Marketing und Innovation – Wie stark gehören sie wirklich zusammen?

15 Januar 2012 von Administrator Keine Kommentare »

Innovation und Marketing werden in Unternehmen oft als zwei eigenständige Disziplinen gesehen, vor allem hier im zentraleuropäischen Raum. Hängt möglicherweise auch damit zusammen, dass das Innovationsmanagement oft an die Forschung & Entwicklung gekoppelt ist, da sie sich historisch eher um das Thema annahmen. Und umso technologieorientierter ein Unternehmen ist, umso öfter trifft diese Konstellation auch zu. Das hat auch die Studie „Wohin mit dem Innovationsmanager?“ gezeigt.

Bei meinen aktuellen Literaturstudien zum Thema Marketing und Strategie zeigt sich immer mehr, wie eng die Disziplinen Strategie – Marketing – F&E zusammengehören. Dazu habe ich eine sehr interessante Grafik im Buch „Marketingplanung“ von Tamczak/Kuß/Reinecke entdeckt.

Quelle: in Anlehnung an Tomczak / Kuß / Reinecke

Triviale Erklärung: Das Ziel von Organisation wie auch jedes Lebewesens ist „Überleben“ und damit ein Unternehmen überleben und auch wachsen kann, muss es Geld verdienen.

Dazu müssen Marktpotentiale identifiziert werden, das sind Bedürfnisse, die vom Unternehmen befriedigt werden können. Hierbei unterscheidet man

  • Kundenpotentiale – Relevante Bedürfnisse, hohe Anzahl an Bedürfnisträgern mit entsprechender Kaufkraft.
  • Leistungspotentiale – Leistungen, die eine hohe Anzahl von relevanten Bedürfnissen befriedigen können.

Zur Nutzung der Potentiale benötigt ein Unternehmen Kompetenzen, um

  • Durch Kundenakquisition neue Kundenpotentiale zu erschließen, beispielsweise durch die gezielte Ansprache von Konkurrenz-Kunden.
  • Durch Kundenbindung Kundenpotentiale auszuschöpfen, zum Beispiel durch den Aufbau von Wechselbarrieren Kunden halten und durch die Erhöhung der Kauffrequenz indem Zusatzprodukte angeboten werden.
  • Durch Leistungsinnovation neue Leistungspotentiale zu erschließen. Dazu zählt vor allem auch das Einführen neuer Produkte, die unerfüllte Bedürfnisse adressieren.
  • Durch Leistungspflege Leistungspotentiale auszuschöpfen. Zur Verlängerung und Optimierung des Produktlebenszyklus werden weitere Versionen (z.B. durch Up-Selling = teurere Variante) oder Zusatzprodukte (Bundling) angeboten. Auch können bestehende Leistungen in neue Märkte eingeführt werden (Multiplikation).

Kontext Strategie – Marketing – Innovation

Betrachtet man diesen Ansatz in der Praxis, vereint er die Disziplinen Strategie, Marketing und Innovation. Die Marktpotentiale werden durch Analysen von Marketing und Innovation identifiziert und fließen in die Strategie ein. Die Strategie gibt somit wiederum die Richtung für die Aktivitäten der beiden Bereiche.

Dabei definiert die Marketing-/Marktplanung die Zielmärkte, Zielkunden und Leistungen entsprechend der 4 Quadranten. Daran orientieren sich die Vertriebs- und Marketingaktivitäten.

Und dabei ist die Innovation das Werkzeug zur Erschließung und Ausschöpfung von Marktpotentialen. Neue und verbesserte Produkte sollen helfen, neue Märkte zu erschließen und neue Kunden anzusprechen (Leistungsinnovation). Weiters werden Produkte optimiert und verbessert, um den Produktlebenszyklus zu verlängern (Leistungspflege).

Diese Darstellung demonstriert sehr stark, wie wichtig und notwendig eine enge und integrative Zusammenarbeit zwischen Strategie, Marketing und Innovation ist. Diese, sagen wir mal „simple“ Grafik, zeigt einen sehr strukturierten Zugang, um die Weiterentwicklung eines Unternehmens systematisch voranzutreiben.

Quelle: Marketingplanung: Einführung in die marktorientierte Unternehmens- und Geschäftsfeldplanung von Torsten Tomczak, Alfred Kuß und Sven Reinecke – Prädikat „Sehr empfehlenswert“. 

Die Entstehung von Innovationen fördern – über Liquid Networks, Error, Noise und Serendipity

7 Januar 2012 von Administrator Keine Kommentare »

Die Entstehung von Innovationen vergleicht Stephen Johnson mit naturwissenschaftlichen Phänomenen wie dem menschlichen Gehirn oder der Adaptionsfähigkeit von Regenwäldern oder Korallenriffen. Eine gute Idee ist kein singuläres Ereignis, sondern ein Netzwerk, ein System, wo Menschen, Ideen, Informationen und Ereignisse aufeinandertreffen.

