen von Fehlern bevorzugt, um später Folgekosten zu vermeiden.
  • Interdisziplinäre Teams, um möglichst vielfältige Herangehensweisen an Problemstellungen zu gewährleisten.
  • Ein mobiles Raumkonzept, das kreatives Arbeiten im Stehen, Schreiben, Sitzen oder Liegen bestmöglich unterstützt.

Der Design Thinking Prozess nach HPI Potsdam

Auf Basis praktischer Erfahrungen und nach dem Vorbild der „d.school“ der Stanford Universität wird vom Hasso Plattner Institut der Design Thinking Prozess in den folgenden sechs Schritten praktiziert.

Die einzelnen Schritte sind iterativ und somit sich wiederholend miteinander verbunden, wobei der Schritt „Standpunkt definieren“ eine Art Scharnierfunktion besitzt.  Schleifen gibt es beispielsweise in den Phasen

  • Beobachten . prüfen, ob das Problem überhaupt richtig verstanden und formuliert wurde.
  • Standpunkt definieren – hinterfragen, ob die Beobachtung genügend Aufschluss über die tatsächliche Notwendigkeit geliefert hat.
  • Ideenfindung oder Prototyp entwickeln – wenn zu wenig, zu viel oder unbefriedigende Ideen.

Beispiele von Design Thinking Projekten

„Keep the change“- Service der Bank of America

Dieser im Jahr 2006 von IDEO entwickelte Service kann bei Einkäufen in Geschäften in den USA genutzt werden. Dabei wird das Kleingeld, das normaler weise herausgegeben wird, direkt auf eine Chipkarte des Kunden gebucht. Der Kunde hat somit kein lästiges Kleingeld bei sich und kann jederzeit auf sein angehäuftes Retourgeld auf der Chipkarte zu greifen. Inspiriert wurden die Entwickler von der Idee den Service des konventionellen Sparschweines in die Technik des 21. Jahrhunderts zu führen. Der „Keep the change“ Service war ein großer Erfolg für die Bank of America, sowie für IDEO. Sie erhielten in Folge einige Design und Innovation Awards.

„Swiffer Carpet Flick“ von Procter & Gamble

Im Jahr 2008 beauftragte der amerikanische Konsumgüterkonzern die Designagentur IDEO ein Reinigungsgerät für Teppichböden zu entwickeln. Umfragen haben gezeigt, dass 75% der amerikanischen Haushalte einen Teppichboden besitzen. Hierfür gab es bis dato nur elektrisch betriebene Haushaltsgeräte.  IDEO benutzte bei der Entwicklung die Methode Design Thinking und entwickelte den „Swiffer Carpetflick“. Procter & Gamble verkaufte im ersten Jahr mehr als 50 Millionen Stück.

Quellen:

www.hpi.uni-potsdam.de
Plattner, Hasso (2009): Design Thinking. Innovation lernen – Ideenwelt öffnen
Pratschke, Margarethe (2009): Design Thinking – Kreativität als Methode
Brown, Tim (2007): IDEO work and case studies

Die Initiative – Startimpuls zur Innovation verstehen und steuern

7 Juni 2010 von Administrator Keine Kommentare »

Gastbeitrag von Dr. Dietfried Globocnik, Karl-Franzens-Universität Graz

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Unter Initiative ist der Startimpuls eines Mitarbeiters zu verstehen, proaktiv Handlungen zur Realisierung eines Innovationsvorhabens zu setzen, noch bevor ein offizielles Projekt eingerichtet ist. Darunter sind alle Aktivitäten zur Vorentwicklung und Überzeugung im Unternehmen in Zusammenhang mit einer hochgradig neuen Innovationsmöglichkeit zusammengefasst, um Marktinteresse zu erzeugen, die technische Machbarkeit zu erkunden, Aufmerksamkeit und Commitment beim Top Management zu wecken und letztlich für die weitere Erkundung offiziellen Projektstatus mit Ressourcenzuweisung zu erreichen.

Die Relevanz von Initiativen der Mitarbeiter für Innovationsvorhaben liegt darin, dass durch Initiativen die Aufmerksamkeit des Managements auf neue Möglichkeiten organischen Wachstums durch Innovation gelenkt wird. Initiativen stellen den Input für Managemententscheidungen das Innovationsportfolio betreffend dar. Nur bei ausreichender Anzahl und Varianz an Ideen ist die Gestaltung eines ausbalancierten Portfolios (z.B. nach Innovationsart, Risk/Return, etc.) möglich. Die Schwierigkeit für Führungskräfte ist nun, dass die Entscheidung zur Initiative selbst nicht beobachtbar ist und somit auch nicht direkt interveniert werden kann. Ohne Initiative bleibt die Idee jedoch in der Organisation im Verborgenen, da dieses verborgene Wissen nicht „öffentlich“ gemacht wird. Trotz dieser hohen Bedeutung der Initiative wurde ihr in der Forschung wie auch in der Praxis bisher geringe Aufmerksamkeit geschenkt. Zwei Studien zeigen auf empirischen Untersuchungen aufbauend, dass Initiativen trotzdem indirekt „managebar“ sind. Sie untersuchen einerseits entscheidende Merkmale des Initiators und andererseits, in welchen Arbeitsumfeld Initiativen wahrscheinlicher sind.