Helmut Leopold vom Austrian Institute of Technology hat die Entstehung von Ideen in einem brisanten Artikel bei zukunftswissen.apa.at auf den Punkt gebracht. Gute Ideen möchten sich verbinden, verschmelzen und zu neuen Kombination weiterentwickeln. Transformation und Wiederverwertung „Recycling“ von Gedanken und Informationen führen zu neuen Ideen und entwickeln sie weiter. Dazu braucht es unter anderem

  • Liquid Networks“ – eine Umwelt, wo Ideen aufeinander treffen und verlinken können.
  • Error and Noise“ – ergänzende, auf den ersten Blick unnötige und irrelevante Informationen.
  • Und „Serendipity“ – den glücklichen Zufall.

 

Und wie sieht dieses Umfeld zur Entstehung von Innovationen in der Praxis aus? – Durch Raum und Zeit für Ideen. Zum Beispiel

  • Netzwerke und den Austausch intern und extern fördern.
    Bringen Sie Mitarbeiter zusammen, z.B. bei Workshops, Events oder Projekten.
    Bringen Sie Mitarbeiter mit externen Experten zusammen, z.B. Konferenzen. Fördern Sie so auch den Blick über den Tellerrand.
  • Zeit für Innovationen. Zeit für Lesen, um Neues zu erfahren. Ermutigen Sie Mitarbeiter sich für Neues und Ideen Zeit zu nehmen.
  • Den Zufall fördern. Nach Statistiken entstehen die meisten Ideen per Zufall im ungezwungenen Umfeld, wie beim Duschen oder Spazieren gehen.

Für Unternehmen, die schon ein Ideenmanagement implementiert haben, lassen sich diese Prinzipien auch übertragen. Beispielsweise durch den Peer Review von Ideen. Haben Mitarbeiter eine Idee, sollen sie sie vor der Einreichung mit einem anderen Mitarbeiter diskutieren. Das fördert, dass die Idee durch die weitere Perspektive auf die Probe gestellt und weiterentwickelt wird und steigert die Qualität

Aus diesem Grund erlauben manche Unternehmen nur mehr Teamvorschläge in deren Ideenmanagement-Systemen. Denn die Mehrblicke fördern nicht nur die Reife und Qualität der Idee, sondern auch die Umsetzung der Idee. Jeder Mit-Innovator ist auch ein Multiplikator, der sich für die Umsetzung der Idee einsetzt.

Erwarten wir von Mitarbeitern gute Ideen, müssen wir auch die notwendigen Rahmenbedingungen fördern. Und die sind alles andere als trivial, immerhin steht es im Kontext eines Mind & Culture Change. Nichtsdestotrotz kann man mit kleinen Schritten wie z.B. den Peer Review schon erste fruchtbringende Maßnahmen setzen.

Quellen:

Für Interessierte:

Funktioniert das traditionelle Arbeitssystem noch? Ist es Nährboden für Innovationen?

6 Januar 2012 von Administrator 1 Kommentar »

 „Vorstände und Führungskräfte müssen von den Mitarbeitern gewählt werden.“

„Mitarbeiter sollen selbst entscheiden Was und Wann sie arbeiten.“

„Vertrauen und keine Kontrolle.“

Bei der brasilianischen Dienstleistungsfirma „Semco“ wählen die 3.000 Mitarbeiter ihre Chefs, entscheiden selbst über ihre Arbeit, Arbeitszeit und Gehälter. Es gibt keine Geschäftspläne, fast keine Hierarchie und die Gewinne werden per Abstimmung aufgeteilt. „Ja, kann denn das funktionieren“ – fragen sich viele.

Obwohl es am ersten Blick wie ein anarchischer Alptraum klingt, kann der Inhaber Ricardo Semler beweisen, dass es funktioniert: Die Gewinne sind von 35 auf 220 Millionen gestiegen.

Das Onlinemedium „Sein.de“ hat dazu einen höchst interessanten Artikel zu Semler´s Rezepte veröffentlicht.

  • Behandle deine Mitarbeiter wie Erwachsene, dann verhalten sie sich auch so. Je mehr Freiheiten Mitarbeiter haben, desto mehr Leidenschaft verbunden mit Produktivität, Innovation und Zufriedenheit entfaltet sich.
  • Eine Firma ist ein Gemeinschaftsprojekt. Es zählt nicht das Controlling oder die Produktion, sondern das Gesamte, dass alle Mitarbeiter gemeinsam leisten. Jeder ist Teil davon und bringt seinen Beitrag zum Erfolg. Dadurch wird eine hohe Identifikation mit dem Unternehmen erreicht, was die Loyalität und Motivation stark fördert.
  • Kontrolle wird durch Vertrauen ersetzt. Durch die Arbeit im Team sorgt ohnehin das Team selbst dafür, dass jeder seinen Beitrag leistet.
  • Es zählt nicht die Anwesenheitszeit im Unternehmen, sondern die Leistung.
  • Nicht die Mitarbeiter werden bewertet, sondern die Mitarbeiter bewerten die wenigen Führungskräfte bzw. Entscheider. Bekommen diese wiederholt negative Bewertungen, geht er meist selbst.
  • Ist beispielsweise eine Entscheidung zu treffen oder wird ein neues Projekt gestartet, wird ein Meeting im Intranet ausgeschrieben, und jeder, der Interesse hat, kann teilnehmen. Langweilt jemanden ein Meeting, kann er aufstehen und gehen. So wird sichergestellt, dass die Mitarbeiter mitwirken und entscheiden, die sich auch dafür interessieren und einsetzen.

Auch beim 3. Zukunftsforum HR wurde das Thema in Angriff genommen. Unternehmen brauchen eine Kultur der Kommunikation und Partizipation. Chefs sollen gewählt werden. Unternehmen müssen stärker demokratisiert werden. vor allem im Kontext, die verloren gegangene Reputation im Management wiederzugewinnen.

Aber seien wir uns mal ehrlich, sehen wir diese Veränderung? Manchmal hat man das Gefühl, dass es sich in die Gegenrichtung entwickelt. Mit steigender Größe und Komplexität wird nach mehr Standardisierung und mehr Kontrolle durch die Führungskräfte gerufen. Nevertheless …

The Seven-Day Weekend: A Better Way to Work in the 21st Century von Ricardo Semler (Amazon.de)

 „Wenn man es sich genauer ansieht, muss man feststellen, dass das traditionelle System nicht funktioniert“, wird Ricardo Semler zitiert, der meint, dass es nur so gehen kann. Ansonsten versumpfen wir in einer Welt mit Burn-Out, Mobbing, Hierarchiekämpfen, Stress und Magengeschwüren. Und wo ist dann noch Platz für die Leidenschaft für die Arbeit. Beruf muss wieder zur Berufung werden und so postuliert Ricardo Semler „Es ist Zeit für das 7-Tage-Wochenende“.

Und will ein Unternehmen das notwendige Rüstzeug für die Zukunft haben, benötigt es vor allem engagierte und professionelle Mitarbeiter, die für Produktivität und vor allem für Innovationen stehen. Und die kann man nur anziehen und halten, wenn man das entsprechende Arbeitsumfeld bietet: Selbstorganisation und Empowerment. Der „War for Talents“ wird sich auf dieser Ebene abspielen, vor allem wenn (weil) die Generation Y & Co dominiert …

Quellen:

Innovationswiderstände – Woher kommen Sie?

27 November 2011 von Administrator Keine Kommentare »

Tools und Prozesse sind kopierbar. Die dahinterstehende Kultur nicht.“, so die Ideeologen zur Innovationskultur.

93,6 % haben ihre besten Ideen nicht am Arbeitsplatz.“, fand die IQudo Studie Ideenfindung heraus.

Was sind nun die Innovationsbremsen, warum oft Innovationspotentiale nicht ausgeschöpft werden. Innovationswiderstände sind Schwächen, wodurch einerseits die Entstehung von Ideen aber auch die Umsetzung von Innovationen nicht optimal gefördert werden.

Viele Innovationswiderstände kommen aus dem Unternehmen wie kurzfristiges Wirtschaften, schlechte Führung oder Inflexibilität der Organisation. Widerstände sind aber nicht immer, wie man glaubt,  nur unternehmensinterner Natur. Einflüsse können auch aus der

  • Politik (falsche Anreize oder Defizite in der Bildungs-, Forschungs- und Transferpolitik, …),
  • der Gesellschaft (Werteverfall, Lobbyismus, …),
  • und dem einzelnen Individuum selbst (mangelndes Wissen, Angst vor Veränderungen …)

kommen. Eine detaillierte Auflistung findet sich in der Studie DABEI Innovationsklima Index. Natürlich gibt es nicht nur Schwächen sondern auch viele Stärken. Diesen widmet sich die Studie auch und leitet daraus Empfehlungen und den Handlungsbedarf ab.


Text- und Bildq
uelle: http://www.dabei-ev.de/?q=node/85 (kostenloser Download der Studie)

Die Deutsche Aktionsgemeinschaft Bildung-Erfindung-Innovation e.V. (DABEI) wurde vor 25 Jahren gegründet, um die Innovationskraft Deutschlands zu stärken.