Besondere Merkmale von Initiatoren

Proaktive Persönlichkeit: Initiatoren zeichnen sich durch den Wesenszug aus, permanent nach Verbesserung und Erneuerung zu streben und diese auch gegenüber Widerständen durchzusetzen. Aufgrund etablierter Skalen kann dieses Personenmerkmal auch bei der Mitarbeiterrekrutierung eingesetzt werden.

Kompetenzen: Initiatoren haben im Vergleich zu Personen, die kaum proaktiv Innovationsvorhaben vorantreiben, generalistische Kompetenzen. Sie besitzen besseres Wissen in technischer bzw. kaufmännischer Hinsicht und sind auch besser im Präsentieren und Überzeugen anderer von eigenen Ideen. Damit ist der gezielte Kompetenzaufbau als Aufgabe der Personalentwicklung ein wirksames Instrument zur Förderung der Initiative.

Selbstvertrauen: Der zentrale Treiber der Initiative ist jedoch nicht die Persönlichkeit oder die Verfügbarkeit von Kompetenzen, sondern das Selbstvertrauen der Person die Aufgaben beim Ergreifen der Initiative auch erfolgreich umzusetzen. Es bildet sich durch positive Erfahrungen in der Vergangenheit beim Ergreifen der Initiative, kann aber auch durch praxisnahe Trainings und Lernen von anderen erfolgreichen Initiatoren gefördert werden. Selbstvertrauen bedarf somit neben den Kompetenzen selbst auch positive (eigene oder bei anderen beobachtete) Erfahrungen beim Umsetzen dieser Fähigkeiten, was bei der Auswahl der Personalentwicklungsinstrumente zu  berücksichtigen ist.

Initiativenfreundliches Arbeitsumfeld

Formale Strukturen: Leitlinien, welche Aufgaben (z.B. Marktanalyse, technische Machbarkeit, Patentrecherche, etc.) zur Erkundung einer Idee durchzuführen sind und Vorlagen zur Durchführung einer professionellen „Up-front homework“ fördern das Entstehen von Initiativen ebenso wie eine formale Anlaufstelle für Ideen im Unternehmen. Sie geben Sicherheit und sorgen dafür, dass sich Initiatoren auch intensiver mit der kritischen Erkundung ihrer Idee auseinandersetzen. Allerdings gilt es zu bemerken, dass bürokratische Strukturen, die zu stark regulierend eingreifen, wiederum kontraproduktiv sind.

Strategische Autonomie: Initiativen sind wahrscheinlicher, wenn Mitarbeiter auch „out of the box“ denken dürfen, d.h. auch Ideen außerhalb der strategischen Grundausrichtung verfolgen dürfen. Das ermöglicht eigenverantwortliches unternehmerisches Handeln innerhalb einer Organisation, was sich speziell auf eine höhere Anzahl an Initiativen im Unternehmen auswirkt.

Integrierte Ziele: Innovationsorientierte Ziele sowohl in den Unternehmens-, als auch den Mitarbeiterzielen sind sehr starke Treiber der Initiative. Sie legitimieren innovatives Verhalten und liefern durch ihre Zielgrößen auch Orientierung hinsichtlich der vom Unternehmen erwarteten Performanz des Mitarbeiters.

Ressourcen: Nur wenn auch ausreichend Ressourcen (z.B. Zeit des Mitarbeiters, Laborzeit, finanzielle Mittel, Materialien, etc.) zur Verfügung stehen, ist die proaktive Erkundung von Ideen auch möglich. Je mehr Ressourcen zur Verfügung stehen, desto geringer ist zwar die Gesamtanzahl der Initiativen, desto tiefer werden jedoch die verbleibenden Ideen erkundet. Ressourcenverfügbarkeit erhöht somit die Qualität der Initiative.