Zur Voruntersuchung für die Studie zum Innovationsklima wurden rund 10 Innovationsstudien ausgewertet. Eine Liste und die Zusammenfassung finden Sie auch in der Studie. Lesenswert!

Gemeinsam mit der RWTH Aachen und der Deckert Management Consulting GmbH führt die DABEI auch heuer wieder die Befragung zum Innovationsklima-Index Deutschland durch. Sie können sich noch bis 18.12.2011 an der Online-Befragung beteiligen: http://www.dabei-index.de/

80.000 Innovationsmanager – Die 15 % Regel bei 3M

25 November 2011 von Administrator 1 Kommentar »

3M hat nicht einen Innovationsmanager. Sie haben 80.000.

Bei jeder Präsentation von 3M, wie auch letztens beim Round Table: Innovationsmanagement in Dortmund, steht die viel diskutierte 15%-Regel im Mittelpunkt. Das Prinzip ist, dass sich Mitarbeiter mit Ideen beschäftigen können und das genau 15% ihrer Arbeitszeit. Das Ziel ist aber nicht nur das “Ideen finden”, sondern Ownership für eine Idee zu übernehmen und deren Entwicklung und Umsetzung voranzutreiben. Die Zeit wird nicht gemessen und es gibt keine Sanktionen. Aber der Mitarbeiter kann es einfordern, so stark ist das Commitment von oben.

Auf der anderen Seite gibt es bei Vodafone keine 15 % Regeln. Sie unterstützen, die Mitarbeiter, die Interesse und Leidenschaft haben, nicht alle “Plätzchenesser”. Und somit können diese Mitarbeiter so viel Zeit dafür in Anspruch nehmen, wie viel sie brauchen und wollen.

Worum dreht sich das Ganze?

Will man wie 3M einen Großteil meiner Umsätze mit neuen Produkten machen, kann dies nur so funktionieren, indem ich meine gesamten Innovationspotentiale nutze. Und dazu muss ich Mitarbeiter stark einbinden und ihnen den Freiraum geben, Ideen zu sammeln, zu entwickeln und umzusetzen. Und hier ist es egal, ob es 15 %, 40 % oder 100 %-Regel ist. Das Commitment und die Kultur, dass Innovation gefördert wird, zählen.

Großartiges Buch zur Innovationskultur (eines der Wenigen) - von 3M (Bildquelle: Campus)

Ist die 15 % eine Marketing Masche? Ja, sie ist es definitiv eine Tolle, denn jeder spricht darüber, und hätte sie gerne. Aber es ist nicht nur für die externe Kommunikation relevant, sondern vor allem nach innen. Die Regel ist ein Artefakt, ein Symbol für die Kultur und Werte, und repräsentiert den Stellenwert der Innovation im Multi-Technologiekonzern 3M, der mehr als 25.000 Patente hält. Und der wirtschaftliche Nutzen liegt nicht nur in der Weiterentwicklung des Unternehmens durch Innovation, sondern auch in der Weiterentwicklung der Kompentenz einzelner Mitarbeiter.

Aja und übrigens, auch 3M hat Mitarbeiter, die sich mit Innovationsmanagement beschäftigen. Sie heißen beispielsweise Accelaration Manager oder Innovation Marketing Manager. Sie sind in der Rolle des Enablers und Koordinators, aber hauptamtlich nicht als Innovator. Jedoch hat das auch die Studie zum Berufsbild des Innovationsmanagers gezeigt, dass viele zwar auch Innovatoren sind, aber hauptsächlich die Rolle des Enabler (z.B. Owner Innovationsprozess, Portfoliomanagement, Ideenmanagement …) einnehmen.

Ein weiterer diskussionswürdiger Punkt im Kontext der 15 %-Regel ist, wie Mitarbeiter heutzutage im stressigen Arbeitsalltag Zeit für neue Innovationen finden können, ohne das Daily Business zu vernachlässigen. Aber dieses Thema würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, daher werden wir ihm einen eigenen Artikel oder gar eine Studie widmen.

Und wie viel Zeit nehmen Sie sich für neue Themen und Innovationen in Ihrer Arbeit?

Wie kommt das Neue in die Welt – über Kreativprozesse, Wissensarbeiter und Räume

25 November 2011 von Administrator 1 Kommentar »

Inspiration für diesen Artikel: Interview von Thomas Fundneider, Markus Peschl und Andreas Kulick im Business Ready Blog: http://businessreadyblog.wordpress.com/2011/11/15/wie-kommt-das-neue-in-die-welt-teil-1/

„Dass geniale Ideen nicht planbar sind, liegt auf der Hand. Dass man jedoch Arbeitsbedingungen schaffen kann, unter denen Geistesblitze zur Tagesordnung gehören, sollte zu denken geben.“

Was sind die wesentlichen Randbedingungen für Ideen? Sind es Prozesse oder Werkzeuge, ist die Kultur oder sind es die Räume. In der Tat geht es um „Enabling Spaces“ und um all diese Faktoren, ein Gesamtmodell. Es geht um Freiräume, wo freies Denken und Spinnen erlaubt und gefördert wird. Neben der Kultur spielen die Räume eine wichtige Rolle. Dabei geht es aber nicht um architektonische Verschönerungen, sondern um Räume, die die Zusammenarbeit und Kreativität fördern. Und diese Frei-Räume können aber nur funktionieren, wenn auch die organisationalen Rahmenbedingungen stimmen.

Welchen Freiraum haben Ihre Mitarbeiter? Anja Förster hat bei Ihrem Vortrag bei der Jahrestagung Innovationsmanagement in München vorgeschlagen, die Mitarbeiter einfach zu fragen

  • „Können Sie selbst über Ihre Aufgaben entscheiden?“
  • „Entscheiden Sie selbst darüber, wie Sie an Aufgaben herangehen?“

Mit diesen beiden Fragen kann man sich schon interessantes Bild darüber schaffen, wie viel Freiraum die Mitarbeiter bekommen bzw. in Anspruch nehmen.

Andreas Kulick meint, dass man sich einfach auch mal vor Augen halten soll, dass Unternehmen kreativen Wissensarbeitern meist nur einen PC, Tisch und Stuhl bieten.

Aber was wollen Mitarbeiter, damit sie sich entfalten können?

  • Spannende Aufgaben
  • Selbstbestimmung
  • Flache Hierarchien
  • Kollaborationsmöglichkeiten
  • Netzwerke
  • …?

Und wollen alle Mitarbeiter diese Rahmenbedingungen und Aufgaben? Es gibt viele Menschen, die sich in starren und somit stabilen Strukturen am wohlsten fühlen und gegenüber Veränderungen abgeneigt sind. Das sind auch diejenigen, bei denen man nicht krampfhaftversuchen soll, sie zu verändern und zu Veränderung zu motivieren, sondern ihnen entsprechende Aufgaben und Umfelder zu bieten (also das gängige Standardumfeld). Sie sind vielleicht weniger agil und kreativ, tragen aber auch zur Leistung bei und verleihen dem Laden etwas mehr Stabilität. Denn immerhin benötigen wird eine gute Mischung aus Dynamik und Stabilität, um Gutes zu finden und zu festigen.

Kommen wir aber auf die „anspruchsvollen“ Mitarbeiter zurück. Der „War for Talents“ ist schon längst ganz oben auf der Agenda. Und welche Talente ein Unternehmen anzieht, hängt sehr stark von den Arbeitsräumen, Arbeitszeiten, Arbeitskulturen und Freiräumen ab.

Dazu kommt, dass Mitarbeiter neben der Veränderungsbereitschaft auch Mobilität mitbringen. Und wenn sie sich in einem Umfeld nicht wohl fühlen, wandern sie einfach weiter. Gute Leute sind nicht mehr vom Arbeitgeber abhängig, sondern umgekehrt.

Das Interview des Teams rund um theLivingCore betont die Relevanz von Räumen, organisational, technologisch und architektonisch, um Wissensarbeit, Kreativität und Wohlfühlen zu fördern. Nur so können Unternehmen in Zukunft Talente „in ihrem Räumen“ halten.

Wie wird innoviert in KMUs? Mit System oder wird jedes Mal das Rad neu erfunden?

16 November 2011 von Administrator Keine Kommentare »

Gastbeitrag von Bernhard Hofer
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Die Ausgangslage

Aus dem letzten Mittelstandsberichts des österreichischen Bundesministeriums für Wirtschaft, Forschung und Familie geht hervor, dass KMUs  mehr als 99 % der Unternehmen in Österreich und beschäftigen hierin mehr als 60% aller unselbstständig Erwerbstätigen. (vgl. BMWFJ Mittelstandsbericht 2010).

Übersicht KMUs in Österreich (Quelle: BMWFJ, 2010)

Neben der Bedeutung für den österreichischen Arbeitsmarkt sind die österreichischen KMUs auch im Bereich der Innovation in der Europäischen Union führend wie aus dem Small Business Act Fact Sheet 2009 hervorgeht (vgl. Europäische Kommission 2010).

 Innovation & KMU im EU Vergleich (Quelle: EU, 2009)

 

Wie aus der Tabelle ersichtlich beschäftigt sich ein Großteil der KMUs (49,2 %) mit Innovationen und mehr als zwei Drittel (77,8 %) der österreichischen KMUs haben in der Beobachtungsperiode neue Produkt kreiert und/oder damit Erträge erwirtschaftet. 