Entgegen der klassischen Erfolgsfaktoren des Innovationsmanagements fördert die direkte Unterstützung durch das Management (z.B. Feedback, Sponsorship) das Entstehen der Initiative nicht. Die Begründung liegt darin, dass Initiatoren ähnlich wie Entrepreneure (Gründer) agieren und eine so starke intrinsische Motivation besitzen, dass sie kaum gesonderte Motivation von oben benötigen, solange ihr Handlungsspielraum groß genug ist. Besonders vorsichtig ist mit Belohnung umzugehen. Incentives führen lediglich dazu, dass mehr Initiativen gesetzt werden, aber nicht dass diese auch professionell erkundet werden. Negative Sanktionen verhindern hingegen fahrlässige Schätzungen (z.B. Marktvolumen, technische Machbarkeit) anstelle einer systematischen und ausführlichen Risikoreduktion, fördern jedoch eine „play ist safe“ Mentalität. Anreize – unabhängig ob positiv oder negativ – sollten daher nicht als primäres Instrument zur Steuerung von Initiativen eingesetzt werden.

Zusammenfassend ist das Entstehen von Initiativen somit gezielt förderbar, wodurch der Input für das Innovationsmanagement wesentlich verbessert wird. Und da die durch Initiativen sichtbar gemachten Ideen oft außerhalb des strategischen Markt/Technologiefokus des Unternehmens angesiedelt sind, eröffnen sie als radikale Innovationen auch die Chance gänzlich neue Märkte zu kreieren!

Innovationskennzahlen – das Cockpit des Innovationsprozesses

31 Mai 2010 von Administrator Keine Kommentare »

Es gibt verschiedenste Kennzahlen, um die Innovationsleistung zu messen:

  • Input, z.B. F&E-Aufwände, Anzahl Ideen
  • Prozess, z.B. Time-to-Market, Durchlaufzeit
  • Output, z.B. Erträge durch Innovationen, Patente

Die Boston Consulting Group erstellt jährlich den Report “Measuring Innovation”, die die Ergebnisse einer Studie zum Thema Kennzahlen präsentiert. Hier ein paar Gustostückerl – 2 interessante Grafiken, die gesamte Studie ist auch online verfügbar.

Was soll durch Innovationskennzahlen gemessen und gesteuert werden?

Dieses Chart zeigt, dass es wesentlich ist, den Output und somit den Nutzen zu messen. Aber auch die Effizienz der Prozesse und Aktivitäten soll gemesen werden, um Optimierungspotenziale zu ermitteln.

Welche sind die beliebtesten Innovationskennzahlen?

Bei der Auswahl der richtigen Kennzahlen ist zu beachten, dass nur gemessen wird, was wirklich sinnvoll und aussagekräftig ist. Es soll nicht gemessen, um gemessen zu werden. Ansonsten wären die hohen Aufwände zur Ermittlung der Zahl umsonst.

Die Kennzahl soll Informationen über die Erreichnung der Strategie und Ziele geben. Somit sollen die Kennzahlen in Zusammenhang mit der Strategie stehen, damit die Kennzahlen Auskunft über die Erreichung der Ziele geben. Die Kennzahlen dienen wie das Armaturenbrett in einem Cockpit zur Steuerung der Aktivitäten.

Quelle der Grafiken: Measuring Innovation 2009, Boston Consulting Group,
http://brightidea.com/InnovationManagement/BCG_2009_measuring_innovation.pdf

Innovation durch Kombination am Beispiel Kaffee-Shirt

28 Mai 2010 von Administrator Keine Kommentare »

Stellen Sie sich vor, Sie stehen vor folgender Problemstellung: Schweiß ist immer ungenehm und mit entsprechenden Duftnoten verbunden. Wie kann ich nun ein T-Shirt geruchsneutralisierend machen?

Wären Sie auf die innovative Lösung “Kaffee-Shirt” gekommen? Im Nachhinein klingt es sehr logisch. Kaffee ist geruchsneutralisierend, als warum nicht das T-Shirt damit kombinieren? Aber viel zu oft denken wir in unseren eingefahrenen Bahnen und so fehlt die Offenheit für solche Ideen. “Northland” schon. Das hier ist ein Beispiel, wie Out-of-the-Box-Denken neue Lösungshorizonte öffnet. Noch dazu ist die Kaffee-Lösung schnell trocknend, licht- und wetterbeständig und mottenlarvenresistent.

Laut dem Grazer Hersteller “Northland“, der weltweit mit 850 Mitarbeitern in 39 Ländern seine Bergsport-Ausrüstung vertreibt, ist das T-Shirt aus 35 % “Cafe Polyester”, das aus recyceltem Kaffeesatz hergestellt wird.

Quelle: http://derstandard.at/1271377671548/Outdoor-Spezialist-Northland-will-mit-Kaffee-Shirts-Kunden-anziehen

Bild: http://www.northland-pro.com