Aus diesen Zahlen und der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung der letzten drei Jahre (vgl. Abbildung 1) lässt sich ableiten, dass der wirtschaftliche Druck auf Unternehmen aller Sektoren und Größenklassen zugenommen hat.

Wirtschaftswachstum Global 1998 – 2009 (Quelle: Statistik Austria)

Trotz der wirtschaftlich volatilen Zeiten und den immer enger werdenden Ressourcen wird aus den Erhebungen der Eurostat im Bezug auf Innovation klar ersichtlich, dass der Trend zu mehr Innovationen geht. Der Vergleich der erhobenen Daten der „Community Innovation Surveys“ aus den Jahren 2006 und 2008 in den Bereichen Innovationstätigkeit bei Produkt- und Prozessinnovationen (Product and Process Innovation) als auch im Bereich der Aufwendungen für Innovationen (Innovation activity and expenditure) an, zeigt deutlich, dass die Tätigkeiten der Unternehmen in diesen Beobachtungspunkten zugenommen haben. Die Daten dieser Untersuchungen werden von der Eurostat, dem europäischen Amt für Statistik, frei zugänglich zur Verfügung gestellt:

http://epp.eurostat.ec.europa.eu/portal/page/portal/statistics/search_database 

In der von Booz and Company erstellten Studie „The Global Innovation 1000: How the Top Innovators keep winning“

Siehe: http://www.booz.com/global/home/what_we_think/featured_content/innovation_1000_2010) werden die Zusammenhänge zwischen den finanziellen Aufwendungen für Innovation und den vermeintlichen Innovationserfolgen untersucht. Die Studie kommt zum Schluss, dass statistisch kein signifikanter Zusammenhang zwischen finanziellen Aufwendungen für Innovationen und dem Innovationserfolg hergestellt warden kann.  Die Studie erklärt weiter, dass die Hauptfaktoren für den Innovationserfolg eine Kombination sind aus:

  • Talent
  • Wissen
  • Team- und Unternehmensstruktur
  • Beherrschter Innovationswerkzeuge
  • Stabiler und beherrschter Prozesse

(vgl. Jaruzelski, B./Dehoff K., 2010).

Bernhard Hofer führt auf Basis dieser Hintergründe eine Studie durch, um herauszufinden, wie KMUs Innovation betreiben. Der Fokus des Fragebogens liegt auf dem System und der Herangehensweise wie Unternehmen aus innovativem Input ein Produkt, eine Dienstleistung und/oder einen Prozess formen. Bezugnehmend auf die Studie von Booz&Company und eigenen Erfahrungen im Bereich des angewandten Innovationsmanagements soll untersucht werden, ob Innovationswerkzeuge bekannt sind, angewandt werden und ob hinter der Innovationskraft der KMUs stabile Prozesse stehen. Im Grunde soll der Grundfrage nachgegangen werden:

„Wie wird Innovation in KMUs betrieben?“

Der Fragebogen: https://www.soscisurvey.de/Innovation2011MCI/

Zum Autor

Bernhard Hofer ist berufsbegleitender Student am Management Center Innsbruck mit der Vertiefungsrichtung Prozess-, Projekt und Qualitätsmanagement, sowie Informations- und Wissensmanagement. Beruflich ist der Autor derzeit bei der Firmengruppe Bellutti Planen für Projektmanagement, Business Development und Innovationen zuständig.

Innovatoren innovieren innovativ?! Verkommt der Begriff Innovation durch seine inflationäre Verwendung zur Worthülse?

1 November 2011 von Administrator 2 Kommentare »

Im Rahmen des Innovationskongresses Kärnten findet ein Blogparade zu aktuellen Innovationsthemen statt. Eines der Themen ist die Rolle der Innovation – Ist es eine Überlebensstrategie oder verkommt es zur Worthülse?

In den Insiderkreisen der Produktentwickler und Innovationsmanager mag es sein, dass der Begriff schon inflationär gehandhabt wird. Jedoch in anderen Unternehmensbereichen wie beispielsweise in Finanzabteilungen oder der IT ist Innovation noch zu wenig ein Thema bzw. glauben wir, dass viele mit dem Begriff nicht allzu viel anfangen können.  

Frage ich manchmal bei Vorträgen vor Schülern und Studenten, was eine Innovation ist, bekomme ich relativ rasch die Antwort “etwas Neues”. Hacke ich nach und will Beispiele wissen, folgt Schweigen oder ein leises “Apple”.

Das zeigt mir, dass es zu Innovation noch kein gemeinsames Verständnis gibt. Für viele ist Innovation was Großes, was Einzigartiges, und somit nur was für Gurus wie Steve Jobs, Bill Gates oder die Entwickler von BMW. Und allzu oft wird Innovation auf kreative Produkte in schickem Design reduziert.

Aber Innovation ist viel mehr. Innovation ist eine Denkweise, die wir alle in unserem Arbeits- und Lebensalltag integrieren können. Für Unternehmen bedeutet Innovation, sich weiterzuentwickeln, an Marktveränderungen anzupassen, auf Trends zu reagieren und neue Chancen zu nutzen.

Das kann durch verbesserte und neue Produkte für neue Märkte sein, aber auch durch effizientere Prozesse und Organisationsstrukturen. Und damit ein Unternehmen in diesem Kontext innovativ sein kann, muss und kann jeder einzelne Mitarbeiter seinen Beitrag dazu leisten.

  • Ideen einbringen.
  • Ideen nicht nur haben, sondern deren Umsetzung vorantreiben und Ideen anderer zu unterstützen.

Jetzt mögen viele denken, das ist “KVP” oder “Ideenmanagement”. Aber Innovation ist (wie schon gesagt) mehr. Innovation ist der Schirm über alle Optimierungs- und Innovationsaktivitäten:

  • Systematische Produkt- und Dienstleistungsinnovation auf Basis von Marktstrategien
  • Neue Technologien und Produktionsverfahren
  • Kontinuierliche Weiterentwicklung von Abläufen, Werkzeuge und Organisationsstrukturen

Innovation ist das ständige Suchen nach neuen Potentialen und das Hinterfragen von aktuellen Praktiken zur Identifikation von Verbesserungschancen.

Ein weiterer Unterschied im Vergleich zu klassischen Ideensystemen ist das Setting. Geht es bei diesen traditionellen Systemen um das Sammeln von Ideen, sollte in Unternehmen mit einer ausgeprägten Innovationskultur Innovation zum Daily Business gehören. Das bedeutet, wie schon erwähnt, nicht nur Ideen zu haben, sondern auch zu verwerten. Und dazu muss das Unternehmen die entsprechenden Rahmenbedingungen wie Freiräume oder Zusammenarbeit fördern.  

Zusammenfassend ist Innovation ganzheitlich zu sehen:

  • Innovation für Produkte, Dienstleistungen, Geschäftsmodelle, Prozesse, Organisation …
  • Einbindung aller Mitarbeiter, aber auch externer Partner – Innovation durch ALLE.

In diesem Kontext ist der Begriff “Innovation” aus unserer Sicht nicht inflationär. Denn genau dieses Verständnis fehlt in vielen Unternehmen noch. Innovation wird zu oft an die F&E-Abteilung oder den Innovationsmanager delegiert anstatt an die gesamte Belegschaft.

Und was ist Eure Meinung?

Wohin mit dem Innovationsmanager – Studienergebnisse

15 Oktober 2011 von Administrator 1 Kommentar »

Die Studie “Wohin mit dem Innovationsmanager” beschäftigte sich mit der organisatorischen Integration des Innovationsmanagements. Über die optimale organisatorische Anbindung eines Innovationsmanager kann man lange diskutieren, ob beim Markt, der F&E oder gar beim Vorstand, daher wollten wir im Zuge einer Mini-Studie die Frage näher beleuchten.

27 Innovationsmanager nahmen an der Studie teil, wofür wir uns an dieser Stelle sehr herzlich bedanken!

Die erste Frage beschäftigt sich mit der Art der Organisation des Innovationsmanagers. Ein Großteil der Unternehmen haben eine eigene Abteilung für das Innovationsmanagement, ein Drittel als Stelle und rund ein Fünftel als Erweiterung einer bestehenden Funktion.

Die Art der Integration hängt sicherlich sehr stark vom Aufgaben- und Verantwortungsbereich des Innovationsmanagers und der Unternehmensgröße ab.

In der Studie wurden zwei Hauptfragen gestellt:

  • die aktuelle organisatorische Integration (IST) und
  • die optimale Integration (SOLL).

Die nachfolgende Grafik stellt die Ergebnisse zusammengefasst dar.

Mehr als die Hälfte der Befragten sind der Meinung, Innovationsmanagement ist am besten beim Vorstand aufgehoben. Argumente sind

  • Innovationsmanagement ist eine Querschnittsfunktion und mehr als F&E oder Marketing.
  • Innovation hat einen strategischen Kontext.
  • Innovationen müssen im gesamten Unternehmen gefördert werden.
  • Innovation ist eine erfolgskritische Funktion und soll direkt an die Entscheidungsebene berichten.
  • Blick aufs Ganze.

Die organisatorische Anbindung hängt natürlich auch sehr stark vom Geschäftsmodell und der individuellen Unternehmensstruktur und Aufgabenteilung, speziell vom Aufgabenportfolio des Innovationsmanagers, ab.

Beispielsweise spielt die Schnittstelle zu Marketing und F&E eine wesentliche Rolle. Bei der Integration des Innovationsmanagement sollte sichergestellt werden, dass es gute Kanäle in diese Funktionsbereiche gibt. Es hat sich auch gezeigt, dass in technologiegetriebenen Unternehmen Innovationsmanagement in der Forschung & Entwicklung sehr gut aufgehoben ist, da Innovationen dort entstehen und getrieben werden. Es gibt auch zahlreiche valide Gründe, die für ein Anbindung an das Marketing und Produktmanagement sprechen, vor allem um die Kunden- und Marktorientierung sicherzustellen. Die Sensibilität für Kundenerwartungen und Marktchancen von Innovationen ist höher und besser einschätzbar.

Was sich allerdings als wichtigster Erfolgsfaktor zeigt, ist die Zusammenarbeit zwischen Techniker und Marketer, die durch das Innovationsmanagement verlinkt werden. Dementsprechend muss der Innovationsmanager richtig platziert werden, um diese Prozess bestmöglichst zu steuern und mitzugestalten.

Die folgende Grafik zeigt nochmals die Ergebnisse im Detail, wo nach Meinung der Befragten das Innovationsmanagement am besten positioniert ist (siehe Balken). Die Farben sagen entsprechend der Legende aus, wo die Befragten aktuell angebunden sind. Zur Interpration, zum Beispiele  wünschen sich 3 aus der F&E beim Vorstand angesiedelt zu sein. Schwarz bedeutet, dass IST und SOLL ident ist / “passt”.

Als letzte Analyse haben wir die Zustimmung dargestellt. Die Grafik bedeutet beispielsweise dass die Hälfte der in der Forschung angesiedelten Innovationsmanager mit der aktuelle Einbindung zufrieden sind, die andere Hälfte ist der Meinung, dass Innovationsmanagement in eine andere Organisationseinheit besser passen würde.

Die Studie präsentiert natürlich aufgrund der kleine Stichprobengröße keine wissenschaftlich fundierten Ergebnisse. Jedoch sind interessante Tendenzen erkennbar. Zusammengefasst zeigt die Studie, dass Innovationsmanager an strategischer Stelle positioniert sein möchten, entweder beim Vorstand oder beim Business Development / Strategieentwicklung. Dort herrscht auch die größte Zufriedenheit. Bei der optimalen Anbindung spielt die Funktion des Innovationsmanagers in der Organisation eine wichtige Rolle, das soll auch bei organisatorischen Integration berücksichtigt werden, vor allem in Bezug auf Informationskanäle, Schnittstellen und Steuerungsaufgaben.

Diese Thema lässt sich unendlich erforschen und analysieren. Wenn Sie konkrete Interessen und Ideen haben, das Thema weiter zu erforschen, analysieren, bearbeiten oder zu diskutieren, dann melden Sie sich einfach. Das Team rund um Inknowaktion ist für (fast) alles bereit.

Industrial Design ist mehr als schickes Design

4 Oktober 2011 von Administrator Keine Kommentare »

Angenommen Sie bekommen den Auftrag, Mineralwasser zu innovieren. Was kann man an Wasser mit Kohlensäure optimieren? Hier gibt es nicht viel Produktinnovationspotential. Glaubt man.

Das Potential für Produktinnovation ist zwar beschränkt, aber auch hier ergaben sich nach vielen Jahren ohne Innovation zahlreiche Möglichkeiten, wie beispielsweise die Veränderung des Kohlensäuregehaltes (stilles und mildes Mineralwasser) oder die Kreation von Wellnessgetränken durch Zugabe von Aromen.

Aber das können viele Mineralwasserhersteller kopieren. Vöslauer hat gezeigt, wie man sich differenzieren kann. Und zwar mit Design, konkret in der Verpackung. Durch Design wurde nicht nur das optische Auftreten, sondern die Funktionalität innoviert:

Konkret möchten wir den Stöpsel herausgreifen:

  • Die Rillen optimieren die Kraftübertragung beim Öffnen.
  • Lücken im Gewinde im Inneren des Stöpsels unterstützen die Druckentlastung beim Öffnen.
  • Die Tiefgezogenen Rillen außen herum bieten Schutz im Falle eines Verschluckens.

Wie man sieht, kann man mit Design ein hohes Potential an Innovation und Verbesserung ausschöpfen. Design ist nicht nur schickes Verschönern und kreatives Gestalten. Design ist Funktion für den Kunden: Verbesserung der Handhabung, Nutzung und Umweltverträglichkeit. Dadurch wird Zusatznutzen für die Kunden geboten und die Differenzierung zum Wettbewerb signifikant gesteigert. Die Kassen klingeln.

Case Study zur Verfügung gestellt von Michael Thurow | tm concepts e.U. – Innovations- und Designmanagement | www.tm-concepts.at